liegen, oder mit anderen Worten, der Schiffsort wird der Mittelpunkt M des
dem Dreiecke ABC einbeschriebenen Kreises sein müssen. Unter dieser Vor-
Aussetzung wird der mittlere Höhenfehler gleich dem Radius dieses Kreises;
3etzt man diesen auf der Breitenscala ab, so erhält man 1.s‘ und zwar sind
am diesen Betrag — da die Standlinien sich in der Richtung zum Gestirn
hin verschieben, — die Höhen zu gross beobachtet. Es wäre denkbar, dass
der Schiffsort näher liegt an einem der drei anderen Mittelpunkte, deren Kreise
das Dreieck ABC von aussen berühren, aber es ist nicht wahrscheinlich, da
in diesem Falle die Fehler in den Höhen unverhältnissmässig gross werden
müssten und überdies die eine Höhe mit einem Fehler behaftet wäre, welcher
dem der beiden andern gerade entgegengesetzt ist, was nicht wohl angeht,
wenn alle Beobachtungen mit gleicher Sorgfalt angestellt werden und jede zur
Rechnung benutzte Höhe das Mittel aus mehreren Messungen ist.
35) Zum Schluss wollen wir noch den Fall betrachten, wo vier Stern-
höhen beobachtet sind, Es seien daher folgende Beobachtungen gegeben:
1876, Sept. 6. auf etwa 18° Nord-Br. und 136° West-Lg.
Mittl. Greenw. Zeit: Wahre Höhen:
Or min. JQsec. nm, Fomalhaut x h = 22° 28‘ in SW
1 min, ZQs067 Rigel #h= 39° 6‘ in SE
1 qmin. Zs06. Deneb xh== 16° 6‘ in NW
2zmin. JQse6 Capella *xh =— 45° 53‘ in NE
Das Schiff steuere rechtweisend W!/4S mit 5 Knoten Fahrt.
Für die vier Schnittpunkte der Höhencurven mit dem Parallel von
18° N ergiebt sich dann:
Fomalhaut: + * 0” 756 W Länge = 135° 56.s‘ West
Rigel' ME # 136° 0.8‘ West
Denek- W ; 135° 56.3‘ West
Capella: - u ” 136° 4.3‘ West
Die Standlinien veranschaulicht Tafel V. Auf einer Parallele zum Kurse
sind die drei ersten um den jedesmaligen Betrag der inzwischen zurückgelegten
Distanz verschoben, um alle für den Augenblick der letzten Beobachtung zu
erhalten. Dieselben bilden in dieser Lage ein Viereck ABCD, in dessen
Durchschnittspunkt der beiden Diagonalen der Schiffsort zu suchen ist.!) Der-
selbe liegt auf 17° 58.9‘ Nord-Br. und genau 136° West-Lg., so dass dieser
Meridian als mit einer Diagonale zusammenfallend angesehen werden kann.
Fällt man von dem wahrscheinlichen Schiffsorte Lothe auf die bezüglichen
Standlinien, so erhält man die wahrscheinlichen Höhenfehler, welche in der
Reihenfolge der beobachteten Sterne
2.5‘, 1.8‘, 1.7‘ und 2.0
sind, um welchen Betrag die betreffende Höhe zu klein beobachtet ist, da sich
die Standlinien in entgegengesetzter Richtung — also vom Stern fort — ver-
schieben. Wie genau jeder Schnittpunkt das Besteck giebt ete., wolle man auf
der Tafel nachsehen,
36) Im Vorstehenden glauben wir so ziemlich diejenigen Fälle erschöpft
zu haben, welche bei Anwendung der Sumner’schen Methode der Standlinien
vorkommen können. Wir haben geglaubt, etwas ausführlich sein zu müssen,
amsomehr als diese — man kann fast sagen einzig richtige — Methode bei den
Seeleuten noch lange nicht die Anerkennung und wohlwollende Aufnahme ge-
funden hat, welche sie verdient. Im Gegentheil, es giebt eine grosse Anzahl
Schiffer und Steuerleute, welche noch nie davon gehört, geschweige denn Ge-
brauch davon gemacht haben. Diese Methode gewährt den Vortfheil, sofort
durch eine einzige, einigermassen gut beobachtete Höhe erkennen zu lassen,
in welcher Richtung eine etwaige Versetzung des Schiffsortes zu suchen ist.
Segelt man dabei in Gewässern, welche den Gebrauch des Lothes zulassen,
wie in der Nord- und Ostsee, so kann off eine Lothung hinreichen, über die
Position des Schiffes sicheren Aufschluss zu geben; ferner giebt eine Standlinie,
!) Der wahrscheinliche Schiffsort liegt hier so, dass die Summe seiner Entfernungen von den
Eckpunkten des Vierecks ABCD ein Minimum ist.