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Gegenwärtig wird der Handelsverkehr zu Hoi-how (ausser dem obigen
europäischen Agenten) durch 24 chinesische Kaufmannshäuser vermittelt. Die
bedeutenderen Erzeugnisse der Insel sind weisser und brauner Zucker (dem von
Formosa ähnlich), sodann Erdnusskuchen (hauptsächlich als Düngemittel ver-
wondet), Bohnen, Erbsen, Chinawurzel, „coir“ (Pflanzenfaser aus Kokosnuss ge-
wonnen), „grass-cloth“ (ein aus der Rinde und den Blättern der Ananaspflanze
und einem Zusatz von Baumwolle gefertigtes Zeug), ferner seidene und baum-
wollene Tücher.
Das erste Schiff, welches von Hoi-how Waaren exportirte, war der eng-
lische Dampfer „Washe“; er brachte die erste Zuckerladung von Hoi-how nach
Hongkong. Von dem Import ist noch wenig zu sagen; er beschränkt sich für
jetzt noch auf Waaren aus den Häfen von China und Annam; Opium nimmt
dabei die Hauptstelle ein.!)
K’iung-chow-fu. Die offieielle Vertauschung des Namens der Haupt-
stadt der Proviiz mit dem von Hoi-how, bei der Anzeige des kürzlich neu-
cröffneten Hafens, hat bereits Missverständnisse hervorgerufen. Die Stadt
K’iung-chow-fwu hat nur für Boote (Canoes) Wasserverbindung mit Hor-how;
dieselbe liegt ungefähr 14 Li (ca. 4 engl. Meilen) in SE von dem Landungs-
platze am Zollamt zu Hoz-Aow. Nach Angabe eines Schrittmessers beträgt die
kürzeste Entfernung beider Städte 6000 Kilometer (nahezu gleich 3%4 engl.
Meilen); die Strasse zwischen beiden Städten ist sehr belebt; sie besteht, nachdem
man das südliche Thor von Hoi-how passirt hat, ungefähr die erste halbe Meile
aus einem 1.,s Met. breiten Reitwege zwischen Fischteichen und Reisfeldern;
darauf wird sie eine bequeme 3.5 bis 6 Met. breite Landstrasse, aus sandigem
Lehm bestehend, welcher bei Regenwetter leicht aufweicht, aber auch eben so
vasch trocken wird. Die Strasse führt über eine sehr flach wellenförmige Ebene;
auf beiden Seiten derselben liegen grosse, weithin sich erstreckende Kirchhöfe,
welche besser im Stande gehalten sind, als sonst in den meisten Theilen China’s,
Die Haupteigenthümlichkeit der Gräber besteht in der mächtigen Grösse der
Erdhügel, welche von einem stundenglasförmigen Stück Rasen überragt werden,
sowie in der in allen Farben sich abwechselnden Schicht der Grabsteine, auf
deren frisches Aussehen die Einwohner sehr viel zu geben scheinen. Viereckige
massive Gräber sind ebenfalls nichtungewöhnlich. Auf demhalben Wege bis K’iung-
show befindet sich ein eigenthümlicher alter Bogengang, der einen Theil einer
kürzlich zerstörten Mauer bildet. Die landschaftliche Scenerie ist an vielen Stellen
sehr hübsch und erinnert ungemein an die der Gegenden des westlichen Englands.
Die oberste Behörde der Insel bildet der Taotai zu K’iung-chow-fu; er
hat den Titel Zie K’iung Toa oder Intendant der Präfeeturen der Halbinsel
Lie-chow und von K’iung-chow (Hainan). Unter ihm stehen noch 6 höhere
Militair- und Civil-Beamte. Die Bedeutung von K’iung-chow liegt nur darin,
dass diese Stadt Sitz der Behörden ist; im Uebrigen ist sie viel unbedeutender
und hat viel weniger Kaufmannsläden als Hoi-how,
Die längste Strasse zu K’iung-chow ist ungefähr %4 Seem. lang, aber
eben so schmutzig als alle anderen Strassen in chinesischen Städten.
Die von K’iung-chow in das Innere der Insel führenden Wege sind denen
auf dem Festlande sehr ähnlich. Nach chinesischen Geographen soll ein schiff-
barer Kanal von K’zung-chow nach dem an der Westküste der Insel liegenden
Tam-chow führen; dieses ist jedoch ein Irrthum. Während der Regenzeit ist
zwar ein schmales Wasser vorhanden, aber dieses ist selbst für die flach-
gehendsten Boote unbrauchbar. ‘ Zwischen Tung-swi (20 Seem. westlich von
Hoi-how) und Ling-ko (ungef, 45 Seem. westlicher) ist eine Wasserverbindung,
aber nähere Angaben über dieselben können nicht gemacht werden.
Andere Häfen auf der Insel Hainan. Die Namen?) und Lagen der
hauptsächlichsten Häfen (ausser dem von K’iung-chow-fu oder Hoi-how) sind
folgende: 1. Tung-suwi, 20 Seem. westlich von Hoi-how, einigermassen wichtig
1) Von deutschen Schiffen ist dieser Hafen bis jetzt noch nicht besucht worden, doch ist der
britische Vice-Consul, Herr Forrest, in Hor-how mit der einstweiligen Vertretung der deutschen
Interessen betraut worden. A. d. R.
2) Wir geben hier die in der Denkschrifi von Dennys gebrauchten Namen wieder, wenn
auch ihre Schreibweise von der in der China-Sea-Directory, Vol. II, pag. 372 ff. abweicht. A. d. R.