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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 4 (1876)

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welcher man vor dem Winde abhalten soll, sobald der Wind stetig bleibt und 
an Stärke zunimmt und das Barometer schnell fällt. 
Denn wenn es auch richtig ist, dass das Schiff in Diagramm II. in Folge 
3einer Fahrt von 6 bis 8 Seem. p. Stunde (die später sich noch erheblich ver- 
nehrte) nicht völlig berechtigt war, jene Regel der Segelhandbücher, welche ein 
Stillstehen oder doch nur eine unbedeutende Örtsveränderung während der Wind- 
and‘ Barometerbeobachtungen, auf denen sie basirt, zur Voraussetzung hat, auf 
3ich anzuwenden, so zeigt doch das Beispiel des Schiffes in Diagramm I., wel- 
3hes beim Herannahen des Sturms vor Anker lag‘ und später kurze Zeit bei- 
drehte, dass weder die unveränderte Richtung und zunehmende Stärke des 
Windes, noch selbst ein rasches Fallen des Barometers ein genügendes Merk- 
mal für das Herannahen des Sturmeentrums und seine Bahnrichtung abgiebt. 
Naturgemäss wird der Seemann, wenn die alte Regel verworfen wird, 
fragen, was ihm als Anhaltspunkt dienen kann, um zu beurtheilen, ob ein 
Sturmcentrum auf sein Schiff zuschreitet. 
Es ist zunächst klar, dass bei der Annahme der Spiraltheorie die Art 
der Bewegung des Windes überhaupt nicht gestattet, so positive Regeln für 
las Verfahren von Schiffen in den verschiedenen Lagen zu geben, wie bei der 
Xreistheorie. Denn das Centrum eines Sturmes kann, wenn der Wind sich 
spiralförmig nach demselben zu bewegt, ganz verschieden liegen, je nachdem 
lie Spiralen sehr stark oder sehr wenig gekrümmt sind. Es wäre indess nicht 
anmöglich, dass entweder das Maass der Curvung in denselben Gegenden immer 
an sich ähnliches bliebe, oder dass eine Gesetzmässigkeit für die Curyvung sich 
zus der Art der beobachteten meteorologischen Verhältnisse annähernd werde 
ıbleiten lassen, und dann würde man die ungefähre Lage des Centrums, also 
auch die annähernde Bahnrichtung aus den zu verschiedenen Zeiten angestellten 
Beobachtungen eines Schiffes bestimmen können. Hierzu ist aber von Nöthen, 
dass das Auftreten der Orkane in allen Meeren zu einem sorgfältigen Studium 
gemacht werde, wozu vor Allen gerade die Seeleute selbst Material herzu- 
zutragen haben werden. 
Vor der Hand erhellt nur so viel — und es ist Pflicht der seemännischen 
iteratur darauf wiederholt aufmerksam zu machen — dass von den bisher als 
zültig angenommenen Orkanregeln diejenige als unmittelbar gefahrbringend ein 
Zutrauen nicht länger verdient, wonach bei zunehmendem und nicht änderndem 
Sturme mit stark fallendem Barometer vor dem Winde abgehalten werden soll, 
Als Ersatz nun für diese Regel räth Meldrum, indem er einen Orkan 
vor Augen hat, welcher, wie der auf Diagramm I. dargestellte, nach Südwest 
wandert, bei unveränderlich mit zunehmender Stärke aus Südost wehendem 
Winde und fallendem Barometer beizudrehen und erst, wenn das Barometer 
rolle 15"". seit Beginn. des Sturms gefallen ist, als letzte Zuflucht nach Nord- 
west abzuhalten.‘) Wenden wir diese Regel auf die beiden vorgeführten Bei- 
spiele an, so muss man zugeben, dass bei zeitigem Beidrehen keines der beiden 
Schiffe ein Fallen von ca. 15m. im Barometerstande, d. h. mit Rücksicht auf 
den tropischen Durchschnittsstand einen Stand von ca, 74Qmm. registrirt haben, 
also nicht in die Lage gekommen sein würde, die letzte Zuflucht zum Abhalten 
zu nehmen. - 
Wenn das Zutreffen dieses von Meldrum ertheilten Rathes nun auch 
bei den beiden behandelten Fällen gezeigt wurde, so soll damit nicht gesagt sein, 
üass er ausreichend ist, um in jedem Falle und blindlings Anwendung zu finden. 
Aus der vorstehenden Erörterung wird vielmehr nur das Eine mit Sicherheit 
gefolgert werden können, dass man beim Herannahen einer Cyklone, wenn 
irgend welche Unsicherheit über den Ort des Centrums resp. die Bahnrichtung 
besteht, zunächst über den richtigen Bug (nach der bekannten Regel) bei- 
drehen und sorgfältige Beobachtungen anstellen muss, dass für das weitere 
Verhalten sich zur Zeit aber allgemein gültige Regeln nicht geben lassen, viel- 
mehr der Schiffsführer sich aus seinen Beobachtungen die Bahn des Orkans 
selbst klar zu machen hat und vor allen Dingen hierbei und beim Fassen seines 
Entschlusses nicht vergessen darf, dass die Winde nicht um das Centrum, son- 
dern in mehr oder weniger gekrümmter Spirallinie nach demselben hinwehen, 
« Siene die ausführliche Wiedergabe dieser Stelle in Hydr. Mitth. 1873, Seite 188.
	        
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