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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 5 (1877)

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Bis 7° Ost-Lg. in 35'/2 Süd-Br. hatten wir noch einigermassen günstige 
Winde, geriethen hier aber in eine Zone hohen Luftdrucks, woselbst Wind- 
stillen und umlaufende Winde, sowie auch die Umänderung des bisherigen Ost- 
stroms in nördlichen und nordwestlichen unser Fortkommen sehr beeinträchtig- 
ten. Die Zone hohen Luftdrucks schien dennoch allmählich zurückzubleiben, 
denn die aus südöstlicher Richtung durchkommende stetige Kühlte raumte mit 
langsam fallendem Barometer allmählich auf, und wir kamen wieder vorwärts. 
Am 2. August wurde das Cap der guten Hoffnung gesehen, denselben Abend 
Cap Agulhas passirt und am 5. August der Löschplatz in Algoa Bat erreicht. 
Wir hatten also von der Linie bis hierher 45 Tage Reise gehabt. Ein schwacher 
Trost war es nur, dass andere Schiffe ebenso lange und theilweise noch länger 
unterwegs gewesen waren; doch auch eine Ausnahme fand sich, indem ein 
Schiff im Ganzen 65 Tage Reisedauer vom Kanal aus hatte und im Süden mit 
dem frischen Westwinde hatte segeln können, von welchem wir nichts weiter, 
als die beständig hohe Dünung empfunden hatten. 
Bis 7° 20’ Ost-Lg. in 35° 30’ Süd-Br. trafen wir seit dem Verlassen der 
Passatregion schwache aber constante östliche Strömung, fanden aber mit den 
larauf eintretenden Windstillen und umlaufenden Winden nördliche und süd- 
liche Strömungen abwechselnd, nämlich bis 10° 34‘ Ost-Lg. Strom N79°E 
LO0.s Seem., bis 11° 42‘ Ost-Lg. Strom N32°W 32.9 Seem. in 2 Tagen, bis 
12° 46‘ Ost-Lg. Strom N 55° W 21.0 Seem. und dabei die niedrigste Meeres- 
temperatur 13.1° C.; bis 13° 43‘ Ost-Lg. Strom S73E 3.4 Seem., bis 14° 24’ 
Ost-Lg. Strom S13°E 15.4 Seem., bis 15° 17‘ Ost-Lg. Strom S 77° W 17.6 Seem. 
and bis 16° 53‘ Ost-Lg. Strom N 50° W 17.1 Seem.; am folgenden Tage er- 
blickten wir dann das Cap der guten Hoffnung. Von hier an längs der Küste 
[anden wir dann noch schwache Versetzung nach Ost und die Meerestemperatur 
zwischen 14.1° und 17.53° C. schwankend, je nachdem wir uns der Küste näher- 
ten oder uns davon entfernten. Der eigentliche Verlauf der Gewässer westlich 
vom Cap der guten Hoffnung ist noch immer nicht genügend aufgeklärt. Den 
Jberflächentemperaturen nach scheint die Agulhas-Strömung nicht westlich herum 
zu holen und nur den Damm zu bilden, an welchem die aus Westen, aus dem 
Atlantischen Ocean, zufßliessenden Gewässer abprallen und nach Norden hin ab- 
gelenkt werden.‘) Das stimmt nun freilich nicht mit den Gesetzen der Centri- 
[ugalkraft, oder doch nicht mit der Vorstellung davon, und so bleiben immer 
noch Zweifel. Im Ganzen scheint es aber doch, als wenn der Zufluss hier im 
Westen des Caplandes nicht so regelmässig ist, als der Abfluss der Aequatorial- 
(Passat-) Strömung, es müsste denn sein, dass ersterer sich bald in geringerer, 
vald in grösserer Entfernung vom Lande einstellt. Beobachtungen über das 
zpecifische Gewicht des Meerwassers, die wir hier angestellt haben, sind resultat- 
ij) Dagegen ist Folgendes zu bemerken. Zunächst hat der „Challenger“ im October 1873 das 
erste wahrscheinliche Anzeichen des warmen ‚Agulhas-Oberflächenstromes schon 380 Seem. westlich 
vom Cap der guten Hoffnung, den wirklichen ‚Agulhas-Strom, oder vielmehr den an der Westseite des 
Zap’s nordwärts abgelenkten Zweig des letzteren, allerdings erst in einer Entfernung von 21 Seem. 
vom Lande, aber weiter nach dem Lande zu bis zu einer Tiefe von 165 Met. angetroffen, wie aus 
den Temperaturerhöhungen um 2° C. an den betreffenden Stellen im Vergleich zu den weiter nach 
See zu gelegenen hervorging. Capt. Sir G. Nares bemerkt hierbei (s. „Hydr. Mitth.“, 1874, pag. 84): 
„Erst eine ausgedehnte Reihe von Beobachtungen kann über die Ursache des Hemmens oder Wendens 
des ‚Ayulhas-Stromes Aufschluss geben. Die Beobachtungen auf dem „Challenger“, scheinen aber da- 
rauf hinzudeuten, dass der breite und langsame „Sürdatlantische Triyt-Strom“, durch die fortwährend 
wehenden westlichen Winde ostwärts getrieben wird, seine Wasser an der Westküste von Afrika an- 
näuft und das Niveau des Meeres in genügendem Grade erhöht, um den ‚Agulhas-Strom zu hindern, 
seinen Lauf fortzusetzen; dieser wird von dem kälteren Triftstrom fast ganz aufgenommen oder doch 
abgelenkt. Der kleine Theil des Agulhas-Stromes, welcher während der Herrschaft der südlichen 
Winde um das Cap herum nordwärts getrieben wird, vermischt sich mit dem kälteren Wasser des 
Triftstromes, welcher ebenfalls einen Ausläufer nach Norden hin entsendet und in diesem sowohl die 
Afrikanische Küste als den Agyullus-Strom streift und begegnet.“ Ferner hat Capt. z. See Frhr. 
v. Schleinitz auf seiner Fahrt mit S. M, S. „Gazelle“ von der Congo-Mündung bis zur Capstadt 
im September 1874 in 33° 28.5‘ Süd-Br. und 1° 8,9‘ West-Lg. einen plötzlich zu Tage tretenden, 
schmalen Streifen von warmem Unterwasser wahrgenommen und durch Reihentemperaturmessungen 
zonstatiren können; die Temperatur an der Oberfläche betrug 15.6° C., in einer Tiefe von 91 Met. 
50 Fad.) 19.4° C. und von 183 Met. (100 Fad.) wieder 14.6° C. Die in Tiefen von 738 und 146 Met. 
40—80 Fad.) ausgeführten Strommessungen scheinen darauf hinzuweisen, dass dieser Streifen ein 
Zweig des Ayılhas-Stromes gewesen sein kam (s. „Ann. d, Hydr.“, 1875, pag. 71 und die dazu ge- 
hörigen Tabellen). A. d. R.
	        
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