Die Bevölkerung nährt sich, was Fleisch anbetrifft, hauptsächlich nur
von Schildkröten, welche hier sehr häufig und bis zu einer enormen Grösse
vorkommen; sobald jedoch ein Kriegsschiff in den Hafen kommt, wird stets
Rindvieh geschlachtet und man kann alsdann hier, da auch frisches Brod ge-
hacken. wird, das Schiff mit frischem Proviant versehen.
Früher bestand auch hier, wie in den Sailing Directions angegeben,
eine kleine Privatwerft, doch ist dieselbe jetzt bei dem gänzlichen Mangel an
gutem Bauholz, welches letztere von den Franzosen bei der Uebergabe der
Volonie an die englische Regierung gänzlich niedergebrannt ist, eingegangen.
Die nächst Mahe bedeutendste Insel der Seychellen- Gruppe ist die Insel
Praslin‘), welche dadurch eine besondere naturwissenschaftliche Bedeutung hat,
dass sie mit der unmittelbar dabei gelegenen kleinen Insel Curieuse der einzige
bisher bekannte Platz der Erde ist, auf welchem die Meer-Kokospalme, die
eine höchst eigenthümliche Art von Kokosnuss liefert, vorkommt. Die Früchte
derselben waren bedeutend eher bekannt, als der Baum selbst, und wurden
in Indien öfters von der See angetrieben vorgefunden. Da man den Baum
dazu nicht auffinden konnte, so hielt man sie dort für Erzeugnisse des Meeres,
und da zu ihrem geheimnissvollen Ursprung auch noch die sonderbare nieren-
‚Örmige Gestalt hinzukam, so wurden sie für Heilmittel gegen Syphilis und
andere Krankheiten angesehen und ihrem seltenen Vorkommen gemäss mit
aıngeheuren Summen bezahlt. Auch jetzt bilden sie noch einen Export-Artikel,
der über Mauritius nach Indien geht, und wird die Nuss, die 12 bis 15 Kilogr.
wiegt, in Port Victoria mit 3 bis 4 sh. bezahlt.?)
Wenn auch jährlich mehrere Tausend Stück verschifft werden, so kann
man den Baum doch nicht als eigentliche Culturpflanze betrachten, da der
Ertrag ein zu geringer ist, Der Baum, eine der grössten und schönsten Pal-
nen, wächst ausserordentlich langsam, treibt jährlich nur ein Blatt, die Frucht
braucht 7 Jahre zur Reife, Es lässt sich daher auch annehmen, dass bei
weiterer Ausbeute und Cultur der Seychellen, welche von der englischen Regie-
rung jetzt gefördert wird, diese uralten Stämme ergiebigeren Culturpflanzen
7latz machen werden, und dass damit diese merkwürdige Pflanze überhaupt ver-
schwinden wird.“
3. Reise von den Seychellen bis Aden,.
S. M. S. „Ariadne“ blieb in Port Victoria vom 31. August bis zum
2. September. An diesem Tage setzte sie ihre Reise nach Aden fort; bis zum
Cap Guardafui (8. Septbr.) war diese sehr rasch und der Wind günstig. Am
4. September wurde der Aequator zwischen 53° und 54° Ost-Länge geschnitten ;
auf etwa 1° Nord-Br. ging der Südost - Passat allmälig über Süd in den
SW - Monsun über, der in derselben Stärke, 4 -— 5, wehte und erst etwa
200 Seem. südlich von Cwardafui die Stärke 7 erreichte.
Während dieser Reise der „Ariadne“ bis zum Cap GAuardafuti fand Ca-
pitain Kühne von Mittagsbesteck zu Mittagsbesteck Stromversetzungen eigen-
thümlicher Art, wie aus folgender Uebersicht hervorgeht:
1) Findlay a. a, O. pag. 476 bezw. 501; Taylor-Horsburch a. a. O. pag. 541.
2) Die Früchte dieser Meer-Kokospalme (Lodoicea Seychellarum), Doppelkokus (wegen ihrer
zweiknolligen Frucht) genannt, hiess früher die Wundernuss Salomon’s oder maledivische Nuss. Sie
‚st die grösste aller Baumfrüchte und ist oft 10 Kilogramm schwer und darüber. Die Bäume, welche
iber 20 Met. hoch werden und 7 Met. lange und 5 Met. breite Blätter an ebensolangen Stielen
ragen, wachsen dicht am Strand der oben erwähnten Inseln, so dass die Früchte vorerst in das
Wasser fallen und dann oft an die Küste der Malediven (während des SW-Monsuns) geschwemmt
werden, welche man lange Zeit irriger Weise für deren Vaterland hielt. Die Javaner glaubten, diese
seltsame Frucht wachse im Meer nur auf einem einzigen Baum, dassen Krone man zuweilen sehe,
lie aber verschwinde, sobald man darnach greifen wolle; nach diesen: Baume zögen alle Strömungen
hin, weshalb die südlichen Javaner sich nicht 3 Seem..vom Lande entfernten. Dieses wunderbaren
Ursprungs wegen hielt man die Nuss, vorzugsweise das Eiweiss derselben, für ein Universalmittel.
Der Admiral Hermanson brachte zuerst 1602 eine solche Nuss nach Europa. Gegen Ende des
vorigen Jahrhunderts wurden die Nüsse von französischen Kanfleuten aus ihrer von Sonnerat zuerst ent-
leckten wirklichen Heimath, den Seychellen, in grossen Mengen nach Calcut/a auf den Markt gebracht,
‚on wo sie später nach Europa in die botanischen Sammlungen kamen. A. d. R.