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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 4 (1876)

Aus den Reiseberichten S. M. S. „Arcona‘“, Capitain z. See 
Freiherr v, Reibnitz. 
Wind und Wetter im Atlantischen Ocean während der Reise von 
Montevideo bis Plymouth vom 6. October bis 11. Dezember 1875. 
Am 2, October 1875 war S. M. 8. „Arcona“ nach einer 25tägigen Reise 
von Valparaiso aus um das Cap Horn in Montevideo angekommen (s. „Ann. 
d. Hydr.“ 1875, pag. 450) und setzte am 6. October die Reise nach Europa 
fort. Der Commandant S. M. S. „Arcona“, Capitain z. See Freiherr v. Reibnitz, 
hat Nachstehendes über diese Reise und den aussergewöhnlich ungünstigen Zu- 
ztand von Wind und Wetter, welchen „Arcona“ im Atlantischen Ocean in der 
Zeit von Oetober bis Dezember erfahren hat, berichtet. 
„Vom 8. bis 10. October befanden wir uns in demjenigen Theile der 
See, welcher auf den Karten besonders bezeichnet ist und innerhalb dessen die 
Wassertemperaturen und das Wetter sich plötzlich ändern sollen. So wenig, 
wie wir auch diese Aenderungen südlich von Montevideo auf der Reise dorthin 
>mpfunden hatten, um so mehr litten wir während dieser Tage unter diesen 
Aenderungen. Der Wind drehte manchmal während 12 Stunden durch alle 
Striche des Compasses, wechselte an Stärke von 8 bis 1 und war abwechselnd 
von Regen und Nebelwetter begleitet. 
Vom 11. bis 17. October liefen wir mit NW-, West- und SW-Winden 
in. östlicher Richtung, um möglichst bald von der Küste frei zu kommen, und 
steuerten von letzterem Tage ab in nordöstlicher Richtung. Am 19. und 
20. October wehte der Wind aus nordwestlicher und westlicher Richtung (s, S. 63), 
ıbgleich die Windkarten in dem betreffenden Quadrate zwischen 30° und 20° 
Nord-Br. und zwischen 30° und 20° West-Länge keinen einzigen Wind dieser 
Richtung verzeichnen. Erst am Abend des 20. October drehte der Wind nach 
Süd und setzte am 21. October (s. S. 63) aus SE mit der Stärke 4—6 und allen 
Anzeichen des Passates ein. Das Barometer war bis auf 772””- gestiegen, so 
dass ich mit Recht hoffen konnte, in den kräftig und stetig wehenden Südost- 
Passat hineingebracht zu sein. Ich wollte die Linie zwischen 28° und 27° West-Lg. 
schneiden und hoffte mit dem Südost-Passat schnell den Aequator zu erreichen, 
Meine Hoffnung wurde jedoch arg getäuscht, da der Wind schon am 22, Oetober, 
als wir uns auf 20° Süd-Br. und 27'/° West-Lg. befanden, nach NE drehte und 
während der nächsten Tage aus rw. NEzN bis NEzE wehte, so dass wir in 
Folge dessen erst am 27. October den Parallel von 10° Süd-Br. auf 32° 18' 
West-Lg. schnitten. 
Von da ab drehte der Wind mehr nach Osten und Ostsüdost, so dass wir, 
beim Winde gut voll durchsteuernd, wieder mehr in Länge gewannen, Krst 
am 30. October raumte der Wind bis nach SE, so dass wir rw. NEzN steuern 
and am 31. October Nachmittags um 6 Uhr den Aequator auf 29° West-Lg. 
schneiden konnten. Mir scheint es deshalb rathsam, auf einer Reise von Mon- 
tevideo nach England den Parallel von 20° Süd-Br. noch einige Grade östlicher, 
vielleicht auf 25° West-Lg., zu schneiden. 
Am 1. November wehte der Wind noch mit Stärke 5—4 aus südöstlicher 
Richtung, drehte am folgenden Tage südlich und nahm an Stärke allmälig ab; 
am Nachmittage desselben Tages segelten wir mit Leesegel und 3 Knoten Fahrt 
ın den Calmengürtel, der sich scharf markirte. Wir sahen vor uns eine dicke 
Regenluft und hatten um 4! Uhr gerade noch Zeit, die Segel zu bergen und 
die Schraube zu Wasser zu führen, als der Wind von Süd auf Nord mit der 
Stärke 1 umsprang und bald darauf gänzliche Windstille mit heftigem Regen 
eintrat. Ich habe noch nie den Calmengürtel so scharf markirt gefunden und 
war daher zum Dampfen genöthigt. 
Wir dampften bei gänzlicher Windstille, die nur selten durch ein 
schwaches Lüftchen unterbrochen wurde, vom 2, November 72 Uhr Abends bis 
zum 4. November 9'% Morgens, um welche Zeit ein östlicher leichter Wind 
Jurchkam, so dass der Calmengürtel sich nur zwischen 4° und 7° Nord-Br, 
ausdehnte (vgl. S. 59).
	        
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