An
KHomographische Nautik.
Orts-Bestimmung vermittelst Höhencurven in der Karte.
(Von Navigationslehrer Preuss zu Elsfleth.)
IV.)
27) Der grosse Nutzen eines zwischen zwei benachbarten Breitenparallelen
enthaltenen begrenzten Stückes einer Höhencurve dürfte in ausgezeichneter
Weise hervortreten, wenn ich jenen Fall vorführe, der für Capt. Sumner Ver-
anlassung zur Auffindung seiner schönen Methode wurde. Zugleich wird Jeder,
welcher für die Geschichte der Nautik einiges Interesse hat, nicht umhin können,
das seltsame Spiel des Zufalles zu bewundern, welches eine Entdeckung — die
billigerweise schon ein Säculum zuvor hatte gemacht werden müssen — an ein
Zusammentreffen so eigenthümlicher Umstände knüpfte. Vor allem ist dem
guten Chronometer des amerikanischen Capitains neben der praktischen Einsicht
des Letzteren zuzuschreiben, dass die erste Probe der Methode sofort gut aus-
fiel. Ebenso muss berücksichtigt werden, dass Wind und Wetter in gleicher
Weise an der Entdeckung betheiligt sind. Als nämlich die erste Höhenecurvo
bei Mercator’s Karte projicirt wurde, wehte der Wind heftig aus SE, das Schiff
Sumner’s lag ENE an und zufällig war auch die Richtung des Curvenelementes
dem Schiffskurse parallel und führte zugleich nahe an Small’s Licht vorbei, so
dass ohne Aenderung des Kurses der Feuerthurm angesegelt werden konnte.
Als nun Small’s Licht wirklich nach kurzer Zeit in Sicht kam, war nicht allein
die Methode der Projectionen — wie Sumner sie nennt — erfunden, sondern
dieselbe hatte sich auch sogleich vorzüglich bewährt,
28) Als Sumner nämlich am 25. November 1837 von Charleston in Süd-
Carolina nach Greenock abgesegelt war, versprachen starke anhaltende westliche
Winde eine schnelle Reise. Nachdem die Azoren passirt waren, herrschte
südlicher Wind mit dunklem Wetter vor, und nachdem der Meridian von 21°
West-Lg. v. Greenw. geschnitten war, konnte keine Beobachtung mehr ange-
stellt werden bis dahin, wo das Schiff in die Nähe des Landes kam. Kine
Lothung liess vermuthen, dass man sich der irischen Küste nähere. Das Wetter
war mittlerweile noch ungestümer und trüber geworden als vorher und der Wind
ging um Mitternacht den 17, December, als man sich nach Besteckrechnung
innerhalb 40 Seem. von Tuwscar- Feuer befand, nach SE, so dass die irische
Küste unter dem Winde lag. Das Schiff wurde dann hart an den Wind gelegt
und mehrere Gänge wurden gemacht, um bis Tagesanbruch die Position so gut
als möglich beizubehalten. Als dann nichts in Sicht kam, hielt Sumner das
Schiff unter heftigen Südoststürmen auf ENE-Kurs. Gegen 10% Uhr Vorm.
beobachtete er, während eines kurzen Sonnenblickes eine Höhe und merkte die
Chronometerzeit dazu an. Aus dieser Höhe wollte er die Länge des Schiffsortes
bestimmen; aber da er etwa 700 Seem. ohne eine Beobachtung gesegelt war,
so lag auf der Hand, dass seine Breite fehlerhaft sein musste und er auf die
berechnete Länge durchaus kein Vertrauen setzen konnte.
Die Beobachtung war folgende:
1837 Dee. 17 nach Loggrechnung auf etwa 51° 37‘ Nord-Br. und
6° 40‘ West-Lg. von Greenw., gegen 10'% Uhr Vorm.
Chronometer: Kimmabstand des Sonnenunterrandes:
10% 47min. ]3se0. 9, m. 2 = 12° X
Das Chronometer zeigte mittl. Greenw. Zt. Augeshöhe 17 Fuss,
Indem er jedoch diese Breite zur Längenberechnung benutzte, fand er,
dass das Schiff um 15‘ östlich in Länge versetzt wurde, Er versuchte nun die
Rechnung mit einer um 10 Min. Nord geänderten Breite und erhielt eine Bosteck-
versetzung von ENE 27 Seem., darauf änderte er die Breite um weitere 10 Min.
Nord, was eine abermalige Besteckversetzung von demselben Betrage zur Folge
hatte. Als er hierauf die drei Positionen in der Karte niederlegte, lagen die-
selben nicht nur in einer nach ENE gerichteten geraden Linie, sondern diese Gerade
gying zugleich sehr nahe an Small’s Licht vorbei und es wurde ihm nun auf
<. „Annalen der Hydrographie.“ 1876, pag. 387, 431 und 478.