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Kleine hydrographische Notizen,
1. Santa Marta, die Hauptstadt des Staates Magdalena der Vereinigten
Staaten Columbia, hatte, wie der Commandant S. M. S. „Augusta“, Freiherr
v. d. Goltz, berichtet, früher eine grössere Bedeutung und wurde von allen
Dampfschiffslinien angelaufen. Der Handel hat sich aber jetzt nach Barranquilla
gezogen. Die Dampfer laufen den Hafen von Santa Marta jetzt nur gelegentlich
an; der Hafen selbst ist klein und nur wenige Schiffe können in ihm zu Anker
liegen; doch ist das Wasser bis dicht an das Land tief, und viele Schiffe können
hier Platz finden, wenn sie sich verteien. Die Karte des inneren Hafens stimmt
nicht mehr mit den wirklichen Verhältnissen überein; gegenwärtig ist in der
Nordost-Ecke Land, wo auf der Karte noch Wasser verzeichnet steht.
2. Der Hafenplatz Horta auf Fayal (Azoren) ist nach einem Berichte
des Commandanten S. M. 8. „Arcona“, Freiherrn v. Reibnitz, zur Ausrüstung
mit Proviant nicht geeignet; die Preise sind zwar mässig, doch fehlt es öfters
an Vorräthen, so auch zur Zeit der Anwesenheit der „Arcona“ daselbst (Ende
November 1875). Dagegen sind in Horta öfters Steinkohlen zu finden, die in
kleinen Leichtern von etwa 20 Tons an Bord gebracht und mit Körben ab-
genommen werden. Gute Hixon’s Steam Navigation-Kohlen halten einen Preis
von M, 41.sı pro Ton. Wasser, welches nur in kleinen Quantitäten vorhanden
ist, kostet ‚A O.osa die Gallone. Die Geldbeschaffung ist in Horta sehr kost-
spielig. Die Commissionsgebühr bei Ueberbringung von Wechseln auf London
beträgt 3 bis 6 pCt., je nachdem Geld am Platze vorhanden ist.
8. Der Whangaroa - Hafen oder Port Hutt auf der Chatham - Insel im
südlichen Stillen Ocean*) war eine der acht amerikanischen Stationen zur Beob-
achtung des Venus- Vorüberganges vor der. Sonne am 8. Dezember 1874;. sie
stand unter der Leitung des bei der Vereinigten Staaten-Küstenvermessung be-
schäftigten Professor Edwin Smith. Kine Beobachtung der Contacte ist zwar
nicht gelungen, doch sind einige Photographien erhalten worden. Dagegen ist
der Aufenthalt auf diesen entlegenen und im Ganzen noch wenig bekannten
Inseln benutzt worden, um einige Erfahrungen über den einzigen dortigen guten
Hafen, den Whangaroa-Hafen, zu sammeln und die Länge desselben festzustellen,
Die Washingtoner „Hydrographie Notice“ No. 69, vom 17. Dezember 1875
enthält nachstehende Bemerkungen über den Hafen von Whangaroa, welche dem
Hydrographischen Amte zu Washington mitgetheilt worden sind.
Der Hafen von Whangaroa oder Port Hull befindet sich an der Nord-
seite der Petre-Bucht auf den grössten der aus drei Inseln bestehenden Gruppe
der Chatham- oder Broughton-Inseln (am 27. November 1791 von dem Capitain
Broughton mit dem Tender „Chatham“ entdeckt), auf der Chatham- oder Ware-
kauri-Insel.
Die übrigen Ankerplätze bei diesen Inseln sind alle freiliegend und nicht
geschützt, der Ankergrund im Hafen von Whangaroa ist felsig und leidlich gut.
Die in der Nähe der Chatham-Inseln liegenden Klippen sind in der Regel durch
Seegras bezeichnet. Ä
Frisches Wasser und Brennholz sind leicht zu erhalten, ebenso auch
Hammel- und Rindfleisch, aber Gemüse und andere Planzenkost nur sehr spär-
lich. Die hierher gelangenden Schiffe können von einem zu Whangaroa lebenden
Deutschen frischen Proviant erhalten. Die Chatham-Inseln stehen unter der
Colonial- Regierung von Neu- Seeland; gegenwärtig leben daselbst ungefähr
150 Weisse, Engländer und Deutsche, welche daselbst Schafzucht treiben.**)
*) New Zealand Pilot (1875), pag. 334; Findlay, South Pacific Directory (1871), pag. 280.
**) Nach dem Census von 1871 betrug die Bevölkerung 133 Seelen (s. Behm u. Wagner,
Bevölkerung der Erde, II, pag. 4). Die Eingebornen oder More-ore sind seit der Invasion der
Inselgruppe durch die Maoris von Nee-Seeland 1832 bis 1835 von 1500 bis auf nur sehr wenige
an der Südost-Seite der Insel zusammengeschmolzen (s. Petermann’s Mitth, 1866, pag. 61 £f.; wo
eine sehr interessante Beschreibung dieser Inseln von Henry Hammersley Travers nebst
Karte zu finden ist). A, d. R.