Beobachtungen zur Bestimmung der Missweisung der Magnetnadel,
angestellt in den Sommermonaten der Jahre 1870—1876 (inel.) zu Flensburg.
Von H. Pfeiffer, Navigationslehrer zu Flensburg.
Die nachfolgenden Missweisungs-Beobachtungen sind mit einem von Imme
in Berlin angefertigten Peil-Compass von 21 Centimeter Durchmesser gemacht.
Der Compass ist in allen seinen Theilen gut ausgeführt, sowie vor den Be-
obachtungen jedes mal möglichst genau untersucht worden. Die Excentricität
ist als kaum merklich gefunden worden. Die beiden Diopter stehen normal
auf dem Deckel des Compasses. Die Windrose ist in drittel Grade getheilt,
zur Ablesung sind keine weiteren Hülfsmittel vorhanden (ein Prisma ist nicht
angebracht), so dass bei den einzelnen Beobachtungen nur auf 5‘ geschätzt
werden konnte, Unterhalb der Windrose befinden sich zwei, unter sich und mit
der Nord—5Süd-Linie genau parallel auf der hohen Kante stehende Magnetnadeln,
jede aus drei Lamellen bestehend, weshalb der Collimationsfehler der Nadeln als
verschwindend klein angesehen werden kann.!) Die Inclination der Nadel war
so genau wie möglich beseitigt; vor jeder Beobachtung wurde der Compass mit
Hülfe einer Libelle horizontal gestellt.
Um etwaige, durch Excentricität oder Stellung der Diopter hervorgebrachte
Fehler zu beseitigen, sind immer eine Anzahl Beobachtungen Ost vom Meridian,
sowie eine möglichst gleiche Anzahl West vom Meridian angestellt, welche so
gewählt waren, dass die jedesmaligen Peilungen annährend diametral und. die
Höhen der Sonne nicht zu sehr verschieden waren.
Die Beobachtungen selbst sind an drei verschiedenen Orten gemacht,
von denen zwei auf der West- und einer an der Ost-Seite der sich hier recht-
weisend Nord— Süd erstreckenden Flensburger Föhrde liegen; alle diese drei
Orte sind eisenfrei; dass unterirdische Eisenmassen vorhanden wären, ist nicht
anzunehmen, überhaupt nicht wahrscheinlich.
Die Positionen dieser drei Orte sind:
54° 47,8‘ Nord-Br. und 9° 25.8‘ Ost-Lg. auf der Anhöhe bei Duburg,
54° 47.3‘ Nord-Br. und 9° 26.2‘ Ost-Lg. auf einem freien Platz am Hafen,
54° 48.3‘ Nord-Br. und 9° 26.7‘ in Kielseng am Strand.
Schliesslich ist aus den Beobachtungen Ost, sowie West vom Meridian
das Mittel genommen und aus den beiden erhaltenen Mittel haben sich für die
einzelnen Jahre, folgende Resultate ergeben:
1870 den 6. August Missweisung
1871 „ 22. Mai
1872 „ 2. Juni
1873 „ 19. Juli
1874 „ 7. Juni
1875 „ 8. Juli
1876 A 14. Juli
Mn
Bemerkung zu dem Aufsatz:
„Vorläufige Bestimmung der Constanten der Fluth und Ebbe
zu Wilhelmshaven,“
(„Annalen der Hydrographie“, 1876, pag. 470.)
Nach Veröffentlichung des Aufsatzes über die Bestimmung der Constanten
der Fluth und Ebbe zu Wilhelmshaven ging dem Unterzeichneten ein Schreiben
von Herrn Professor Dr. Förster als Herausgeber des dort angezogenen
Theiles des „Normal-Kalenders“ zu, worin mitgetheilt wurde, dass die Liste
der Hafenzeiten dem Herrn Professor Förster mittels Schreibens vom 1. Juni
1870 aus dem damaligen Marine- Ministerium zugegangen sei. Weitere Nach-
forschung in den Acten ergab, dass die für Wilhelmshaven angegebene Zahl
1) Diese Anordnung der Magnetnadeln allein dürfte nicht genügende Sicherheit gegen das
Vorhandensein eines Collimationsfehlers gewähren. Für genaue Beobachtung dieser Art erscheint
ein umleghbares System unerlässlich. A. d. R.