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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 4 (1876)

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Homographische Nautik., 
Orts-Bestimmung vermittelst Höhen-Curven in der Karte. 
(Von Navigationslehrer Preuss zu Elsfleth.) 
T 
1) Die Methode von Capitain Sumner, den Schiffsort vermittelst des 
Durchschnittspunktes zweier projieirter Höhenparallele — Linien gleicher Höhen — 
zu finden, ist ohne Zweifel diejenige, welche die meiste Empfehlung verdient. 
Diese Methode macht es möglich, jede Höhe, wo auch immer beobachtet, sogleich 
zur Orts-Bestimmung zu verwerthen; dabei kann jeder Augenblick mit Erfolg 
nenutzt werden, in welchem der Zustand der Bewölkung es nur eben erlaubt, eine 
Gestirnhöhe zu messen, während alle übrigen Methoden nur bei hinreichend gutem 
Wetter und klarem Himmel—ganz abgesehen von besonderen kritischen Momenten, 
welche ihre Anwendung bedingt — ein zuverlässiges Resultat versprechen. Damit 
ist zugleich ausgesprochen, dass Sumner’s Methode einer unbegrenzten Wieder- 
holung fähig ist, welcher Umstand die Sicherheit der Resultate sehr erhöht, und, 
wenn wir noch bedenken, dass sie den Vorzug einer einfachen Rechnung be- 
sitzt, welche von jedem Seemann leicht ausgeführt werden kann, so ist es er- 
klärlich, dass Sir William Thomson gelegentlich eines Vortrages in Glasgow 
sagen konnte „that it would be the greatest blessing to young navigators and 
old, if every other method of ordinary navigation could be swept away and 
Sumner’s method, founded on curyves of equal altitude, substituted for them.“ !) 
2) Um ein Stück des projieirten Höhenparallels in der Karte — die so- 
genannte Standlinie des Schiffes — zu finden, benutzt man bekanntlich zwei 
benachbarte Breiten, zwischen welchen der genäherte Schiffsort liegt, und be- 
vechnet vermittelst der gewöhnlichen Stundenwinkelrechnung die Länge der- 
jenigen Punkte, in welchen die Standlinie die benutzten Breitenparallele schneidet. 
Jede Höhe giebt eine Standliuie und der Durchschnittspunkt zweier also den 
gesuchten Schiffsort; dabei hat ein Fehler im Chronometer keinen Einfluss auf 
die relative Lage der Standlinien und die Breite wird immer richtig, welches 
auch der Fehler in Länge sein mag. 
3) Die solcherweise erhaltenen Standlinien fallen um so mehr mit den 
Höhenparallelen resp. ihren Projeetionen innerhalb der angenommenen Breiten 
zusammen, je grösser einerseits der Radius des Parallels oder je kleiner die be- 
obachtete Höhe ist, und je weniger andererseits die angenommenen Breiten von 
einander verschieden sind. Dieselben stellen in der Mercatorschen Karte Seh- 
nen der Höhen-Curve dar. Um die Tangenten dieser Curve in den beiden 
Schnittpunkten mit den Breitenparallelen zu erhalten, bräucht man nur für diese 
Punkte noch das Azimut des beobachteten Gestirns zu berechnen und auf der 
Richtung zum Gestirn eine Senkrechte zu construiren, welche dann die gesuchte 
Tangente ist. Diese Tangente schneidet die Breitenparallele in der Karte unter 
3inem Winkel, welcher gleich dem Azimute des Gestirns ist. Je mehr 
ıun die Richtung der Tangente mit der Richtung der Sehne übereinkömmt, um 
3o näher wird der Schnittpunkt der Standlinien an dem Schnittpunkte der 
Höhen-Curven — dem eigentlichen Schiffsorte — liegen, d. h. um so zuver- 
lässiger wird das Resultat der Orts-Bestimmung werden. — MKEs folgt hieraus, 
lass man bei grossen Höhen den Schnittpunkt der Standlinien — genau ge- 
nommen — nicht ohne Weiteres als Schiffsort ansehen darf, dass man vielmehr 
noch eine kleine Correction anzubringen hat, wovon weiter unten noch die Rede 
sein soll. Ein einfaches Mittel, um zu untersuchen, ob die Höhen-Curve innerhalb 
der angenommenen Grenzen auf der Karte noch als gerade Linie verläuft, be- 
steht darin, ihren Schnittpunkt mit einem dazwischen liegenden Breitenparallel 
zu berechnen; die Lage von drei benachbarten Punkten derselben ist alsdann 
ür den Verlauf der Curve innerhalb des angenommenen Intervalls entscheidend. 
4) Die Berechnung der Lage der Schnittpunkte einer Höhen-Curve ver- 
mittelst gewöhnlicher Stundenwinkelrechnung, also nach Formeln, welche dem 
sphärisch-astronomischen Fundamental-Dreieck entnommen sind, hat entschieden 
1) Neuerdings hat Sir William Thomson in Tabellenform unter dem Titel: „Tables for 
“acilitating Sumner’s Method at Sea, London, Taylor and Francis, 1876.“ die Ergebnisse seiner Unter- 
‚suchungen über die leichtere Anwendung der Sumner’schen Methode veröffentlicht, (s. Nature, 1876, 
Aug. 24.) A. d. Rı
	        
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