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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 5 (1877)

und am 20. November wurde 30° Nord-Br. in 24.5° West-Lg. nach einer Reise 
von 20 Tagen geschnitten. 
Dagegen verliess der „Ka Moi“ die Downs am 5. November, traf in den 
nächsten Tagen veränderliche, westliche Winde, und stand am 9. November in 
49.6° Nord-Br. und 4° West-Lg.; dann begann ein steifer Ost-Wind zu wehen 
nnd am 17. November wurde in 22.5° West-Lg. 30° Nord-Br. erreicht, 12 Tage 
nach Verlassen der Downs. 
In diesen drei Fällen ist stets das mehr südlich und östlich stehende Schiff 
auch das von frischerem Ostwinde mehr begünstigte. Bei dem „Johannes“ zeigt 
sich dies besonders deutlich; hätte derselbe vom 15. Januar an etwa SE gesteuert, 
so würde er in kurzer Zeit in den günstigen Ostwind hineingelaufen sein und 
dadurch dann seine Reise bedeutend abgekürzt haben. Nachdem der „Mozart“ 
den Ostwind erhalten hatte, verlor er ihn vielleicht nur deshalb nicht wieder, 
weil er nicht zu weit westlich absteuerte, sondern wie sein Gegner nach 30° 
Nord-Br., hinsteuerte. Die „Helene“, welche den anhaltenden steifen Ostwind 
ihres östlicher stehenden Partners auch nicht hatte, machte doch eine gute 
Reise nach 30° Nord-Br., weil sie schliesslich von nordwestlichen und nördlichen 
Winden begünstigt wurde, während der „Anton Günther“ von 36° bis 30° 
Nord-Br. südwestliche Winde antraf. 
Ob nun die Schiffe, welche nördlich um Schottland gingen, durch diese 
ihre Wahl im Ganzen verloren, ob‘ sie würden besser gethan haben durch den 
Kanal zu segeln, lässt sich aus diesen drei Vergleichungen nicht beweisen. Um 
dies zu können, müssten je zwei Schiffe zur gleichen Zeit etwa denselben Hafen 
in der Nordsee verlassen haben; so beginnen die Vergleichungen erst, wenn die 
züdlicheren Schiffe den am schwierigsten zurückzulegenden Theil, Nordsee und 
Kanal, schon hinter sich haben. Das indessen sehen wir, dass die südlicheren 
Schiffe, sobald sie einmal ausserhalb des Kanals waren, günstigeren Wind fanden 
als ihre Mitsegler, welche westlicher und nördlicher standen. Und diese wich- 
tige Erscheinung, welche durch die Erfahrung heimwärtes bestimmter Schiffe, 
nachdem dieselbe 20° West-Lg. passirt haben, so oft bestätigt wird, sollten 
Capitaine zur Winterszeit doch wohl berücksichtigen, ehe sie sich entschliessen, 
ihren Weg nördlich um Schottland zu nehmen. 
Es wurden allerdings von Schiffen, die im Spätherbst und Winter die nörd- 
liche Route wählten, obgleich sie nach südlichen Häfen bestimmt waren, schon 
recht gute Reisen gemacht. Es folgen hier einige Beispiele, die alle im Kriegs- 
jahre 1870 ausgeführt wurden. 
Der „Carl Graf Attems“, Capt. H. Bruel verliess die Elbe am 9. De- 
cember 1870, stand am 14. December in 60° Nord-Br. und 5° West-Lg., hatte 
dann meistens NW und Westwinde, kreuzte 30° Nord-Br. in 24° West-Lg. am 
28. December und erreichte St. Thomas nach einer Reise von 34 Tagen. Die 
„Hermine“, Capt. Wilms, verliess die Weser am 22, ‚October 1870, war am 
27, October in 59.5° Nord-Br. und 5° West-Lg. und am 3. November in 56° 
Nord-Br. und 19° West-Lg.; bis zu dieser Zeit wehten meist südwestliche Winde. 
Von nun an wurde das Schiff vom Winde mehr begünstigt; am 18. November 
wurde 30° Nord-Br. in 45° West-Lg. geschnitten und nach einer Reise von 49 
Tagen auf dem Mississippi geankert. Auch die schon vorher angeführte „Helene“ 
hatte, obwohl sie nördlich um Schottland ging und von dem harten Östwinde 
ihres Mitseglers nichts spürte, im Ganzen doch eine recht gute Reise, denn sie 
erreichte den Mississippi nach 50 Tagen. ° 
Wir sehen unter diesen oben angeführten Reisen, wie auch das nach 
New- York bestimmte Schiff zuletzt gezwungen ist, den Passat aufzusuchen, um 
seine Länge abzulaufen. Und in der That ist diese Route unseren meist in 
Ballast segelnden, daher gegen schwere Gegenwinde sich schlecht haltenden 
Schiffen zur Winterszeit im Allgemeinen nur anzurathen. Die Capitaine sollten 
jedenfalls, sobald sie im Atlantischen Ocean schwere westliche Winde treffen, 
nach Süden abhalten, und sollten sich, wenn die Nähe des Landes es erlaubt, 
nicht daran kehren, nöthigenfalls südsüdöstlich oder noch östlicher wegzuhalten. 
Das frühere Erreichen des Passates wird ihnen die verlorene Länge bald wieder 
einbringen. Oft gehen Schiffsführer in dieser Jahreszeit in See, mit dem Ent- 
schluss, den Passat aufzusuchen; treffen sie aber ausserhalb des Kanales 
frischen Ostwind, so geben sie ihre Absicht auf und steuern den geraden Kurs.
	        
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