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Hanoi, die Hauptstadt von Tong-king, ist in Wahrheit der Hauptsitz des
Handels, während Hai-phong im commerciellen Sinne nur ein Ankerplatz für
die Schiffe ist. Das Verhältniss beider Orte ist also hier umgekehrt, wie bei
dem von Kiung-chow zu Hoi-how. Hanoi liegt landeinwärts an demselben Flusse als
Hati-phong. Auf dem kürzesten Wasserwege in Nebenarmen beträgt die Entfernung
60 Seem.; da aber in diesen das. Wasser stellenweise so flach ist, dass das flachst-
gehende Boot nicht fahren kann, so wird der Wasserweg auf dem Hauptstrom
ungefähr 150 Meilen lang. Während der Regenzeit steigt das Wasser im obern
Theil des Flusses oft um 7.6 Met. und für diese kurze Zeit können dann viele der
Nebenarme benutzt werden, deren Wasser aber ebenso schnell sinkt, als es
gestiegen ist. So bleibt der Hauptstrom die gewöhnliche Verkehrsader, ist aber
wegen des engen seichten Fahrwassers und der vielen Sandbänke in demselben
nur für ganz kleine Fahrzeuge passirbar, da die Tiefe des Flusses bei Niedrig-
wasser zwischen 1.2 und 3.6 Met. schwankt. Deshalb sieht man ausser Fluss-
und Cargo - Booten kein Schiff in Hanoi. Die Stadt liegt an dem linken Ufer
des Flusses und soll 60000 Einwohner haben, mit Ausnahme von 2000 bis
3000 Chinesen und ungefähr 175 Franzosen. Die Häuser der Stadt sind im
Gegentheil zu denen von Hai-phong meistens massiv, aber etwas schmal und
dafür sehr tief gebaut.
Proviant. Sowohl zu Hanoi als zu Hati-phong sind Hühner, Tauben,
Gänse, Fische und, je nach der Jahreszeit, verschiedene Enten, Wildgänse und
Wachteln zu mässigen Preisen zu haben; die Eier der Hühner, besonders der
„Cochin-China“, sind gross und gut in Fülle vorhanden. Schweine- und Rind-
Aeisch, sowie Wild ist reichlich zu kaufen, ebenso verschiedene Früchte; auch
liefert das französische Commissariat Brod und gutes Rindfleisch. Das Wasser
ist nicht gut und ohne vorherige Filtration ungesund,
Gesundheitsverhältnisse. Die Cholera tritt zuweilen in der Provinz
auf, jedoch kann man dieselbe nicht als eine herrschende Epidemie ansehen.
Aber wie in allen in Niederungen liegenden Orten herrschen Fieber, von denen
besonders die neu Zuziehenden ergriffen werden. Im Allgemeinen kann man
Hai-phong, sowie Hanoi nicht für ungesunder halten, als Shanghai, ;
Producte, Tong-king ist reich an vegetabilischen und besonders
mineralischen Producten: Maulbeerbaum, Zuckerrohr, Baumwolle, Mais und
vor allem Reis wird auf dem hier sehr fruchtbaren Boden angebaut; es
giebt zwei Reisernten im Jahr. Tong-king versorgt ganz Annam mit Reis.
Ferner eignen sich zur Ausfuhr die vielen hier angebauten Medicinal- und
Farbestoffe. Wie Yünnan ist Tong-king reich an Metallen, doch ist die Aus-
beute noch gering.
Die Franzosen thun jetzt nach Eröffnung der Plätze Hai-phong und Hanoi
alles Mögliche, um den Handel mit Zong-king zu heben. Es ist bereits — wie
ein Artikel in der Augsb. Allgem. Zeitg. meldet — das Project aufgetaucht,
ine regelmässige Dampfschifisverbindung, einmal im Monat, zwischen Saigon
und Tong-king ins Leben zurufen. Es haben sich auch bereits (1876) 20 Häuser,
darunter 7—8 bedeutende, in Hai-phong etablirt, welche fremde Artikel ein-
führen.
Die neu eröffneten Häfen in China: Ichang, Wuhu, Wenchou und
Pei-hai (Pak-hoi).
Die Zahl der dem fremden Handel’ bedingungslos geöffneten Hafenplätze
China’s, der sogen. Vertragshäfen, werden gegen Ende März 1877 um nach-
stehende 4 Häfen vermehrt werden: Ichang in der Provinz Hupeh, Wuhun in
Anhut, Wenchou in Chekiang und Pei-hai (Pak-hoi) in Kuang-tung.
Diese für den fremden Handel wichtige Erweiterung des Verkehrs an
len chinesischen Küsten ist in der am 12. September dieses Jahres zu Che-foo
zwischen dem grossbritannischen Gesandten Sir Thomas Wade und dem
chinesischen Bevollmächtigten, General- Gouverneur Li-Hung- Chang, zur
Beendigung der Margary- resp. Yünnan- Affaire abgeschlossenen Convention
‚jestgesetzt worden; 6 Monate nach der — Ende September erfolgten