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sin englisches Kohlendepot, welches jedoch Jetzt cingezogen ist, da man jeder-
zeit Kohlen aus der Stadt beziehen kann. — Zur Zeit der Anwesenheit S. M.S.
„Luise“ auf der Rhede war von S. M. Kbt. „Cyclop“ auf der NNE von dem
Ankerplatz der „Lwise“ gelegenen Insel ein Lazareth aus Reservespieren,
Segeln und Matten errichtet worden. Diese Insel scheint sich besonders dazu zu
eignen. Gegen Nordwinde durch einen Bergrücken geschützt, ist sie gegen Süden
flach und für Boote stets zugänglich. Der Verkehr zwischen „Cyclop“ und dem
Lazareth wurde durch einen für 25 Cent pro Tag gemietheten Sampa hergestellt.
Die Gezeiten wurden von S. M. 8. „Luise“ nicht so regelmässig setzend
gefunden, wie man nach der kurzen Notiz aus dem Berichte S. M. S. „Arcona“
Ann, d, Hydr., 1875, pag. 62 erwarten sollte. Danach setzt der Strom auf der
Rhede von Chefoo beinahe direct entgegengesetzt der Gezeiten-Strömung nörd-
lich der Rhede, wie sie in der erwähnten Karte Tit. XI. No. 89 angegeben
ist. Auf dem Ankerplatz bei der Inseln wurde entweder gar kein Strom oder
nur eine ganz schwach, scheinbar unabhängig von dem Wechsel der Gezeiten,
nördlich oder südlich setzende Strömung gefunden. Ausserdem schien fast immer
eine nordwestliche Strömung längs der Küste von Kung-kung-Flat nach Chefoo-
Point sich zu erstrecken. Der Ankerplatz S. M. S. „Lwise“ war indessen zu
weit von dem Revier dieser Strömung ab, um eine genaue Untersuchung der
Richtung und Stärke zu gestatten.
Klima. Chefoo wird zwar als der gesündeste der von den Fremden
bewohnten Plätze an der Küste angesehen und deshalb vielfach als Badeort
benutzt, indessen scheint er im Sommer wenigstens keineswegs frei von Fieber
and Dysenterie zu sein. Die China Sea Directory Vol. 1II. Seite 476 erwähnt
les Fiebers auch, schreibt es indessen dem Genuss von Wasser zu. — Die
Temperatur wurde nicht so angenehm gefunden, wie man nach dem erwähnten
Segelhandbuche und nach den meteorologischen Beobachtungen an Bord 8, M. 8.
„Ariadne“ erwarten sollte.) Die Temperatur war bis fast in die Mitte Sep-
tember hinein recht beträchtlich. Selbst Gewitter brachten keine Abkühlung
der Luft hervor und milderten die den Juli und August hindurch herrschende
Schwüle gar nicht. Dem Aufenthalt in Hongkong war der in Chefoo aber doch
sehr vorzuziehen, indem es wenigstens nicht beständig regnete und des Nachts
eine kleine Abkühlung häufig entschieden bemerkbar war, Bemerkenswerth
erscheint, dass westliche Winde häufig Regen und besonders schwüle Luft
brachten, während die östlichen Winde gewöhnlich mit schönem Wetter ver-
bunden waren.
Verpflegung ete. Das Dorf sowohl wie die Stadt Chefoo versorgen
auf der Rhede liegende Schiffe durch Sampas, so dass durch diese sowohl als
auch durch das Boot des Schiffshändlers in Chefoo und den Bumbootsmann von
ebendaselbst der Verkehr mit der Stadt und die Annehmlichkeit des frischen
Proviantes für Offiziere und Mannschaft ohne Schwierigkeiten gesichert sind.
Es giebt hier gutes Rind- und Hammelfleisch und sehr viele Hühner, Tauben
und Fische. Im Herbst ist an Früchten aller Art kein Mangel; in einzelnen
Jahren sollen zu dieser Jahreszeit die Kartoffeln einen sehr niedrigen Preis
erreichen. -
In der Stadt "wohnen mehrere Schiffshändler, von denen besonders
der deutsche ein sehr grosses Lager unterhält. — Wasser giebt es auf den
Inseln nur in einigen Brunnen, die zugleich theilweise Cisternen sind. Es ist
nicht rathsam, Wasser aus denselben zu entnehmen; zum Trinken ist es, im
Sommer wenigstens, zu schlecht und zum Waschen sollte man es aus Rücksicht
auf die Eingeborenen, denen es oft knapp genug wird, auf einem grösseren
Schiffe wenigstens, nur in beschränktem Masse benutzen. Das Wasser des
Festlandes soll nach Aussage der dort wohnenden Fremden durchweg schlecht
und ungesund sein.
Scheuersand ist auf mehreren Inseln in guter Qualität zu finden und auf
dem Südende von Kung-kung-tau ein zwar etwas harter, aber doch ganz gut
brauchbarer Scheuerstein,
1) Vgl. Ann. d. Hydr. 1876 pas. 1212.