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3ehr nahe war. Offenbar behinderte die Alpenkette wie eine hohe Wand die
Ausgleichung, was nicht Wunder nehmen kann, wenn man bedenkt, dass etwa
Va der ganzen Atmosphäre unterhalb der Kammhöhe der Alpen von 2340 Met.
sich befindet, und dass zahllose Gipfel und ganze Gebirgsstöcke sich noch weit
über dieses Niveau erheben, bis zu einer Höhe hinauf, wo der Luftdruck nur
die Hälfte jenes am Meeresspiegel beträgt. Um den grossen, in neuerer Zeit
vielleicht nicht genügend beobachteten Einfluss der Gebirge auf die Luft-
eirculation ganz zu würdigen, muss man bedenken, dass der Himalaya mit
seiner mittleren Kammhöhe von nahe 4600 Met. für die ganze, uns unmittelbar
angehende untere Hälfte der Atmosphäre als eine derartige undurchdringliche
Scheidewand dient, welche erst in den höheren sehr verdünnten Luftschichten
die Einflüsse z. B. der mongolischen Wüsten und des Indischen Oceans zur
gegenseitigen Berührung und Ausgleichung gelangen lässt,
Zum Schluss sei es gestattet, das Verhältniss der verschiedenen Methoden
der Bearbeitung der Barometerstände zu einander, und zwar der Methode der
Reduction auf den Meeresspiegel zur Methode der Abweichungen vom Normal-
stande in aller Kürze zu resumiren.
Das Ziel ist in beiden Fällen dasselbe, wie Eingangs hervorgehoben,
nämlich: die direct abgelesenen Barometerstände vergleichbar zu machen, zum
Zwecke der Ableitung der horizontalen Druckvertheilung; der Einfluss der
Lufttemperatur und der absoluten Höhe des Barometerstandes ist in beiden
Fällen derselbe. Es ist klar, dass die Abweichung vom Normalstande auf einer
hochgelegenen Station nicht gleichwerthig ist mit einer solchen von einer tief-
liegenden Station; denn wenn in der zwischenliegenden Luftschicht nicht gerade
Temperaturverhältnisse herrschen, die diesen Einfluss compensiren, so wird
durch einen geringeren Druck im oberen Niveau auch ein geringeres specifisches
Gewicht der unteren Luftschichten hervorgerufen und muss sich der Ausfall, die
negative Abweichung des Barometerstandes, mit der Tiefe immer weiter summiren
und vergrössern. Kbenso ist leicht einzusehen, dass diese Zunahme der nega-
tiven und positiven Abweichungen mit der Tiefe resp. mit dem Barometerstande
abhängen muss von der Temperatur der betreffenden Luftschichten, und zwar
genau in derselben Weise, wie die Grösse der Reduction auf den Meeresspiegel
davon abhängt.
Wenn nun trotzdem die Methode der blossen uncorrigirten Abweichungen
lange Zeit von Vielen, und von Manchen auch jetzt, für besser als die Reduction
auf das Meeres-Niveau angesehen ist, wenn mit jener Methode eine ganze Reihe
grundlegender Untersuchungen durchgeführt und wichtige Gesetze zu Tage ge-
fördert werden konnten, so scheint es wohl gerathen, an dieser Methode nur
die Hauptmängel zu beseitigen und die Hauptvortheile derselben nicht aufzu-
geben. Diese Hauptvortheile sind deren Einfachheit und die verhältnissmässige
Integrität der einzelnen beobachteten Daten resp. der Veränderungen des Luft-
drucks, der Zeit nach, an einer und derselben Station. Die Hauptnachtheile aber
sind erstens die Nichtberücksichtigung der normalen räumlichen Differenzen des
Luftdrucks, die stets vorhanden, zu jeder Jahreszeit anders und die Ursachen
des normalen Vorherrschens bestimmter Luftströmungen sind; zweitens die Nicht-
berücksichtigung der absoluten Höhe des Barometerstandes, insbesondere der
constanten Unterschiede zwischen hoch und niedrig gelegenen Stationen; diese
Fehler hätten allerdings vermieden werden können, wenn man die Abweichung
nicht mittelst Differenzen, sondern durch Quotienten resp. in Procenten des
mittleren Luftdruckes ausgedrückt hätte, doch wäre dadurch der Vortheil der
Einfachheit der Methode verloren gegangen.
Diese Hauptfehler sind vermieden und jener Hauptvortheil ist erhalten
in der oben dargelegten, an der Seewarte angewandten Methode der Behandlung
der Barometerstände, welche sich deshalb wohl zur allgemeineren Annahme
empfehlen dürfte,
ZZ