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Das englische Leuchtfeuer-Verzeichniss von Westindien vom Jahre 1875
giebt in Uebereinstimmung hiermit für die geographische Lage des Südendes der
Stadt Pointe-4-Pitre, welche nördlich von der Insel ä Cochons liegt:
16° 14‘ 0“ Nord-Br.
61° 31‘ 40“ West-Lg.
Die magnetische Deklination in Europa und ihre säculare Aenderung.
Von den Elementen des Erdmagnetismus ist die Deklination von beson-
derem Interesse, da einerseits die Kenntniss derselben für die Schifffahrt von
grosser Wichtigkeit ist, andererseits die bedeutenden Veränderungen, welchen
die Deklination in viel beträchtlicherem Maasse beständig unterworfen ist, als die
Inklination und Intensität, eine unausgesetzte Aufmerksamkeit verlangen, In
den früheren Jahrgängen dieser Zeitschrift ist daher dieser Gegenstand schon
wiederholt einer Besprechung unterzogen und auf die Bedeutung desselben
immer wieder hingewiesen worden, Die Bestimmungsmethode der Deklination
scheint verhältnissmässig einfach, zumal in Ländern, welche mit einem zuver-
lässigen trigonometrischen Netze bedeckt sind, wie der grösste Theil von Europa,
so dass überall die Gelegenheit gegeben ist, aus den Coordinaten die Colli-
mation des Kreises abzuleiten; auch bedarf es zur Anstellung von Beobach-
jungen wenig kostspieliger und vergleichsweise einfach zu behandelnder Instru-
mente, Man sollte daher annehmen, dass es ein Leichtes sein müsse, die ge-
nauen Werthe der Deklination für Europa zu erfahren, die Veränderungen dieser
Werthe festzustellen und für einen beliebigen Zeitpunkt Karten zu construiren,
welche den Verlauf der Linien gleicher magnetischer Deklination auf der Erd.
oberfläche darstellen. Tritt man der Sache aber näher, so stellen sich nicht
wenige Hindernisse entgegen. Abgesehen davon, dass sich nicht selten erhebliche
Abweichungen finden, deren Ursache sich nicht ermitteln lässt, bietet das Beob-
achtungsmaterial viele Schwierigkeiten; oft fehlen Bestimmungen für unverhältniss-
mässig grosse Strecken, oft wieder sind widersprechende Werthe an einem Orte
zusammengehäuft. Gleichzeitige Beobachtungen an verschiedenen Orten sind sehr
spärlich und bei der Reduction der Deklination auf eine gemeinsame Epoche werden
neue Fehler unvermeidlich, kurz man erkennt, dass das gemeinsame System
fehlt, welches für Feststellung von Erscheinungen grosser räumlicher Ausdehnung
nothwendig ist. Besonders in Deutschland ist der Mangel einer systematischen
nagnetischen Vermessung sehr fühlbar. Während in England und Frankreich
ınd auch in letzter Zeit in Italien diesem Gegenstande mehr Aufmerksamkeit
zugewendet ist, besitzen wir in Deutschland seit der Zusammenstellung von
Lamont für das Jahr 1858 nur Beobachtungsresultate von vereinzelten Orten,
Bei der folgenden Untersuchung handelt es sich darum, die Deklinations-
Verhältnisse für die Mitte des Jahres 1876 im Bereiche der Ost- und Nordsee
annähernd festzustellen, also für einen Theil der Erdoberfläche, in welchem
directe Beobachtungen sehr spärlich vorhanden sind, und für eine Epoche, für
welche man die jährliche Abnahme der Deklination nicht mit Sicherheit angeben
kann. Es wurde daher nothwendig, den Verlauf der Isogonen für 1876 in der
Nachbarschaft dieser Gewässer festzustellen und hieraus in Combination mit dem
gemeinsamen Schnittpunkt am Pol und mit einigen vorhandenen Beobachtungsdaten
die Werthe der Deklination für die Ost- und Nordsee zu folgern. Als nächstes Er-
forderniss hierzu erschien es nothwendig, die säcularen Veränderungen einer Unter-
suchung zu unterwerfen. Es wurden zu diesem Zwecke die ermittelten Werthe von
Stationen, an welchen continuirliche Beobachtungen angestellt werden, zusammen-
getragen, in der Hoffnung, aus den Beobachtungen der letzten Jahre den zuver-
lässigsten Werth der jährlichen Abnahme der magnetischen Deklination festzustellen,
Folgende Tabelle enthält die aus dem Vergleich der Monatsmittel, wie sie
die bezüglichen Veröffentlichungen der Observatorien angeben, orhaltenen jähr-
lichen Abnahmen der westlichen Deklination,