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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1898,
land eine lebhafte nordöstliche Luftströmung, die schnelle und starke Erkältung
herbeiführte. Es trat wieder allgemein auch am Tage anhaltender Frost ein,
Die strengste Kälte herrschte in den Tagen vom 22. bis 25. Januar, worauf sie
etwas nachliefß. Die Niederschläge gingen daher in dem letzten Drittel des
Januar durchweg in’ Gestalt von Schnee nieder, der selbst zu Verkehrsstörungen
Veranlassung gab. Es bildete sich eine Schneedecke, die über einen Decimeter
hoch war und in den Gebirgsgegenden eine Mächtigkeit bis zu einem Meter
erreichte.
An den letzten beiden Tagen entstand zwischen Nord- und Süddeutschland
ein starker Gegensatz der Witterungsverhältnisse. Eine Minimallinie des Luft-
druckes, der mehr oder weniger tiefe Minima auf ihrem Zuge gegen Osten
folgten, ging mitten durch Deutschland in der Richtung von West nach Ost.
Süddeutschland gelangte so unter den Einflufs einer südwestlichen Luftströmung,
die daselbst alsbald intensives Thauwetter mit Temperaturen bis zu + 10° her-
beiführte und starke Regenfälle in Begleitung hatte. Der Schnee schmolz mit
Ausnahme der höchsten Lagen über Süddeutschland in den ersten Tagen des
Februar ziemlich schnell weg, und im Rhein und seinen Nebenflüssen trat Hoch-
wasser ein. Ueber Norddeutschland hielt jedoch der Frost im Allgemeinen noch
bis zum 9. Februar an. Die Schneedecke blieb daher daselbst besonders im
Osten noch bis tief in den Februar hinein bestehen und erfuhr durch Schnee-
fälle während der ersten Februarwoche noch eine Verstärkung. Theilweise
lagen in Norddeutschland die niedrigsten Temperaturen im ersten Drittel des
Februar sogar noch tiefer unter dem Gefrierpunkt als an den kältesten Tagen
ädes Januar. Die Differenzen der gleichzeitigen Temperaturen zwischen Süd-
deutschland und Norddeutschland betrugen daher bis zu 20°.
Am 8. Februar verschwand die Depression, welche seit der letzten Januar-
woche auch besonders Centraleuropa bedeckte, Ks entwickelte sich hoher Luft-
druck über dem südlichen Europa, während eine augenscheinlich in grofser Aus-
dehnung von West nach Ost sich erstreckende zonale Depression auch das
nördliche Europa überzog. Die damit über Norddeutschland einsetzenden leb-
hafteren westlichen Winde führten daselbst allgemein am 10. Februar Thauwetter
herbei. Wenn nun auch in den folgenden Tagen bis zum 14. Februar der Luft-
druck über Deutschland meist hoch war, so bewirkte doch eine Reihe kleinerer
Depressionen, die weniger in den Barometerständen selbst, als vielmehr durch
die Winde zu erkennen sind, bis zu diesem Tage noch Fortdauer des trüben
Wetters und der Niederschläge, die besonders in Süddeutschland sehr be-
trächtlich waren.
Noch einmal am 15. Februar hielt über Norddeutschland auch über Mittag
der Frost an. Damit war die Kraft des Winters in den tieferen Lagen end-
gültig gebrochen. Nach diesem Tage fanden nur noch Nachtfröste statt. Gleichzeitig
hörten die Niederschläge auf und die zweite Hälfte des Februar war in Deutschland
meist trocken. Nur am 21. Februar traten allgemeine Regen- und Schneefälle auf, an
welchem Tage eine von Nord nach Süd gerichtete Einsenkung des Luftdruckes
über Deutschland von West nach Ost sich verlagerte. Sonst lag vom 15. bis
28, Februar Centraleuropa im Bereich höchsten Luftdruckes; bis zum 25. Februar
überstieg das Barometer in Deutschland meist 770, vielfach sogar 775 mm. Die
Bewölkung war daher auch meist gering; vielfach traten aber Nebel auf. Die
Sonnenwirkung konnte in dieser Zeit um so kräftiger sich bemerkbar machen,
als keine östlichen Winde herrschten, die kältere Luft aus dem Innern des grofsen
Kontinentes unseren Gegenden zugeführt haben würden. So nahm die Tem-
peratur am 25, Februar denn auch allmählich zu und stieg danach am Tage im
Binnenlande vielfach auf 15° und darüber; Nachtfröste kamen im Februar nach
dem 21. nur noch vereinzelt oder in höchsten Lagen vor.
In der ersten Hälfte des Monats März ging die Wärme über Deutschland
gegen die letzte Februarwoche wieder etwas zurück; die Mittagstemperaturen waren
weniger hoch und Nachtfröste traten etwas häufiger auf, Ferner nahm mit dem
ersten Tage des März ein Zeitabschnitt niederschlagreichen Wetters seinen
Anfang, der mit nur sehr kurzen und vereinzelten Unterbrechungen die Tage
bis zum 21. April umfaßte. Besonders in Süddeutschland waren die Nieder-
schläge sehr ergiebig. Dieses nasse Wetter entsprach dem Umstande, dafs
während dieser Zeit Centraleuropa vorwiegend unter dem Einflufs von Depressionen