Die Expedition S. M. S. „Gazelle“.
VIH.*)
Wissenschaftliche Beobachtungen und Untersuchungen auf der
Reise S. M. S, „Gazelle“ von der West- und Nordwest-Küste Australiens
durch die Ombay-Passage nach Amboina.
Von Capt. z. See Freiherrn v. Schleinitz.
Oeeanische Untersuchungen und die daraus zu ziehenden Schlüsse.
Auf der Strecke zwischen dem Dampier-Archipel bei Nordwest-Australien
und Koepang auf Timor einerseits und zwischen Koepang und Amboina anderer-
seits sind regelmässig durchschnittlich jede 150 Seem. Tiefseelothungen und
Reihentemperaturen genommen worden; mit gleicher Regelmässigkeit ist das
specifische Gewicht an der Oberfläche auf 50 und 100 Faden (91.s und 183 Met.)
Tiefe und am Meeresboden, sowie der Strom an der Oberfläche und in den
gleichen Tiefen bestimmt worden. **)
Der Isothermenschnitt liegt allerdings in einem Winkel zu dem vor-
herrschenden Oberflächenstrom; er würde daher durch östlich und westlich davon
genommene parallele Schnitte erst seine volle Bedeutung erhalten. Trotzdem
können aber doch einige werthvolle Schlussfolgerungen aus dem Verlaufe der
Temperatur-Curven sowohl, wie aus dem der Isothermen und schliesslich auch
aus dem Verhalten des specifischen Gewichtes genommen werden, und zwar
sind dies folgende:
l. Im Verlauf der 20°- und derjenigen der 24°.Isotherme zeigt sich cin
merkwürdiges gegensätzliches Verhalten bei den Curven III. und IV. Während
die 20° Isotherme bei III. fällt, steigt sie bei IV, und umgekehrt die 24°-Iso-
therme.***) Der Oberflächenstrom wurde bei der einen nördlich, bei der
anderen südlich beobachtet, zwischen beiden liegt daher wohl eine Stromscheide.
Der Verlauf der anderen Isothermen bis zu 8° scheint zu gleichem Schluss zu
berechtigen,
Im Allgemeinen geht die Tendenz des Stromes nördlich von 13° Süd-Br.,
südwestlich. Man ist vielleicht berechtigt anzunehmen, dass die erstere Strömung
aus der Torres-Strasse, die letztere aus der Molukken resp. Banda See kommt.
2. Curve II zeigt eine sehr tiefgehende Erwärmung der oberen Schichten
im Vergleich zu den benachbarten Temperaturen. Es mag das in der flachen
Torres-Strasse stark durchwärmte Wasser, welches hier, nach dem gefundenen
geringen Oberflächenstrom zu schliessen, durch andere Einflüsse eine Hemmung
erfährt, Veranlassung dafür sein.
3. Das specifische Gewicht bestätigt vollkommen den unter 1. ge-
zogenen Schluss. Der Sprung, den das specifische Gewicht von der Oberfläche
bis zu 183 Met, (100 Faden) Tiefe von Curve III zu Curve IV. macht, ist ein
*) I. Hydrogr. Mittb. 1874 No. 17, II ibid. No. 28, III. ibid. No. 25 u, 1875 No. 4,
[V. Annal. d, Hydrogr. No. 7 u. 8 (April), V. ibid. No. 19 u, 20 (Octob.), VI. ibid, No. 21 u. 22
Novbr.); VII. ibid, 1876 I. (Januar).
**) In den unten folgenden zwei Tabellen (s, S. 47) sind die Tiefsee- und Reihen-
jemperaturmessungen übersichtlich zusammengestellt; die letzteren sind aus den von Freiherrn
v, Schleinitz eingesandten Temperatur-Curven, wie schon früher geschehen, in Zahlenangaben
übersetzt worden (s. „Ann. d, Hydr.“ 1875, pag. 406). A. d. R.
***) Das hierher gehörige Diagramm wird später veröffentlicht werden. A. d. R.