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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 4 (1876)

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Ueber die Anwendung des Prismenkreuzes von Bauernfeind bei 
Bestimmung der Deviationen der Compasse an Bord eiserner Schiffe, 
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte). 
Die Nothwendigkeit, die Compasse an Bord eiserner Schiffe unter be- 
ständiger Controlle zu halten und die Deviationen derselben so oft sich irgend 
ine Gelegenheit darbietet, namentlich auf gewissen Kursen, von neuem zu be- 
stimmen, um über etwaige Aenderungen jederzeit unterrichtet zu sein, ist all- 
zeitig anerkannt. Ganz besonders sind neue Bestimmungen nöthig, wenn das 
Schiff längere Zeit im Hafen gelegen hat und mit anderer, vielleicht eisen- 
haltiger Ladung wieder in See gehen soll; es wird dann eine abermalige Prüfung 
der letzten Deviationstabelle durch Azimute und Peilungen fast zu einem ab- 
soluten Erforderniss, wenn die Sicherheit der Navigirung des Schiffes nicht ge- 
’ahrdet werden soll. Das Schiff aber jedesmal an den dazu bestimmten Plätzen 
Jer weitläufigen Procedur des vollständigen Schwaiens zu unterwerfen, würde 
ainerseits zu zeitraubend, andererseits aber auch nicht zu jeder Zeit ausführbar 
zein. Es genügt auch in den meisten Fällen, ausser nach einer grösseren Re- 
paratur, vorausgesetzt dass die Compasse auf den früheren Reisen regelrecht 
beobachtet wurden und die Aufstellung eine correete ist, die Deviationen auf 
3inigen Hauptkursen von Neuem zu prüfen und zu bestimmen. Aber auch selbst 
hierzu fehlt es häufig an Gelegenheit und Sonnenazimute sind namentlich in 
unseren hohen Breiten im Winterhalbjahr nicht allzu oft zu bekommen, Man 
ist deshalb auch immer auf Mittel bedacht gewesen durch Landpeilungen, be- 
sonders durch sogenannte Deckpeilungen zweier Gegenstände, deren gegen- 
zeitige Richtung von einander bekannt ist, diesem Uebelstande abzuhelfen. 
Aber gute Deckpeilungen sind selbst in langen Revieren wie die Elbe, auch 
nur verhältnissmässig selten und man muss daher suchen, die Landpeilungen 
auf irgend eine Weise zu vermehren und dadurch die Chancen der Beobachtung 
zu vergrössern. Es kommt sehr häufig vor, dass man sowohl in Flüssen, als 
auch in grösseren Buchten und Meeresstrassen zwischen scharf markirten Go- 
yenständen hindurchfährt, deren Lage und Peilung von einander genau bekannt 
ist. Wenn man also nur den Zeitpunkt bestimmen könnte, wann man durch 
lie Verbindungslinie der beiden Gegenstände segelt, so würde man unmittelbar 
durch Vergleichung der Compasspeilung des einen Objectes mit dem bekannten 
magnetischen Azimut der Verbindungslinie beider sofort die Deviation des Com- 
passes für den Kurs, den das Schiff grade anliegt, erhalten. 
Hierzu bietet nun das Prismenkreuz von Bauernfeind!) ein ebenso ein- 
faches als bequem und leicht anzuwendendes Mittel. Dieses Instrument besteht 
aus 2 in der Weise über einander liegenden rechtwinkligen Prismen mit gleich 
langen Katheten, dass die reflectirenden Hypothenusenflächen sich unter einem 
rechten Winkel kreuzen. Die den Gegenständen zugekehrten einander gegen- 
überliegenden Kathetenflächen stehen also parallel, während die dem Auge zu- 
zuwendenden Flächen an derselben Seite unmittelbar über einander liegen, 
Durch diese Anordnung sieht man durch die Ocularebenen Bilder von Gegen- 
ständen, die zu beiden Seiten des Beobachters einander gegenüber liegen. 
Der Gebrauch des Kreuzes für Deviationsbestimmungen ist ein sehr ein- 
facher: Man stellt sich an einem Punkte des Decks in der Nähe des Compasses 
so auf, dass man die beiden Objecte, durch deren Verbindungslinie man in der 
nächsten Zeit hindurchsegelt, sowie die umgebende Landschaft gut sehen kann, 
ınd zwar das eine möglichst genau zur Rechten, das andere zur Linken. Hält 
man dann das Prismenkreuz mit dem Griff in vertikaler Richtung so, dass die 
beiden Ocularebenen gegen das Auge, und die beiden Objectivebenen gegen die 
beiden Gegenstände gerichtet sind, so sieht man oben das Spiegelbild der 
Landschaft rechts und unten das Spiegelbild der Landschaft links. Beim Weiter- 
1) Die vollständige "Theorie dieses Instrumentes, sowie eine Gebrauchsanweisung für Zwecke 
ler Landesvermessung ist ausführlich in Bauernfeind Vermessungskunde Band I, Seite 168 u. s. w. 
vegeben.
	        
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