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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 5 (1877)

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[n Wirklichkeit gehen diose Veränderungen nicht so regelmässig vor sich, als 
nach Monaten geordnete kartographischo Darstellungen uns glauben machen 
können. Besonders ist dieses in den Uebergangsmonaten, Mai und October, von 
Bedeutung, denn alsdann handelt es sich um die Frage, ob man den Monsun 
aufsuchen oder vermeiden soll. Capt, Toynbee empfiehlt als das Sicherste, 
die Ansegelung des Monsunsgebietes, welcher Ansicht ich mich ebenfalls an- 
schliesse, wie ich das schon in meinen Bemerkungen über Reisen nach dem 
Südatlantischen Ocean im Wetterbuch der „Norddeutschen Seewarte“ vom Jahre 
1870 ausgesprochen habe. An einer anderen Stelle in früheren Wetterbüchern 
habe ich schon die Bemerkung gemacht, dass der Wind nördlich vom Stillen- 
gebiet (Doldrums) östlich holt, wenn die KEntwickelung des Monsuns in dem 
Meridian, in welchem man sich befindet, noch nicht so weit fortgeschritten ist, 
um ein Aufsuchen desselben vortheilhaft erscheinen zu lassen, dagegen nördlich 
und nordwestlich, falls südlich vom Beobachter schon der Monsun weht. Auf 
Jlieser Reise fand ich das Letztere bestätigt, obgleich der Monsun noch nicht 
besonders entwickelt war. Kin Blick auf die Windkarten des „Meteorological 
Office“ für den Monat Mai zeigt auch, dass dieses im Grossen und Ganzen der 
Fall ist. Viel klarer aber würden derartige Einzelheiten sich darlegen lassen, 
wenn fortlaufende Untersuchungen im engen Zusammenhange von Ort und Zeit 
angestellt werden könnten. Der Wunsch des „Meteorological Department“ der 
Vereinigten Staaten, Beobachtungen um 0" 43=2. Greenwich Zeit aus allen Welt- 
heilen zu empfangen, weist auf Derartiges hin, und wäre es zu wünschen, dass 
lie Capitaine darauf aufmerksam gemacht würden. 
Wir trafen die Stillen am 14, Juni in 5° 14‘ Nord-Br. und 25° 38‘ West-Lg. 
Meerleuchten wurde auf dieser Reise so ausserordentlich selten gesehen, wie 
niemals auf meinen früheren Reisen, Nördlich der Stillen (Doldrums) waren 
die Strömungen unbedeutend, theilweise nördlich laufend, wohl in Folge des 
unweit der Cap Verde’schen Inseln angetroffenen schwachen Passats. Den Ost- 
strom des Stillengebietes (oder östlichen Gegenstrom) trafen wir recht stark 
zwischen 5° 2‘ bis 3° 46‘ Nord-Br. und 25° 30‘ bis 22° 3‘ West-Lg.; unsere 
Versetzung durch denselben betrug nämlich in 4 Tagen 209 Seem. nach N 82° E. 
Zwischen 3° 46‘ und 2° 37’ Nord-Br. hatten wir dann noch sehr geringe 
Strömung und es ist möglich, dass der Strom erst östlich und dann westlich 
lief; dagegen spricht aber die Bemerkung im Journal, dass die früheren Strom- 
kabbelungen aufgehört haben, Den Aequatorialstrom!) trafen wir zwischen 2° 37‘ 
und 1° 41‘ Nord-Br. in einer Stärke von 49 Seem. per Eimal nach N 89° W. 
Von letztgenannter Breite bis zum Aequator hatten wir dann schon den Süd- 
westarm dieser oceanischen Pulsader, welcher südlicher entschieden andauernd 
gefunden wurde. 
Interessant ist, was Capt. Toynbee über diese Strömungen und deren 
Verlauf im Gebiet der Windstillen sagt: 
„Obgleich die Passatwinde, welche den westlichen Strom hervorbringen, 
hauptsächlich nordöstlich und südöstlich sind, laufen die Strömungen selbst 
durchschnittlich westlich. Es ist nun bekannt, dass die Luft, welche durch die 
Passate im Stillengebiet angehäuft wird, aufsteigt und als oberer Luftstrom 
weiter zieht. Das Wasser aber, welches die Passate vor sich hertreiben, sowie 
dasjenige welches im Stillengebiet so massenhaft als Regen niederfällt, kann 
nicht aufsteigen wie die Luft, wenn man den sehr geringen Theil ausnimmt, 
welcher in dieser wolkenbedeckten Gegend durch Verdunstung entweicht. Es 
muss sich also aufstauen und eine Krhöhung des Meeres in der Gegend der 
Stillen bilden. Diese Erhöhung aber wird natürlich das dorthin fliessende 
Wasser nach einer Richtung hin ableiten, die westlicher ist, als die der Luft, 
welche das Wasser vor sich her getrieben hat, Von dieser Erhöhung scheint 
der Oststrom, der in dieser Schrift so häufig erwähnt wurde, als eine Gegen- 
strömung abzulaufen, sobald die treibende Kraft des Windes nachlässt. Der 
Verlauf der Küste Afrika’s in Verbindung mit der durch den Südostpassat ver- 
arsachten nordwestlichen Strömung betrachtet, giebt Aufschluss für den Rück- 
Auss in den Golf von Guinea, indem das Bestreben des obengenannten Stromes 
\ Richtiger Passatstrum genannt, vgl. Anm. zu pax. 240 der „Ann, d. Hydr.“ ete., 1876. 
A. d. R.
	        
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