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iringen im südlichen Winter zwischen der Küste und dem Passat vor und
können dort recht hinderlich werden, Soviel ist gewiss, je westlicher man sich
alsdann befindet, desto südlicher weht der Passat, von desto längerer Dauer sind
auch die Perioden, in denen er besonders südlich weht. Die Veränderlichkeit
in der Richtung des Südostpassats tritt zu jeder Jahreszeit ein und wird so-
wohl nördlich, als südlich von 10° Süd-Br. ebenso gut bemerkt, als die allge-
meine Veränderung der Windrichtung nach dem Sonnenstand in halbjährigen
Perioden sich zeigt. Wir sind in den günstigen Monaten December und Januar,
von 30° West-Lg. im Aequator aus, mitunter 300 Seem. östlich von Fernando
Noronha vorbeigekommen, haben ferner zur selben Jahreszeit auf einer anderen
Reise zwischen obiger Insel und den KRoccas durchsegeln müssen und unweit
Natal die brasilianische Küste erreicht, und dort gegen einen Strom, der bis
zu 24 Seem, täglich nach NW setzte, kreuzen müssen, Die Benutzung einer
gelegentlichen Bö mit südlichen Winden unweit des Aecquators, um etwas Ost
zu holen, hätte die Sache ändern können, doch wir glaubten damals noch an
vaumen Wind längs der ganzen brasilianischen Küste, während dies doch nur
südlich von Pernambuco der Fall ist.
Auf der letzten Reise hatten wir im Südostpassat eine Windänderung von
Ost in 13° Süd-Br. bis SEzS in 19° Süd-Br., abgesehen. davon, dass der Wind in
2° Süd-Br. aus EzS und in 7° Süd-Br. wieder SE war, woraus man auch schon
ersieht, dass die Veränderlichkeit in der Windrichtung um 2 Strich grösser war,
als nördlich von 10° Süd-Br. Den Südwestarm der Aequatorial- (Passat-) Strömung
fanden wir unausgesetzt den ganzen Passat hindurch, im südlichen Theil jedoch
mehr als Oberflächentrift. Von 0°—3° Süd-Br. betrug unsere Stromversetzung
49 Seem. in 2 Tagen nach S 31° W, darauf hatten wir bei südlicheren Winden
zwischen 3° und 9° Süd-Br. folgende Strömungen: S81°W 32 Seem., West
29.8 Seem., und S63° W 8.9 Seem., wobei bemerkenswerth ist, dass am mitt-
leren der 3 Tage, wo der Strom am westlichsten lief, auch der Wind am süd-
lichsten angetroffen wurde. Hiermit waren wir aber aus der eigentlichen Strö-
mung gekommen, und obgleich dieselbe noch bis 24° Süd-Br. fortfuhr südwest-
lich zu laufen, hatte doch ihre Stärke bis zu derjenigen einer gewöhnlichen
Oberflächentrift abgenommen.
Erwähnenswerth ist noch, dass das Meer zwischen 1° 30‘ Nord-Br. und
3° Süd-Br. um 1° C, kälter gefunden wurde, als zwischen 3° und 7° Süd-Br.
und nördlich vom Aequator im Hauptarm der Aequatorial- (Passat-) Strömung.
Es ist möglich, dass östlich submarine Erhebungen vorhanden sind, deren
Untergrund ja gewissermassen von der Deutschen Corvette „Gazelle“ in 1°
Süd-Br. aufgefunden wurde,!) und dass dadurch eine Vermischung der wärmeren
Gewässer mit kälteren ermöglicht, oder auch die Trennung des Südwest-
arms vom Hauptarm der Aegquatorial- (Passat-) Strömung hervorgebracht
wird. Die Erwärmung des Hauptarmes selbst geschähe dann zufolge der von
Capt. Toynbee aufgestellten Theorie durch Zufluss aus dem Guineastrom, wo-
gegen das weiter südlich angetroffene wärmere Wasser eine mehr östliche Ab-
stammung haben mag, Die Temperaturen waren folgende: in 1° 30‘ Nord-Br.
26.2° C., in 1° Süd-Br. 25° C., in 3° Süd-Br. 26.2° C., in 5° Süd-Br. 27.2° C.
und in 10° Sud-Br. noch 26.2° C., wogegen der Hauptarm nördlich von 1° 30“
Nord-Br. durchschnittlich eine Temperatur von 27.5° C. bis 28.1° C. als Maxi-
mum hatte. Ziehen wir dazu noch in Betracht, dass der Strom zwischen 1° 30’
Nord-Br. und 3° Süd-Br., also im kühlen Wasser mit dreimal so grosser Stärke
lief, als weiter südlich, so ist die Ursache der Trennung des Südwestarms vom
Hauptarm wahrscheinlich im Obigen zu suchen. Man sicht hieraus wieder, wie
Strombeobachtungen nur durch Angaben der Meerestemperaturen ihre nähere Be-
gründung finden und erst dadurch absoluten Werth erhalten.
1) Vgl. „Annal. d. Hydr.“, 1875, pag. 70 ff. Das Vorhandensein eines zusammenhängenden
anterseeischen Höhenzuges zwischen Zvistan da Cunha und Ascension und nördlich von dieser Insel
is St. Pauls Rocks ist durch die Lothungen und Temperaturmessungen I, Br. M. S, „Challenger“ im
August 1873 (von Nares) und April 1876 (von Tizard), in Verbindung mit den oben erwähnten
Beobachtungen und Untersuchungen des Commandanten der „Gazelle“, Capt. z. See Frhr. v. Schleinitz,
in der That erwiesen worden, worüber wir im nächsten Heft dieser Annalen ausführlich berichten
werden. A. dd. R.