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Ueber die Anwendung des Prismenkreuzes von Bauernfeind bei
Bestimmung der Deviationen der Compasse an Bord eiserner Schiffe,
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte).
Die Nothwendigkeit, die Compasse an Bord eiserner Schiffe unter be-
ständiger Controlle zu halten und die Deviationen derselben so oft sich irgend
ine Gelegenheit darbietet, namentlich auf gewissen Kursen, von neuem zu be-
stimmen, um über etwaige Aenderungen jederzeit unterrichtet zu sein, ist all-
zeitig anerkannt. Ganz besonders sind neue Bestimmungen nöthig, wenn das
Schiff längere Zeit im Hafen gelegen hat und mit anderer, vielleicht eisen-
haltiger Ladung wieder in See gehen soll; es wird dann eine abermalige Prüfung
der letzten Deviationstabelle durch Azimute und Peilungen fast zu einem ab-
soluten Erforderniss, wenn die Sicherheit der Navigirung des Schiffes nicht ge-
’ahrdet werden soll. Das Schiff aber jedesmal an den dazu bestimmten Plätzen
Jer weitläufigen Procedur des vollständigen Schwaiens zu unterwerfen, würde
ainerseits zu zeitraubend, andererseits aber auch nicht zu jeder Zeit ausführbar
zein. Es genügt auch in den meisten Fällen, ausser nach einer grösseren Re-
paratur, vorausgesetzt dass die Compasse auf den früheren Reisen regelrecht
beobachtet wurden und die Aufstellung eine correete ist, die Deviationen auf
3inigen Hauptkursen von Neuem zu prüfen und zu bestimmen. Aber auch selbst
hierzu fehlt es häufig an Gelegenheit und Sonnenazimute sind namentlich in
unseren hohen Breiten im Winterhalbjahr nicht allzu oft zu bekommen, Man
ist deshalb auch immer auf Mittel bedacht gewesen durch Landpeilungen, be-
sonders durch sogenannte Deckpeilungen zweier Gegenstände, deren gegen-
zeitige Richtung von einander bekannt ist, diesem Uebelstande abzuhelfen.
Aber gute Deckpeilungen sind selbst in langen Revieren wie die Elbe, auch
nur verhältnissmässig selten und man muss daher suchen, die Landpeilungen
auf irgend eine Weise zu vermehren und dadurch die Chancen der Beobachtung
zu vergrössern. Es kommt sehr häufig vor, dass man sowohl in Flüssen, als
auch in grösseren Buchten und Meeresstrassen zwischen scharf markirten Go-
yenständen hindurchfährt, deren Lage und Peilung von einander genau bekannt
ist. Wenn man also nur den Zeitpunkt bestimmen könnte, wann man durch
lie Verbindungslinie der beiden Gegenstände segelt, so würde man unmittelbar
durch Vergleichung der Compasspeilung des einen Objectes mit dem bekannten
magnetischen Azimut der Verbindungslinie beider sofort die Deviation des Com-
passes für den Kurs, den das Schiff grade anliegt, erhalten.
Hierzu bietet nun das Prismenkreuz von Bauernfeind!) ein ebenso ein-
faches als bequem und leicht anzuwendendes Mittel. Dieses Instrument besteht
aus 2 in der Weise über einander liegenden rechtwinkligen Prismen mit gleich
langen Katheten, dass die reflectirenden Hypothenusenflächen sich unter einem
rechten Winkel kreuzen. Die den Gegenständen zugekehrten einander gegen-
überliegenden Kathetenflächen stehen also parallel, während die dem Auge zu-
zuwendenden Flächen an derselben Seite unmittelbar über einander liegen,
Durch diese Anordnung sieht man durch die Ocularebenen Bilder von Gegen-
ständen, die zu beiden Seiten des Beobachters einander gegenüber liegen.
Der Gebrauch des Kreuzes für Deviationsbestimmungen ist ein sehr ein-
facher: Man stellt sich an einem Punkte des Decks in der Nähe des Compasses
so auf, dass man die beiden Objecte, durch deren Verbindungslinie man in der
nächsten Zeit hindurchsegelt, sowie die umgebende Landschaft gut sehen kann,
ınd zwar das eine möglichst genau zur Rechten, das andere zur Linken. Hält
man dann das Prismenkreuz mit dem Griff in vertikaler Richtung so, dass die
beiden Ocularebenen gegen das Auge, und die beiden Objectivebenen gegen die
beiden Gegenstände gerichtet sind, so sieht man oben das Spiegelbild der
Landschaft rechts und unten das Spiegelbild der Landschaft links. Beim Weiter-
1) Die vollständige "Theorie dieses Instrumentes, sowie eine Gebrauchsanweisung für Zwecke
ler Landesvermessung ist ausführlich in Bauernfeind Vermessungskunde Band I, Seite 168 u. s. w.
vegeben.