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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 4 (1876)

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Vom 4. November an behielten wir den Nordost-Passat; dieser wehte je- 
doch nur mit Stärke 4—6 und seine Richtung war so nördlich, dass wir meistens 
aur rw. NWzN anliegen konnten. Wir verloren den Passat ganz ungewöhnlich 
früh, denn bereits am 10. November, als wir Mittags auf 20° 48‘ Nord-Br. und 
35° 25‘ West-Lg. waren, drehte der Wind nach SE und Süd und am 11. No- 
vember, auf 22° 52‘ Nord-Br. und 35° 27‘ West-Lg., bereits nach SW und WSW. 
Diese ganz ungewöhnliche Erscheinung deutete entweder die Grenze des 
Passates, oder ein weit von uns eingetretenes, aüsserordentliches Kreigniss, 
Wirbelsturm oder dergleichen, an; leider zeigte uns auch die Erfahrung der 
späteren Tage, dass das erstere der Fall war. 
Am 12. November drehte der Wind nach rw. WNW und NNW mit der 
Stärke 3—6, und wir mussten nordöstlich hinaufliegen. Auch am nächsten Tage 
blieb der Wind nördlich, nahm jedoch an Stärke bedeutend ab und hörte 
schliesslich ganz auf. Da wir noch eine ziemlich hohe nordöstliche Dünung 
empfanden, so gab ich mich immer noch der Hoffnung hin, dass der Nordost- 
Wind, welcher nach den Karten und Segelanweisungen hier noch frisch wehen 
soll, wieder durchdringen würde und erst am 14. November, als es völlig still 
blieb und auch die Dünung verschwand, liess ich Dampf aufmachen, um in 
bessere Windverhältnisse zu gelangen. 
Bis zum 16. November 9 Uhr Morgens änderte sich aber das Wetter 
nicht im geringsten, und die Stille wurde durch keinen Wind unterbrochen; 
arst des Mittags an diesem Tage, auf 27° 54‘ Nord-Br. und 34° West-Lg. ge- 
stattete uns ein leichter SW-Wind (mit Stärke 1—2) nördlich zu segeln. 
Am 17. November setzte ein frischer SW-Wind ein und ich glaubte nun 
den Calmengürtel nördlich vom Passat, hinter mir zu haben; jedoch war auch 
diese Hoffnung vergeblich, da der Wind Abends nach NNE umsprang und ganz 
Hau wurde. . 
Ein Vergleich des Besteckauszuges der „Arcona“ mit dem ihres Schwester- 
schiffes „Gazelle“, welche in einem früheren Jahre (1864) die Linie am 8. November, 
also um acht Tage später, als „Arcona“, passirt hatte, ergiebt, mit wie ganz 
ausserordentlich ungünstigen Windverhältnissen „Arcona“ auf ihrer diesmaligen 
Reise in denselben Gegenden und zu derselben Jahreszeit zu kämpfen hatte. Am 
I1, November 1875 war „Arcona“ nach dem Mittagsbesteck in 22° 51.6‘ Nord-Br. 
and 35° 26.5‘ West-Lg., während ebenfalls am 11. Tage nach dem Schneiden 
der Linie im Jahre 1864 „Gazelle“ sich 30 Seem. südwestlich von diesem Orte 
befand. Während aber „Arcona“ vom 12, November oder von 24° Nord-Br. 
ab in den Calmen sich aufhielt, hatte „Gazelle“ von ihrer oben erwähnten 
Position an frische und östliche Winde, so dass sie Eitmale von 180, 160 und 
150 Seem. machte, bis sie auf ca. 30'/2° Nord-Br. durch den Calmengürtel 
kam, dort aber nur während eines Tages flaue Brise hatte. Von 24° Nord-Br. 
und 35° West-Lg. an (am 12. November) hatte dagegen „Arcona“ nur Stillen 
und ganz leichte nordöstliche Winde vorgefunden, so dass sie nicht allein nur 
ganz langsam vorwärts kam, sondern auch immer westlicheren Kurs, als Nord, 
segeln musste; sie befand sich deshalb am 23. November erst auf 34° 14’ Nord--Br. 
und auf 381/2° West-Lg. Am 24, November kam starker nördlicher Wind durch, 
der jedoch nur kurze Zeit anhielt. Am 25. November wurde der Wind wiederum 
yanz flau, und erst gegen Abend kam südwestliche Brise durch, welche am 
26. November nach NW umsprang. 
Diese ganz aussergewöhnlichen Windverhältnisse verzögerten die Reise 
der „Arcona“ der Art, dass ich mich (am 26. November) entschloss, die Azoren 
anzulaufen, um Proviant und Kohlen aufzufüllen. Am 28. November ankerten 
wir nach 53tägiger Reise, von Montevideo aus, auf der Rhede von Horta auf 
Fayal, welche wir am 30. November, nachdem wir Proviant und Kohlen an 
Bord genommen hatten, wiederum verliessen, um in See zu gehen. Die 
Hoffnung auf eine schnellere Reise (da mir in Horta versichert wurde, dass die 
Schiffe in dieser Jahreszeit gewöhnlich nur sieben Tage bis England unterwegs 
wären) wurde aber. wiederum getäuscht, indem der Wind am 1. Dezember durch 
Nord nach NE drehte und bei steigendem Barometer an Stärke abnahm. Vom 
2. Dezember an segelten wir mit südöstlichen und östlichen Winden nach den 
höheren Breiten, wo ich westliche Winde anzutreffen hoffte, doch auch hier 
yieder vergebens. *
	        
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