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Bei dem starken Dampferverkehr zwischen Zientsin und den südlichen Häfen
zollte gerade diese Barre, da die Landmarken gänzlich fehlen, gut betonnt sein.
Da die Schifffahrt auf dem Flusse selbst, sobald die Barre passirt ist,
durchaus keine Schwierigkeiten darbietet und einen Lootsen entbehrlich macht,
würden nur sehr wenige Dampfer einen solchen nehmen, wenn die Barre gut
betonnt wäre, jetzt sind jedoch die Schiffe dazu gezwungen, da die Tonnen so
weit auseinander liegen, dass man sie selbst bei klarem Wetter, voraus-
yesetzt, dass sie nicht durch Fischerboote verborgen sind, mit dem Fernrohr
aufsuchen muss.
Die Gesundheitsverhältnisse von 7%entsin während der Sommer-
monate haben sich nie eines guten Rufes zu erfreuen gehabt, sollen sich aber
zeit 1870, in welchem Jahre die ganze Ebene um und bei Z%entsin unter Wasser
gesetzt wurde, noch bedeutend verschlechtert haben. Diese Ueberschwemmun-
xen haben sich seitdem jährlich, wenn auch in geringerem Masstabe, wiederholt,
so dass zeitweise die Umgegend von Tientsin einem Sumpf gleicht. Während
des Aufenthalts des „Cyclop“ in Tientsin im Monat August wechselten häufige
und heftige Regengüsse mit brennender Sonnenhitze ab; da der feste Lehm-
boden ein Eindringen des Wassers nur sehr unvollkommen gestattet, so war
die Luft feucht und äusserst drückend.!) An den durch diese klimatischen und
Bodenverhältnisse hervorgebrachten Krankheiten, Malaria und Durchfällen,
(eiden die dort schon längere Zeit wohnenden Fremden (seit 1860 ist Tientsin
lem fremden Handel geöffnet), welche sich bereits acclimatisirt haben und
Tientsin sogar für einen verhältnissmässig gesunden Ort halten, weniger, als
lie neuen Ankömmlinge, namentlich die Besatzungen europäischer Schiffe, die
den oben erwähnten nachtheiligen Einflüssen des Peiho ausgesetzt sind.
Auch die in der chinesischen Stadt, in engen und im höchsten Grade
anreinlichen Häusern wohnenden Chinesen leiden sehr von den ungesunden
Verhältnissen ihrer Umgebung. Die Wohnungen der Europäer liegen dagegen
in der weitläufig und luftig angelegten Niederlassung der Fremden sehr gesund
und sind sehr geräumig und zweckentsprechend angelegt; jedes Haus ist über-
dies von einem Garten umgeben; in allen Gärten wird die Sonnenblume, welche
den Ruf geniesst, gegen das Fieber eine besonders absorbirende Kraft zu be-
sitzen, in grosser Menge gezogen.
Ymuiden (Nordzeehaven) und der Amsterdamer Kanal. Niederlande.
Am 1. November d. J. hat Se. Majestät der König der Niederlande
bei der feierlichen Eröffnung des neuen Nordsee-Kanals dem neuangelegten und
bisher Nordzeehaven genannten Hafen den Namen Ymuiden beigelegt. Dieser
Amsterdamer oder Nordsee-Kanal durchschneidet den nördlichen Theil des nun-
mehr trocken gelegten Y und geht dann gerade durch die ,Dünen in die Nord-
see, wo ein Hafen von 100 Hektaren Oberfläche angelegt ist. Der Hafen ist
von 7 Met. breiten und 1600 Met. langen Molen aus Betonsteinen eingefasst;
am Lande sind sie 1200 Met. von einander entfernt und nähern sich bei der
Hafeneinfahrt bis auf 265 Met. Der Kanal ist mit dem Hafen durch eine grosse
Schleuse verbunden, durch welche Schiffe von 120 Met. Länge passiren können.
Während die Strecke von der Nordsee bis Amsterdam durch den alten nord-
holländischen Kanal 78 Kilometer betrug und nur von Schiffen mit geringerem
Tiefgange benutzt werden konnte, ist durch den neuen Nordsee-Kanal die
kürzeste Seeverbindung von Amsterdam auf 25 Kilometer reducirt und wird
vom 1. August 1877 ab für Schiffe jeder Grösse zu passiren sein.
Am 2. November d. J. ist dieser Kanal für die Schifffahrt geöffnet worden.
Gegenwärtig dürfen den Hauptkanal bis Amsterdam nur Schiffe mit 5 Met.
Tiefgang benutzen und die Seitenkanäle nur Schiffe mit geringerem Tiefgang
(s. „Nachr. f. Seef.“, 1876, No. 737). Vorläufig dürfen die Seeschleusen nur
bei Tage benutzt werden.
Vgl. The China Sea Dir. Vol. DL pay, 525 und 526.