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segeln sieht man dann den Gegenstand rechts im oberen Prisma sich von rechts
nach links, im unteren Prisma den Gegenstand links sich von links nach rechts
jewegen. In dem Augenblicke, in welchem die Bilder beider Gegenstände genau
iber einander sich befinden, ist man in Linie und nimmt die Peilung. KEs.ist
zweckmässig, das Prisma nahe dem Auge zu halten, um die Gegenstände deutlich
zu erkennen, doch so, dass die Ocularebene parallel dem Auge liegt, da bei
schräger Haltung des Prisma man leicht die Nebenbilder sieht. Man wird die-
3elben indess leicht von den Hauptbildern durch leichte horizontale Drehung
des Kreuzes unterscheiden können.
Die Anwendung eines kleinen Fernrohrs, wie man es bei Vermessungen
mit Vortheil brauchen kann, ist bei diesen Beobachtungen unnöthig, da einer-
seits im Prisma eine totale Reflektion stattfindet, die Helligkeit der Bilder also
nicht geschwächt wird, andererseits bei der Compasspeilung mit einem gewöhn-
lichen Azimutcompass, den man in der Regel gebrauchen wird, ebenfalls kein
Fernrohr angewendet werden kann. Das Fernrohr hat überdies noch den Nach-
theil, dass man durch das kleinere Gesichtsfeld sich schwerer orientiren kann, kein
umfassendes Bild der umliegenden Landschaft bekommt, und dadurch leicht den
Zeitpunkt der Deckung der beiden Bilder verfehlen würde.
Je weiter die beiden Gegenstände, oder wenigstens einer derselben vom
Schiffe entfernt sind, um so genauer wird das Resultat durch Peilung des ent-
fernteren Objectes, da sich dann die Peilung nur langsam ändert und man auch
kurze Zeit vor und nach Passirung der Linie mehrere Beobachtungen machen
zann. Bei Gegenständen, die 8—10 Seemeilen und weiter entfernt sind, ist es
lann auch möglich, die Deviation auf mehreren Kursen zu bestimmen, wenn
man kurze Zeit vor und nach dem Durchschneiden der Verbindungslinie ver-
schiedene Kurse nacheinander steuern lässt.
Bei einem so langen Reviere wie die Elbe ist es möglich‘ bei einiger-
massen sichtigem Wetter, ausgehend die Deviation auf fast allen Kursen
zwischen NNE und WSW durch West, einkommend auf allen Kursen zwischen
SSW und ENE durch Ost zu bestimmen, ohne dass dadurch dem Schiffe auch
nur eine Minute Aufenthalt erwächst. Wie wichtig solche Bestimmungen be-
zonders im Winter, wo man’ nur selten Sonnenazimute bekommen kann, für die
Navigirung der eisernen Schiffe sind, braucht wohl nicht näher erörtert zu
werden, und dürfte daher die Einführung dieses kleinen handlichen und verhältniss-
mässig billigen Instrumentes besonders auf den grösseren Dampfern?!) die so
nothwendigen Derviationsbestimmungen wesentlich erleichtern,
Zur eventuellen Benutzung folgen nachstehend die gegenseitigen mag-
netischen Azimute solcher Punkte an der Unterelbe und Unterweser, die für
diese Peilungen zu verwerthen sind. Es ist dabei immer die Peilung des ent-
fernteren Ortes angegeben. Die Declination ist für Hamburg Mitte Juli 1876
zu 13° 52‘ West und für Bremerhaven zu 14° 48‘ West angenommen worden.
A, Peilungen an der Unterelbe.
l. Peilungen einander gegenüberliegender Orte.
Nienstedten, Neuenfelde peilt S 45.8° W.
Borstel, Borstel „ SS 205° W.
Jork, Jork „ 8 2539 W.
Steinkirchen, Wedel „ N 800° E.
Twielenfleth, Wedel „ S63° E.
Haselau, Haselau „ N 694° 8.
1. Linie Neuenfelde
2. „ Wedel
3. „ Wedel
4. „ Wedel
D. „Wedel
6. „ Stade
1) Es wird auf den Dampfern häufig Zur Deviationsbestimmung vor dem in See gehen die Me-
‘hode angewendet, dass der Lootse die magnetischen Kurse angiebt, die im Fahrwasser zu steuern
sind; die Vergleichungen mit dem Compass geben dann die Fehler, Doch ist dies ausserordentlich
ungenan und unsicher, da, selbst vorausgesetzt dass die Lootsen die Kurse genau kennen, was nicht
immer der Fall ist, für das Schiff, wenn es sich nicht genau in der Mitte des Fahrwassers befindet,
lieser Kurs nicht immer stimmt und überhaupt über Ebbe oder Fluth die Kurse an vielen Stellen
etwas verschieden sind