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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 4 (1876)

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bisher bekannt gewordenen Bestimmung der Constanten der Gezeiten, theils um 
bei der späteren strengen Untersuchung schon von vornherein gewisse Anhalts- 
punkte zu haben, eine vorläufige Ableitung dieser Constanten aus den Zeiten 
und Höhen von Hoch- und Niedrigwasser auszuführen. Dies war um so berech- 
ıigter, als zur erfolgreichen Anwendung der Methode von Sir William Thomson 
ein voller Jahrgang möglichst ununterbrochener stündlicher Ablesungen erfordert 
wird, der bis jetzt noch nicht vorhanden ist. 
Es wurden zu der im Nachfolgenden ausgeführten Ableitung der Constan- 
ten die sämmtlichen Hoch- und Niedrigwasser benutzt, welche zwischen dem 
10. August 1875 und dem 6. Juli 1876 von dem selbstregistrirenden Fluthmesser 
aufgezeichnet worden sind, im Ganzen, da die Zeiten vom 3. October -bis 9. De- 
zember 1875, vom 13. März 1876 bis 28. März und vom 25. April bis 7, Mai, 
wo der Apparat ausser Thätigkeit gesetzt werden musste, ausfallen, 779 an 
der Zahl. Als Zeit des Hoch- oder Niedrigwassers ist die Zeit des wirk- 
lichen Maximum und Minimum der Curve angesehen, nicht, wie es wohl bei 
Beobachtungen mit dem Auge zu geschehen pflegt,. die Zeit des ersten Fallens 
sezw. Steigens. Ueberdies zeigen die Curven von einem sogenannten Stauwasser, 
während dessen sich das Wasser auf derselben Höhe halten soll, nichts, es ist 
Jieses also nur der Langsamkeit des letzten Steigens und des ersten Fallens, und 
ımgekehrt bei Niedrigwasser, welches sich der Beobachtung durch das Auge 
antzieht, zuzuschreiben; die Notirungen der Zeit aber, welche eines dieser Mo- 
mente als Zeit des Hoch- oder Niedrigwassers angeben, werden nothwendig 
atweder früher oder später sein müssen, als die Zeiten, welche bei der gegen- 
wärtigen Untersuchung nach den Curven als den genannten Phasen entsprechend, 
angenommen worden sind. Wir erwähnen dies hier gleich, weil wir es später 
als Erklärungsgrund für die Abweichung unseres Resultats von dem früher aus 
anderem Material erhaltenen benutzen werden. 
Der erste Schritt war der, die Hoch- und Niedrigwasser-Zeiten und -Höhen 
in 24 Gruppen zu ordnen (12 für Hoch-, 12 für Niedrigwasser), von denen jede 
die innerhalb einer vollen Stunde der Mondculmination fallenden Zeiten und 
Höhen von Hoch- bezw. Niedrigwasser enthielt. Zu diesem Zweck wurden zunächst 
Jie Zeiten der Mondeulminationen in wahrer Sonnenzeit aus dem Nautical 
Almanac entnommen unter Berücksichtigung der Correction wegen des Längen- 
anterschiedes von Greenwich, und sodann die Zeiten von Hoch- und Niedrig- 
wasser mit der Zeit der ersten d. h. der ca. 12 Stunden dem Hochwasser 
vorhergehenden Mondeulmination zusammengestellt. Diese Culmination ist, wegen 
der veränderlichen halbmonatlichen Ungleichheit, bald die erste, bald die 
zweite vorhergehende. Es kann daher die Richtigkeit der Bezeichnung als erste 
Culmination angefochten werden; sie wurde aber gewählt wegen der Vergleichung 
unseres Resultats mit dem früheren, da sich aus der Hafenzeit (12* 34wir-) !) 
schliessen lässt, dass auch bei Ableitung derselben dieselbe Culmination benutzt 
wurde, obwohl es nach den Untersuchungen von Lubbock, Whewell etc. für 
England und neuerdings für Cuxhaven und die Elbe von Lenz nicht zweifelhaft 
sein kann, dass eine viel frühere Culmination (meist wird die fünfte als die 
günstigte angenommen) die Beobachtungen viel enger mit der Theorie vereinigt. 
Die vorerwähnten Gruppen wurden nun derart gebildet, dass alle Mond- 
sulminationen zwischen 02 Q=in. und 01 59=., ıb Omi und 1* 59m u, s, w. mit 
Jen ihnen entsprechenden Hoch- und Niedrigwasserzeiten und -Höhen zusammen- 
gestellt wurden, wobei eine Trennung zwischen oberer und unterer Culmination 
nicht als nothwendig erschien. Die Differenz zwischen der Zeit des Hoch- und 
Niedrigwassers und der Zeit der Culmination ergiebt das „Mondfluthintervall“ 
(Junitidal-interval) oder die Hafenzeit, nach der Bezeichnung von Lenz. Wir 
haben aber dem ersten Ausdruck als prägnanter und weniger der Verwechse- 
lung ausgesetzt den Vorzug gegeben, 
Nimmt man dann die Mittel aus den Culminationszeiten, den Mondfluth- 
intervallen und den Höhen, so erhält man Werthe, welche nahezu jeder halben 
Stunde der Mondeulmination entsprechen. Die Resultate dieser Rechnung sind 
in der nachstehenden Tabelle enthalten. 
ı) Vergl, Nachschrift.
	        
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