487
Strom, zwischen 24 bis 40 Scem, den Tag setzend, gefunden. Nordwärts von
[0° Süd-Br. nahm der Passat an Stärke ab und. das Wetter wurde trübe und
‚egnerisch.
Am Mittag des 27. August (in 8° 29‘ Süd-Br. und 62° 14‘ Ost-Lg.) traf
3. M. S. „Ariadne“ das schmale Riff, welches sich von der Saya de Malha-Bank
in nordwestlicher Richtung hinzieht; es wurden hier 81 Met. gelothet, während
4 Stunden später auf 165 Met. kein Grund gefunden wurde; hiernach war eine
westliche Stromversetzung von über 40 Seem. zu constatiren.
Ueber die Insel Mahe der Seychellen - Gruppe und diese selbst berichtet
Capt. z. S. Kühne:
Die grösste und bedeutendste Insel der Seychellen - Gruppe ist Mah6 mit
dem auf der NW-Seite der Insel gelegenen Hafen Port Victoria,‘) Der innere
Hafen wird durch Korallenbänke gebildet, welche dicht in der Nähe der Stadt
ein Bassin frei lassen, in welchem ausser zwei grösseren Schiffen wohl noch
drei kleinere Fahrzeuge zu Anker liegen können. Das Bassin ist ein guter und
gegen Wind und See vollständig geschützter Ankerplatz, zu dem man, vermittelst
sines durch Tonnen gut gekennzeichneten Kanals, durch Untiefen hindurch
gelangt.
Gegenwärtig ist auch auf der Spitze einer Korallenbank am Eingang ein
kleiner Leuchtthurm im Bau, desgleichen wird auf dem Strand der Insel Mahe
selbst noch ein kleines Leuchtfeuer errichtet, um Schiffen, welche die Passage
südlich von St. Annen-Island nehmen, als Leitfeuer zu dienen.
Die Seychellen bilden eine Dependence des Gouvernements von Mauritius
and werden durch einen englischen Commissionar verwaltet, welcher seinen Sitz
in Port Vietori@ hat. Gleichwohl hat sich hier fast nur französisches Leben
erhalten, und Wesen und Sprache der Neger und der Creolen - Bevölkerung
ist denen in den französischen Colonien gleich geblieben. Fast die meisten
Namen der Handelsleute sind französisch; auch ist diese letztere Sprache die hier
ausschliesslich gebrauchte Umgangssprache, Engländer oder andere Ausländer
inden sich nur in sehr geringer Anzahl auf der Insel, deren Gesammtbevölke-
rung gegenwärtig 15000 Seelen beträgt.
Die Insel Mah& ist sehr produetionsfähig; die Franzosen glaubien, als
sie dieselbe erwarben, sie den Molukken als Concurrenten in Gewürz-Ausfuhr
zbenbürtig zur Seite stellen zu können. Leider ist die Bevölkerung jedoch
‚räge und indolent, und der Handel deshalb bisher sehr gering, fast eigentlich
nur nach Mauritius hin sich erstreckend.
Dort aber, wo Cultur und Fleiss das Land bebaut haben und Versuche
mit Caffee-, Cacao- und Vanille - Anpflanzungen gemacht worden sind, ist die
Mühe stets mit Erfolg gekrönt gewesen. — Auffällig ist die ungeheure Menge
von Kokosnussbäumen, welche in grossen Plantagen sich von den Abhängen des
650 Met. hohen vulkanischen Höhenzuges; der die ganze Insel der Länge nach
Äurchzieht, bis an die Küste hin erstrecken. Das Kokosnuss-Oel bildet das
Haupterzeugniss der Insel, auch ist kürzlich eine mit Dampf-Measchinenbetrieb
eingerichtete Fabrik erbaut worden, welche die Kokosnussfasern bearbeitet.
Mah6 bildet ferner noch eine Station für Walfischfahrer, die auf der
Seychellen-Bank jagen. Eine von der Regierung in der neueren Zeit getroffene
Einrichtung ist die Leitung von vortrefflichem Trinkwasser nach dem Meere hin;
Jieses Wasser, aus einem Bassin in den Bergen her kommend, wird längs der
Pier geführt und kann von den Schiffen mit ihren Booten bequem eingenommen
werden, Der Preis des Wassers beträgt 2 sh. per Ton.
Da das Klima hier ein ausserordentlich gesundes sein soll, so werden die
Seychellen in neuerer Zeit sowohl für die an der Ostküste Afrika’s stationirten,
wie für die auf der indischen Station befindlichen englischen Kriegsschiffe als
Grholungshafen benutzt, ebenso wie auch häufig Bewohner von Mauritius aus
Gesundheitsrücksichten und zur Erholung hierher kommen. Die Stadt selbst
ist ein aus elenden Baracken und Negerhütten bestehender Flecken, der gegen-
wärtig auch Schiffen nur geringe Hilfsmittel bietet.
ı) Findlay: Sailing Direetory for the Indian Ovean, 2. edit. (1870) pag. 473; 3. edit. (1876)
av. 497; Taylor-Horsburgh: The India Directory, Part I. (1874) pag. 549.