Im
Ausser den 8 ÜChronometern welche dem Schiffe überwiesen waren,
waren noch 3 Chronometer an Bord, die für die Zwecke der „Venus-Expedition“
dienen sollten. Aufgestellt waren die Chronometer in folgender Weise:
Knoblich 1839, Eppner 143, Tiede 380, Tiede 384, Tiede 392 und
Knoblich 1831 hatten ihren Platz in dem Beleuchtungsraum der hinteren Pulver-
kammer, wo sie in sehr guter Weise gegen plötzliche Temperaturschwankungen
geschützt waren.
Weniger gut standen in der Offizier-Messe im Zwischendeck die Chrono-
meter Nieberg 542, Tiede 357 und Eppner 165; endlich waren Tiede 385 und
Tiede 391 gleichfalls nicht besonders günstig, seitwärts von der Treppe, welche
vom Zwischendeck nach den Lasten hinunterführt, placirt, deshalb nicht be-
sonders gut, weil dieser Raum durch die durch die Luken herabkommenden
Luftströmungen ungleichmässiger Erwärmung und plötzlichen Temperaturschwan-
kungen ausgesetzt ist. Chronometer Tiede 380, 385 und 391 waren für den
Gebrauch der „Venus -Expedition“ an Bord. Die Chronometer wurden täglich
um ca, 9" Localzeit mit einander verglichen, abwechselnd von Capitainlieutenant
Jeschke und mir.
Von diesen Chronometern war nur Nieberg 542 einer längeren Unter-
suchung in K7el nicht unterworfen gewesen, es war aber bei zweien, nämlich
Tiede 357 und Eppner 165 kurz vor der Abreise die Compensation geändert
worden und es hatte die Zeit gefehlt dieselben wieder zu untersuchen. Diese
3 Chronometer müssen also bei den folgenden Untersuchungen unberücksichtigt
bleiben, ebenso wie das Chronometer Kppner 143, welches wie wir sehen werden,
bei der Prüfung in Kiel so grosse Unregelmässigkeiten zeigte, dass von vorn-
herein ein brauchbares Resultat nicht zu erwarten war. Es bleiben demnach
7 Chronometer deren Gänge wir im Folgenden näher diseutiren wollen.
Es ist schon in mehreren früheren Aufsätzen gezeigt worden (Hydro-
graphische Mittheilungen 1874 pag. 159, 171 und 183) dass das Ziel der in
neuerer Zeit, hauptsächlich in Frankreich und England in’s Leben gerufenen
Bohandlung der Chronometergänge darauf hinausläuft, durch Einführung zweck-
mässiger Näherungsformeln oder Construetionen die Einwirkung der bei jedem
Ühronometer zurückbleibenden Unvollkommenheiten der Compensation für Tem-
peratureinfluss auf den Gang, so wie die der Zeit folgende Aenderung derselben
in Rechnung zu bringen und so der durch diese Kinflüsse hervorgebrachten
Unsicherheit namentlich da ein Ende zu machen, oder sie wenigstens auf ein
Minimum herabzudrücken, wo die Chronometer zu genauen Längenbestimmungen
verwendet werden sollen, Unter den hierzu vorgeschlagenen Formeln verdient
die von Villarceau aufgestellte, welche die Glieder der zweiten Ordnung voll-
ständig berücksichtigt, die meiste Beachtung. Sie lautet:
1) g= go + a (t—T) +b (0—9) + (0—9)* +4 d(t—T)+ oT)
(@— I) oder zur Abkürzung der Bezeichnung = go -Hat‘--b@-Lc0? + dt?
+ ot @'.
Es bedeuten hierin g den Gang bei der Temperatur 4 und zur Zeit t,
go den Gang bei der Normaltemperatur © und zur Zeit T; die Coeffieienten
a, b, c, d, e sind die Constanten, welche die Einflüsse der Zeit und Temperatur
auf den Gang der Chronometer ausdrücken.
Die Untersuchung in Kiel erstreckte sich vom 3. März bis 16. Juni 1874,
und zwar war der tägliche Gang für jede Pentade innerhalb dieser Zeit bestimmt
worden. Zur Ableitung der Gangformeln wurde die Normalepoche. T' in die
Mitte der Untersuchungszeit, nämlich auf den 17. April verlegt und als Normal-
temperatur © — 15° C. angenommen und zugleich als Einheit der Zeit der Tag
betrachtet.
Da indess die Zeit nicht sehr lang war, so schien es von vornherein nicht
gerade aussichtsreich einen zuverlässigen Werth von d, dem mit dem Quadrate
der seit dem 17. April verflossenen Zeit multiplieirten Gliede zu erhalten, es
wurde deshalb dieses Glied fortgelassen und die Ableitung der 4 anderen
Coefficienten und der Constanten go allein vorgenommen.
ach der Methode der kleinsten Quadrate ergeben sich folgende Gang-
°ormeln: