Lüders, K.: Die Ablenkung (Derviation) der Kompaßnadel in Strömungsmessern usw. 177
Der Strömungsmesser befand sich also in großer Nähe, vielleicht teilweise
sogar innerhalb der „gefährlichen Zone“, Jede, wenn auch nur geringe Ver-
änderung des Bordabstandes mußte mithin beträchtliche Unterschiede in der
Größe der Deviationswerte hervorrufen, wodurch mit Recht die bislang gültige
Anschauung entstand, daß der Kompaß-Strömungsmesser für die seichten Ge-
wässer ungeeignet sei, Allerdings bestand diese Anschauung nur deshalb zu
Recht, weil man annahm, daß die Ursache der starken Veränderlichkeit der
Deviationswerte der Wechsel des Schiffsmagnetismus sei, Diese Annahme hat sich
jedoch durch die obigen Untersuchungsergebnisse als nicht zutreffend erwiesen;
somit sind auch alle die Einwände gegen die Verwendbarkeit des magnetischen
Strömungsmessers im flachen Wasser, die sich auf den zeitlichen Wechsel der
magnetischen Eigenschaften des Meßschiffes stützten, hinfällig geworden,
b) Der Einfluß der Schiffskrängung auf die Deviation.
Durch die Schiffsbewegungen in See wird infolge der Schiffskrängungen
nicht nur der Bordabstand des Strömungsmessers verändert, sondern es ver-
jagert sich hierbei auch das magnetische Kraftlinienfeld des Meßschiffes zur
Kompaßnadel im Strömungsmesser, Zur Klärung der Frage, welche Größe der
Einfluß dieser Schiffskrängungen auf die Deviation besitzt, wurden zwei Unter-
suchungsreihen mit nach Steuerbord und nach Backbord geneigtem Schiff durch-
geführt. Die Krängung betrug jedesmal 7°,
Bei nach Steuerbord gekrängtem Schiff verkleinert sich der Bordabstand
des Strömungsmessers, und zwar um etwa 30 cm. Demzufolge sind etwas größere
Derviationswerte zu erwarten als bei senkrecht liegendem Schiff, Gemessen
wurden 61 Werte. Das Ergebnis der Beobachtungen ist in Abb. 18 eingetragen,
in die gleichzeitig als Vergleichskurve die Deviation bei nicht gekrängtem Schiff
eingezeichnet ist. Wie der Vergleich der beiden Kurven ergibt, weichen die
Beobachtungswerte für das geneigte Schiff nur wenig von der Vergleichskurve
ab. Der größte Unterschied beträgt 12°; dieser wurde bei zwei Werten beob-
achtet. Die mittlere Streuung der Beobachtungswerte in bezug auf die Ver-
gleichskurve beträgt +5,8°
Bei nach Backbord gekrängtem Meßschiff wurden 62 Werte beobachtet, Der
Bordabstand des Strömungsmessers vergrößerte sich um etwa 30 em, so daß
mit kleineren Deviationswerten zu rechnen war. Das Ergebnis der Beobach-
lungen zeigt Abb. 19. Auch hier beträgt die größte Abweichung von der Ver-
gleichskurve nur 12° (in einem Falle aufgetreten). Die mittlere Streuung er-
rechnet sich zu + 4,2°,
In beiden Untersuchungsreihen ist also die Veränderung der Deviations-
beträge gegenüber den Ablenkungswerten bei senkrecht liegendem Meßschiff nur
gering. Wie die beobachteten Deviationswerte zeigen, ist die Abweichung in
erster Linie durch den veränderten Bordabstand verursacht. Ein Einfluß, der
durch das verlagerte Kraftlinienfeld des geneigten Schiffes hevorgerufen wird,
ist bei diesen Untersuchungen nicht zu erkennen. Berücksichtigt man, daß die
Schiffskrängungen draußen in See in der Regel als Pendelbewegung auftreten,
dann ist es sehr wahrscheinlich, daß sich die Kompaßnadel des Stömungsmessers
in eine mittlere Lage einspielt, die etwa der bei senkrecht liegendem Schiff ent-
spricht. In diesem Falle würden die Abweichungen noch geringer und damit
praktisch bedeutungslos werden,
2) Der Einfluß der Versetzung des Strömungsmessers nach achteraus
durch die Strömung.
Bei starken Strömungen wird erfahrungsgemäß der Strömungsmesser mehr
der weniger weit nach achteraus versetzt, Welcher Einfluß auf die Größe der
Devijationswerte hierbei auftritt, sollte durch eine Meßreihe untersucht werden,
bei der der auf 2 m Tauchtiefe hängende Strömungsmesser um 3 m nach achter-
aus gezogen worden war. Dieser große Betrag von 3 m war gewählt worden,
um durch Annahme eines Grenzfalles die zu erwartenden Größtwerte der Devia-
tionsveränderung zu erhalten; für eine stufenweise Untersuchung war leider
keine Zeit vorhanden, Besondere Schwierigkeiten bereitete bei dieser Untersuchung