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Schiffe mit 4.5—5 Met. Tiefgang würde mit dieser Vertiefung des Adler-Grundes
bis ca. 7 Met. ein grosser Dienst geleistet werden; sollte die Vertiefung bis
zu 8 Met. Tiefe reichen, so müssen 6080 Kub.-Met. Steine weggeräumt werden.
Bei den allerdings wegen Mangel an geeigneten Vorrichtungen nur vorläufig
angestellten Versuchen, einige dieser Steine des Adler-Grundes zu entfernen,
gelang es u. A. einen Stein von ca, 1.75 Kub.-Met. Inhalt von einer 5.5 Met,.-
Stelle bis zu einer Stelle von 8.5 Met. Tiefe fortzuführen, wo er bei einer Höhe
von ca. 1 Met, gegenwärtig 7.5 Met. unter der Oberfläche liegt. Der Stein in
4.7 Met. wurde mit Erfolg mit Bohrer und Zange bearbeitet und glücklich an
Bord gebracht. Sein Kubikinhalt betrug wie der obige, gleichfalls ca. 1.75 Kub.-
Met. und die Höhe des Steines ca. 1 Meier. Der Lagerort ergab nach der Hebung
Jes Steines 5—6 Met. Tiefe; die zunächst liegenden Steine befanden sich in
Tiefen von 5.2 bis 5 Met. Das stürmische‘ Wetter vom 10, bis 19. Juli er-
schwerte oder verhinderte gänzlich die Hebungsarbeiten, so wie auch die Ver-
messungen. Im Ganzen wurden vom 30. Juni bis zum 19. Juli mit ca, 22 bei
den Arbeiten beschäftigten Leuten 13 Kub.-Met. Steine gehoben. Für die Ent-
fernung der Steine des Adler-Grundes besonders ausgerüstete Fahrzeuge würden
in demselben Zeitraum bedeutend grössere Erfolge erzielen können.
Während des Aufenthalts des „Notus“ auf dem Adler-Grund hatte Frei-
herr v. Löwenstern mehrfach Gelegenheit zu beobachten, dass die Peilungen
nach Bornholm zu (Ritterknecht) nicht mit der in den Karten verzeichneten Po-
sition des Adler-Grundes übereinstimmten, sondern stets zu weit östlich, ca, 1 Strich,
ausfielen, während Peilungen nach der Jasmunder Halbinsel (Königsstuhl) genau
stimmten.
Der Strom auf dem Adler-Grund ist ganz unbeständig, jedoch kann man
nach dem specifischen Gewicht des Wassers auf die Richtung des Stromes
schliessen, welcher zwischen SW und SE varlirt. Ersterer bringt süsseres Wasser,
and zwar zunächst Grundwasser, dann Oberflächenwasser und höhere Temperatur,
während bei letzterem das Umgekehrte stattfindet.
Das Wasser hatte überhaupt einen nur sehr geringen Salzgehalt, war
orackig und trinkbar. Der südwestliche Strom herrschte vor und war ziemlich
stark; nur kurz. vor eintretenden westlichen Winden nahm der Salzgehalt zu
and der Strom setzte östlich, war jedoch immer nur sehr schwach. Der Tem-
peratur-Unterschied zwischen Ober- und Unterwasser war wegen der geringen
Tiefs sehr uubedeutend. Bei allen diesen Wahrnehmungen ist zu berücksich-
tigen, dass sie im Sommer stattfanden und dass zu andern Jahreszeiten auch
andere Erscheinungen sich zeigen können (s. Karsten’s Physikal. u. chem. Unter-
such. der Ostsee, 1873, und Monatshefte der Kieler Commission zur Untersuchung
der Deutschen Meere).
Temperaturen des Stillen Oceans in einer Tiefe von 2743 Met.
(1500 Faden) und am Meeresboden.
Von Staff-Commander T. H. Tizard, R. N. (Aus dem Report of H. M. S. „Challenger“ No. 6.)
Ueber den ganzen nördlichen und einen Theil des südlichen Stillen Oceans
zeigen die Ablesungen der bis zum Boden herabgesenkten Thermometer so kleine
— wenn überhaupt — Differenzen gegen die Ablesungen in Tiefen von 1500
Faden (2743 Met.) oder zuweilen in noch geringeren Tiefen, dass es bei einer
grossen Anzahl von Fällen schwierig ist, zu bestimmen, ob das Minimum der
Temperatur am Meeresboden oder an irgend einer Stelle zwischen diesem und
der Oberfläche stattgefunden hat. Diese Schwierigkeit rührt grossentheils von
äen Eigenthümlichkeiten des Miller’schen Thermometers her, welches unter
einem grösseren Druck mit einem von dem Verfertiger bestimmten Fehler be-
haftet ist, so zwar, dass mit Zunahme der Tiefe, also auch des Druckes, der
Fehler wächst. Dieser Fehler ist allerdings klein, aber doch hinreichend, um
zu verhindern, dass kleine Temperatur-Differenzen durch. dies Instrument sicher
angezeigt werden, wenn die Differenzen der von dem Druck beeinflussten Thermo-
meterstände grösser sind, als die Temperatur-Unterschiede. Zeigt z. B. das
Thermometer bei einer Bodentiefe von 5486 Met. (3000 Faden) einen Stand