accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 4 (1876)

74 
den Kerguelen, nördlich und südlich von diesen, sodann von den Kerguelen bis 
Mauritius und von da bis West-Australien, Timor und Amboina, bei den ent- 
sprechenden "Tieflothungen gefundenen Beschaffenheit des Meeresgrundes 
an. Die detaillirte Beschreibung der Meeresgrundproben, sowie der Schlepp- 
resultate und der anderweitigen zoologischen und geologischen Untersuchungen 
müssen dem beabsichtigten grösseren Werke über die Expedition S. M. 8. 
„Gazelle“, und den Spezialberichten in Fachzeitschriften vorbehalten bleiben, in 
welchen die wissenschaftlich neuen und von Erfolg gekrönten mühevollen Ar- 
beiten des die „Gazelle“ als Naturforscher begleitenden Dr. Studer den be- 
treffenden Fachgenossen zugänglich gemacht werden können, 
Schon die nachfolgende Uebersicht (s. S. 55) der an den verschiedensten 
Stellen des Indischen Oceanes gefundenen Beschaffenheit des Meeresbodens gewährt 
eine Anschauung von der ungefähren Zusammensetzung des Bodens des Indischen 
Oceans, welche bisher noch wenig oder gar nicht bekannt war; sie lässt aber 
auch ferner einen in geologischer, zoologischer und hydrographischer Beziehung 
äusserst wichtigen Vergleich zu mit der Bodenbeschaffenheit der andern Oceane, 
welche durch frühere Untersuchungen und in der neusten Zeit namentlich durch 
die der Offiziere und Gelehrten des „Challenger“ und der „Tuscarora“ schon 
bekannt ist. 
Ausser den von Dr. Studer angestellten zahlreichen, anderweitig zu ver- 
öffentlichenden Untersuchungen der Tiefseefauna theilen wir hier zum Schluss 
dieses Artikels noch nachstehend die. von ihm eingesendeten Bemerkungen über 
die Tiefensiphonophore im Indischen Ocean mit. Herr Dr. Th. Studer 
schreibt hierüber: 
„Bis in den Stillen Ocean hinein scheint in dem Indischen Ocean in einer 
gewissen. Tiefe eine Rhizophysa-artige Siphonophore zu leben, welche auch bei 
den letzten Lothungen an der Lothleine zu Tage gefördert wurde. Auch hier, 
wie im Atlantischen Ocean (s. Hydr. Mitth. 1874. pag. 300) wurde das Thier 
weder bei Tage noch bei Nacht an der Oberfläche gefunden. Die Art schien 
hier (im Indischen Ocean) verschieden von der atlantischen zu sein. Es fanden 
sich diese Thiere vor: am 10. und 13. Mai in 366 Met. und am 27. Mai und 
2, Juli in 2376 Met. Tiefe, meist in Bruchstücken, am 10. Mai aber ein ganzer 
Stock. Die Länge des Stammes war 8 zm., die der Schwimmblase 1 .zm.; letz- 
tere ist birnenförmig, der eingestülpte, lufthaltige Theil um den Porus ist schwarz 
pigmentirt; am unteren Ende der Schwimmblase gehen noch eine Anzahl 
Schläuche in den Raum zwischen ihr und dem äusseren verdickten Theil des 
Stammes. Der Stamm ist in seinem ersten Drittel dick und verjüngt sich dann 
plötzlich; der verdickte Theil trägt zweizeilig Polypen, deren Ausbildung von 
oben nach unten zunimmt und welche hier sehr dicht an einander stehen und 
gelblich sind. Im Beginne des sich verjüngenden‘ Stammabschnittes findet sich 
ein beerenartiger Auswuchs, der aus Gonophoren und mundlosen Polypen be- 
steht. In dem unteren Stammabschnitte stehen die Polypen weit aus einander 
and sind gross mit trichterförmigem Munde; Tentakel fehlen. Die mundlosen 
Polypen, wie das Ektoderm der einfach blasigen Gonophoren, enthalten kleine 
kuglige Nesselkapseln. Den Gonophoren fehlen Radiärkanäle, sie haben einen 
ainfachen Spadix, an welchem Eizellen oder Spermatoidzellen liegen. 
Am 13. Mai sass an der Lothleine dieselbe Siphonophore in einem 
grösseren Exemplar; hier sassen am Stamme ausser den Polypen noch kleine 
Seitenzweige, welche dicht mit Nesselkapseln besetzte Knospen trugen. Am 
27. Mai fanden sich an der Lothleine Bruchtheile derselben Art, ebenso am 
2. Juli ein Stück des Stammes mit den daran hängenden Polypen. 
Wir finden also im Indischen Ocean auf 34 Lothungen in tiefom Wasser 
von über 1000 Faden (1829 Met.) dreizehnmal dieses räthselhafte Geschöpf 
immer unter denselben Umständen, und zwar von 40° Süd-Br. bis zum Aequa- 
tor, nie aber an der Oberfläche, obgleich das Netz zu allen Tages- und 
Nachtzeiten ausgelegt war. Es lässt sich daher wohl mit Sicherheit annehmen, 
dass im Atlantischen und Indischen Oceane in Tiefen von 200—1000 Faden 
(366—1829 Met.) rhizophysa-artige Siphonophoren leben, welche verschiedenen 
Arten angehören, und dass mithin auch mitten in den mächtigen Wasserschichten 
animalisches Leben herrscht.“
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.