470
Einige Bemerkungen über die Stürme im Nord-Atlantischen Ocean,
Bekanntlich sind die Fälle, in welchen sich das Fortschreiten von Stürmen
von Nord-Amerika aus über den Atlantischen Ocean bis nach Europa hin ver-
folgen kann, nicht häufig, da die über dem Amerikanischen Continent entstehen-
den Stürme innerhalb weniger Tage viele wichtige Aenderungen erleiden, sobald
sie den Atlantischen Ocean erreicht haben, und da sie häufig mit anderen
Stürmen, welche über dem Ocean selbst entstehen, sich vereinigen. Es ist da-
her für die Kenntniss und Theorie der Stürme von grossem Interesse, Beispiele
für solche Stürme zu besitzen, welche in der That den ganzen Nord-Atlantischen
Ocean von Nord-Amerika bis Europa durchkreuzt haben.
Professor Loomis hat in der 4, Abhandlung seiner Discussion der
Wetterkarten der Vereinigten Staaten etc., publicirt in Sillim. Amer, Journ.
of Science and Arts, Jan. 1876, pag. 1-17, aus dem französischen „Atlas des
mouvements gEneraux de l’atmosphere etc.“ umfassend die 18 Monate von Juni
1864 bis Dezember 1865, und aus den dänischen „Cartes synoptiques journalieres
construites par N. Hoffmeyer“, umfassend die 9 Monate von Dezember 1873
bis August 1874, also im Ganzen für einen Zeitraum von 27 Monaten nach-
stehende 11 Beispiele von Stürmen, welche den Atlantischen Ocean von Amerika
bis Europa wirklich durchkreuzt haben, zusammengesellt.
“ 1864, Norbr. 30 bis Dezbr. 11: von Neufundland bis Irland,
365, April 20 bis Mai 3: von Labrador bis Irland,
1865, Mai 26 bis 29: vom St. Lorenzbusen bis Irland,
1865, Octbr. 2 bis 10: von Cap Cod bis Irland,
1865, Oetbr. 11 bis 17: von Neufundland bis Irland,
(874, März 1 bis 5: von der Hudson-Bai bis zum Nordeap,
1874, April 14 bis 17: von der Hudson-Bai bis Norwegen,
*, 1874, April 16 bis 23: vom St. Lorenzbusen bis Norwegen,
9. 1874, Mai 23 bis 30: vom St. Lorenzbusen bis Norwegen,
L0. 1874, Aug. 1 bis 4: vom St. Lorenzbusen bis zum Nordcap,
ıl. 1874, Aug. 12 bis 17: von der Hudson-Bai. bis Norwegen.
Wenn die täglichen Beobachtungen zahlreich genug wären, um für jeden
Theil des Atlantischen Oceans die Isobaren zu zeigen, so würde ohne Zweifel
die Anzahl dieser quer über den ganzen Nordatlantischen Ocean wehenden
Stürme noch beträchtlich vermehrt werden. Man kann aber schon jetzt als an-
nähernd richtig annehmen, dass solche Fälle in jedem Monat nur ein- bis zwei-
mal vorkommen.
Die mittlere Geschwindigkeit der Stürme auf dem Atlantischen Ocean,
abgeleitet aus 134 Fällen den französischen Karten des oben erwähnten Atlas
des mouvements generaum etc. ist 19.3 Seem. die Stunde, und aus 49 der Hoff-
neyer’schen Karten entnommenen Fällen 20.3 Seem,; sie beträgt also im Durch-
schnitt 19.6 Seem. Nun ist aber die mittlere Geschwindigkeit für den amerika-
nischen Continent, aus 485 Einzelfällen abgeleitet, 26 Seem.,!) und für den
auropäischen Continent hat Mohn die durchschnittliche Geschwindigkeit zu 26.7
Seem. bestimmt. Hiernach scheint es, dass die Stürme über den Ocean mit
zeringerer Geschwindigkeit fortschreiten, als über den Continenten. Sollte sich
dies Resultat weiter bestätigen, so ist dies von grosser Wichtigkeit für die
Theorie der Stürme.
Vorläufige Bestimmungen der Constanten der Fluth und Ebbe
zu Wilhelmshaven.
Von Dr. C. Börgen.
Ehe an die vollständige Auswerthung der durch den selbstregistrirenden
Fluthmesser zu Wilhelmshaven erhaltenen. Curven, aus denen für jede Stunde
der Wasserstand entnommen wurde, nach den neuesten wissenschaftlichen Me-
;hoden gegangen wurde, erschien es wünschenswerth, theils zur Prüfung der
1) Die mittlere Richtung dieser Stürme ist N81°E. In den drei Sommermonaten ist die
mittlere Richtung N 90°E und die Geschwindigkeit 21 Seem. die Stunde, im Winter N 79° E und
29,3 Seem. die Stunde.