Die Expedition S. M. S. „Gazelle“,
XIL?)
Hydrographische Beiträge für den westlichen Theil des süd-
lichen Stillen Oceanes.
Von Capt. z. See Freiherr von Schleinitz.
(Zweiter Theil. ?)
Die Insel Neu-Britannien,
Die orographischen Verhältnisse des nördlichen und östlichen Theiles der
Insel Neu-Britannien sind wesentlich verschieden von denjenigen Neu-Hannovers
und Neu-Irlands (s. diese Annalen 1876 pag. 357 und 361). Dieser Theil, d, h.
die Halbinsel, welche fast rechtwinklig nach Norden zu an die lange ost- und
westwärts gestreckte Insel angesetzt erscheint und den St. G'eorge-Kanal im
Westen begränzt, und die, nur in losem Zusammenhange mit dem übrigen Theile
Neu-Britanniens stehend und daher einer besonderen Bezeichnung bedürfend,
Gazelle-Halbinsel genannt wurde, ist ein welliges Hügelland, welches nach Nord-
sten, aus Tuffgestein bestehend, nicht höher als 100 bis 250 Met. ist und nach
West allmälig ansteigend, einen Gebirgszug mit dem mehrspitzigen hohen Berg
Studer in der Gegend des Cap Lambert (Nordwestspitze) besitzt, während 20
Seem, südlich des Cap Stephens (Nordostspitze) ein ziemlich isolirter flachkege-
liger Berg von ca. 500 Met. Höhe, der Mont Beautemps-Beaupre den. ungefähr
halb so hohen ihn umgebenden Hügelzügen entsteigt.
Vor der nordöstlichen Spitze dieses Hügellandes liegt nun eine schmale
:n südöstlicher Richtung verlaufende und 10 Seem. lange Halbinsel, die Krater-
Halbinsel, welche fast in einer geraden Linie dicht bei einander zwischen Cap
Stephens und Praed-Spitze drei durch ihre Höhe und regelmässige Kegelform
sehr auffallende Berge trägt: die „Mutter“ in der Mitte und zu jeder Seite eine
„Tochter“. Erstere ist 635 Met., die nordwestliche Tochter 576 Met., die süd-
östliche 474 Met. hoch.
Erst über 25 Meilen südlich des Cap Stephens beginnt in der Gegend des
Cap Palliser auf ungefähr‘ 4° 35‘ Süd-Br. auch die Ostküste der Halbinsel zu
sinem Gebirgsrücken anzusteigen, welcher an denjenigen von Neu-Hannover und
nen Theil desjenigen von Neu-Irland dadurch erinnert, dass er keine ausge-
prägten Kuppen besitzt. Weiter nach Westen hin wird dann die Insel ein voll-
kommenes Gebirgsland mit hohen Rücken und Kuppen.
Küsten und Baien. Wenn man sich von Nordwest der Gazelle-Halb-
insel nähert, wird man schon auf Entfernung von über 60 Seem. den Berg Studer
1) I. Hydr. Mitth. 1874 No. 17; II ibid. No. 22; III. ibid, No. 25 und 1875 No. 4; IV.
Annal. der Hydr. 1875 No. 7 und 8 (April); V. ibid. No. 19 und 20 (October); VI. ibid. No. 21 und
22 (November); VII. ibid. 1876 Heft I (Januar); VII. ibid. Heft II (Februar); IX. ibid. Heft IV
‚April); X. ibid, Heft VI (Juni); XI ibid. Heft IX (September).
2) Die erste der diesem Hefte beigegebenen zwei Karten bringt zunächst nach den Aufnahmen
S. M. S. „Gazelle“, Capitain zur See Freiherr v. Schleinitz, Skizzen der Inseln Neu- Hannover
8. Annalen der Hydr. ete. pag. 357), Neu-Irland (a. a. O. pag. 361) und Neu-Britannien (s. pag. 399)
im Maassstabe von 1:1,000,000, sodann Specialpläne vom Nordhafen (1: 75,000) und der SW-Küste
von Neu-Hannover (1: 150,000), nebst ihren Ankerbuchten, der Expeditions-Bucht und dem Wasser-
hafen (1:50.000, vgl. pag. 359), ferner der Katharinen- Bat (1:'75,000) mit dem Katharinen -Hafen
ınd des Holzhafens (1: 20,000) auf Neu-Irland (vgl. a, a. O. pag. 362 und 368), endlich der Blanche-
Bat (1: 75,000) auf Neu-Britannien (vgl. pag. 400).
Die zweite Karte enthält Ansichten von Neu-Hannover, Neu-Irland und Neu-Britannien,
deren nähere Beschreibung in den betreffenden Abschnitten dieser hydrographischen Beiträge etc. zu
inden ist, A. d. R.