A497
konnte nirgends ein Anzeichen eines Felsens oder ciner Untiefe gesehen werden,
so dass auf der angegebenen Position sicher kein Felsen sich befindet.
Dieses Resultat ist auch bei einer späteren Nachforschung durch „Luise“
am 2, October bestätigt worden, sowie durch eine Untersuchung dieser selben
Stelle durch S. M. S. „Vineta“, Capt. z. See Graf von Monts.
3. Bericht des Lieutenant z. See von Prittwitz und Gaffron über die Rhede von
Chefoo und die Kung-kung-tau-Inseln,
S. M. S. „Luise“ lag vom 21. bis zum 26. Juli 1879 auf der Rhede von
Chefoo NEN 0.3 Seem. von Tower Hill ab auf 7.7 Met. Wasser und vorzüg-
lichem Ankergrunde. Einerseits der so nahe unter dem Festlande herrschenden
grossen Hitze wegen, anderseits um eine Schiessübung abzuhalten, wurde am
26. Juli früh die Rhede verlassen und nach den vorher ausgelegten Distance-
boyen bei den Kung-kung-tau - Inseln gedampft. Unmittelbar nach Abhaltung
der Schiessübung wurde S. M. S. „Luise“ SWzW!//W, 1.1 Seem. vom Leucht-
thurm ab, 840 Met. West von der Erhöhung auf der Südspitze der Insel
Kung-kung-tau, dicht bei dem in der Karte Tit. XI. No. 89 eingezeichneten
Anker, mit zwei Ankern auf 7 Met. verankert.
Die Ansegelung der Insel Kung-kung-tau von der Rhede von Chefoo aus
ist nicht schwierig. Man thut gut, besonders des Nachts, von Tower Hill aus
erst einen südlicheren Kurs wie West einzuschlagen, um nicht von dem häufig
nördlich setzenden Strom auf das bei Fluth unsichtbare West Sand Spit gesetzt
zu werden. Als nächste Annäherungsgrenze an die Insel Kung-kung-tau resp.
East Sand Spit gilt die sehr leicht kenntliche Marke Finger Rock in Linie mit
dem Westende der Insel Kung-kung-taw — Im Winter bei nördlichen Stürmen
sind auf der Rhede von Chefoo liegende Schiffe häufig des mächtigen Seeganges
wegen genöthigt, unter den Inseln Schutz zu suchen. Sie finden denselben am
besten auf dem Nachts auch am leichtesten aufzufindenden Ankerplatz, südlich
von Kung-kung-tau - Feuer.
Der von S. M. S. „Luise“ gewählte Ankerplatz scheint besonders für
ainen längeren Aufenthalt geeignet zu sein. Bei sehr vorzüglichem Ankergrunde
bieten die ihn rings umgebenden Inseln und Bänke guten Schutz gegen Stürme,
während erstere niedrig genug sind und weit genug auseinander liegen, um
dem Winde freien Durchzug zu gestatten. Man kann noch näher an die Inseln
heranliegen, wie S. M. S. „Luise“, indessen empfiehlt sich dieses nicht, der
grossen von dem Sande zurückstrahlenden Wärme wegen. Beim Vermooren
ijegt man die Anker, der erwähnten heftigen nördlichen Stürme wegen, am
besten Nord— Süd von einander aus.
Die ganze Kung-kung-tau - Gruppe besteht aus kleinen Felsen-Inseln, die
durch flache Sand-Bänke oder Klippen in enger Verbindung mit einander stehen.
Auf der 60—70 Met. hohen Insel Kung-kung-taw steht der im Jahre 1866 er-
richtete, roth und weiss gestreifte und aus Mauersteinen erbaute Leuchtthurm.
Die Formation der Inseln ist anscheinend zum grossen Theil verwittertes schiefer-
artiges Gestein, das an den niedrigen Stellen mit Flugsand überdeckt ist, Auf
ler Insel Kung-kung-taw selbst liegt ein kleines ausserordentlich regelmässig
zebautes Dorf, nach Aussage der KEingeborenen weit über hundert Jahre alt.
Die Einwohner betreiben vorzugsweise Fischerei und ziehen nebenbei auf dem
spärlichen Boden mit dem den Chinesen eigenthümlichen grossen Fleiss einige
Hirse, Bohnen and Mais.
Die Anzahl von unbedeckten, neben und in dem Dorfe befindlichen
Tennen und Steinwalzen zum Mahlen ist sehr gross und dürfte gewiss für viele
Jahre zum Verarbeiten der gewonnenen Ernte noch über den Bedarf ausreichen,
An Vieh besitzen die Einwohner einige Esel, sonst nur Hühner. Ein Haupt-
aahrungsmittel mögen wohl die den Bänken zahlreich anhaftenden Muscheln und
kleine Austern sein. Vor der Erbauung des Leuchtthurmes soll eine ergiebige
Erwerbsquelle der Insulaner im Strandraube bestanden haben. Ein kleiner alter
zerfallener Tempel mit sehr vernachlässigten Götzen deutet auf einen in jener
Zeit grösseren Wohlstand der Insel hin. Sonst findet man auf allen Inseln
zerstreut noch Gräber, verschiedenen Nationen angehörig, und auf dem Süd-
Ende der Insel Kung-kung-tau ein ehemaliges französisches Barackenlazareth
ınter Obhut eines Chinesen. In früheren Jahren befand sich auf Mound Island