accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 4 (1876)

Die Bevölkerung nährt sich, was Fleisch anbetrifft, hauptsächlich nur 
von Schildkröten, welche hier sehr häufig und bis zu einer enormen Grösse 
vorkommen; sobald jedoch ein Kriegsschiff in den Hafen kommt, wird stets 
Rindvieh geschlachtet und man kann alsdann hier, da auch frisches Brod ge- 
hacken. wird, das Schiff mit frischem Proviant versehen. 
Früher bestand auch hier, wie in den Sailing Directions angegeben, 
eine kleine Privatwerft, doch ist dieselbe jetzt bei dem gänzlichen Mangel an 
gutem Bauholz, welches letztere von den Franzosen bei der Uebergabe der 
Volonie an die englische Regierung gänzlich niedergebrannt ist, eingegangen. 
Die nächst Mahe bedeutendste Insel der Seychellen- Gruppe ist die Insel 
Praslin‘), welche dadurch eine besondere naturwissenschaftliche Bedeutung hat, 
dass sie mit der unmittelbar dabei gelegenen kleinen Insel Curieuse der einzige 
bisher bekannte Platz der Erde ist, auf welchem die Meer-Kokospalme, die 
eine höchst eigenthümliche Art von Kokosnuss liefert, vorkommt. Die Früchte 
derselben waren bedeutend eher bekannt, als der Baum selbst, und wurden 
in Indien öfters von der See angetrieben vorgefunden. Da man den Baum 
dazu nicht auffinden konnte, so hielt man sie dort für Erzeugnisse des Meeres, 
und da zu ihrem geheimnissvollen Ursprung auch noch die sonderbare nieren- 
‚Örmige Gestalt hinzukam, so wurden sie für Heilmittel gegen Syphilis und 
andere Krankheiten angesehen und ihrem seltenen Vorkommen gemäss mit 
aıngeheuren Summen bezahlt. Auch jetzt bilden sie noch einen Export-Artikel, 
der über Mauritius nach Indien geht, und wird die Nuss, die 12 bis 15 Kilogr. 
wiegt, in Port Victoria mit 3 bis 4 sh. bezahlt.?) 
Wenn auch jährlich mehrere Tausend Stück verschifft werden, so kann 
man den Baum doch nicht als eigentliche Culturpflanze betrachten, da der 
Ertrag ein zu geringer ist, Der Baum, eine der grössten und schönsten Pal- 
nen, wächst ausserordentlich langsam, treibt jährlich nur ein Blatt, die Frucht 
braucht 7 Jahre zur Reife, Es lässt sich daher auch annehmen, dass bei 
weiterer Ausbeute und Cultur der Seychellen, welche von der englischen Regie- 
rung jetzt gefördert wird, diese uralten Stämme ergiebigeren Culturpflanzen 
7latz machen werden, und dass damit diese merkwürdige Pflanze überhaupt ver- 
schwinden wird.“ 
3. Reise von den Seychellen bis Aden,. 
S. M. S. „Ariadne“ blieb in Port Victoria vom 31. August bis zum 
2. September. An diesem Tage setzte sie ihre Reise nach Aden fort; bis zum 
Cap Guardafui (8. Septbr.) war diese sehr rasch und der Wind günstig. Am 
4. September wurde der Aequator zwischen 53° und 54° Ost-Länge geschnitten ; 
auf etwa 1° Nord-Br. ging der Südost - Passat allmälig über Süd in den 
SW - Monsun über, der in derselben Stärke, 4 -— 5, wehte und erst etwa 
200 Seem. südlich von Cwardafui die Stärke 7 erreichte. 
Während dieser Reise der „Ariadne“ bis zum Cap GAuardafuti fand Ca- 
pitain Kühne von Mittagsbesteck zu Mittagsbesteck Stromversetzungen eigen- 
thümlicher Art, wie aus folgender Uebersicht hervorgeht: 
1) Findlay a. a, O. pag. 476 bezw. 501; Taylor-Horsburch a. a. O. pag. 541. 
2) Die Früchte dieser Meer-Kokospalme (Lodoicea Seychellarum), Doppelkokus (wegen ihrer 
zweiknolligen Frucht) genannt, hiess früher die Wundernuss Salomon’s oder maledivische Nuss. Sie 
‚st die grösste aller Baumfrüchte und ist oft 10 Kilogramm schwer und darüber. Die Bäume, welche 
iber 20 Met. hoch werden und 7 Met. lange und 5 Met. breite Blätter an ebensolangen Stielen 
ragen, wachsen dicht am Strand der oben erwähnten Inseln, so dass die Früchte vorerst in das 
Wasser fallen und dann oft an die Küste der Malediven (während des SW-Monsuns) geschwemmt 
werden, welche man lange Zeit irriger Weise für deren Vaterland hielt. Die Javaner glaubten, diese 
seltsame Frucht wachse im Meer nur auf einem einzigen Baum, dassen Krone man zuweilen sehe, 
lie aber verschwinde, sobald man darnach greifen wolle; nach diesen: Baume zögen alle Strömungen 
hin, weshalb die südlichen Javaner sich nicht 3 Seem..vom Lande entfernten. Dieses wunderbaren 
Ursprungs wegen hielt man die Nuss, vorzugsweise das Eiweiss derselben, für ein Universalmittel. 
Der Admiral Hermanson brachte zuerst 1602 eine solche Nuss nach Europa. Gegen Ende des 
vorigen Jahrhunderts wurden die Nüsse von französischen Kanfleuten aus ihrer von Sonnerat zuerst ent- 
leckten wirklichen Heimath, den Seychellen, in grossen Mengen nach Calcut/a auf den Markt gebracht, 
‚on wo sie später nach Europa in die botanischen Sammlungen kamen. A. d. R.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.