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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 4 (1876)

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treffenden Gebietes zu den Gebieten des hohen Luftdrucks an den Polargrenzen 
der beiden Passate her. ; 
Das Gebiet des niedrigsten Luftdruckes ist im Allgemeinen nahe bei 
Afrika; im Oktober aber durchzieht es fast das ganze Beobachtungsfeld, während 
im November und Dezember es an der westlichen Seite desselben auftritt. 
Der Gradient d, h. der Betrag der barometrischen Differenz über eine 
bestimmte Entfernung hin), ist bei dem NE-Passat häufig steiler, als bei dem 
SE-Passat, bei gleich grosser Stärke desselben. Dieses scheint darauf hin- 
zudeuten, dass in demjenigen Theile des SE-Passats, welcher hier in Betracht 
kommt, lediglich nur eine. horizontale Bewegung der Luft stattfindet, während 
in dem nördlichen Theile des NE-Passates (und wahrscheinlich auch in dem 
Gebiete der NW-Winde, welche den Gebieten des niederen Luftdruckes auf 
den britischen Inseln folgen) ein abwärts sich bewegender Luftstrom mit einem 
40rizontal sich bewegenden verbindet. 
Die Windrichtung scheint im Allgemeinen dem Gesetze von Buys Ballot 
zu folgen und nach der Region des niedrigsten Druckes in den Doldrums sich 
ainzuwenden; zuweilen scheint sie aber aych von diesem Gesetze abzuweichen,?) 
Wind. Der NE-Passat scheint zuweilen sich rund um die betreffenden 
Küsten des afrikanischen Continents herumzuziehen, wie das Wasser um eine 
Klippe; auch die östlich setzenden Strömungen zeigen eine ähnliche Bewegung. 
Der Passat ist am schwächsten in demjenigen '"Fheile des Meeres, wo die 
Differenzen der Temperaturen der Luft und des Wassers am grössten sind, ent- 
gegen der Theorie einiger Meteorologen. Zuweilen, wie im September und 
Oktober, weht er sogar von der heisseren nach der kälteren Luft hin. 
Beide Passate sind während der Nacht öfters mehr östlich und schwächer 
als während des Tages. Ferner ist die Thatsache bemerkenswerth, dass im 
Dezember der NE-Passat westlich von den Cap Verde’schen Inseln als Ostwind 
weht, während er östlich von diesen von NNE herkommt. Auch hät sich her- 
ausgestellt, dass während des Winters auf der südlichen Halbkugel Wind und 
Wetter nahe bei Cap St. Roque weit unbeständiger sind, als weiter östlich im 
Ocean unter denselben Breiten.®) 
In denjenigen Theilen des Atlantischen Oceans, wo einige der west- 
indischen Orkane entstehen, findet man nordöstliche und südwestliche Winde 
zusammenstossend, ihre Bahn geht südwärts von einem permanenten Gebiete 
hohen Luftdruckes. Dieser Ursprung der Orkane zwischen zwei entgegengesetzt 
yehenden Winden stimmt mit den Untersuchungen von Meldrum über die 
Orkane bei Mauritius und von Willson über die des Moerbusens von Ben- 
yalen überein. *) 
Temperatur und Strömungen. Von Januar bis Juni inel. ist in dem nord- 
östlichen Theile des ganzen Gebietes die niedrigste Temperatur der Luft und 
des Wassers zu finden; diese scheint mit der kalten Strömung in Verbindung 
zu stehen, welche längs der Küste vom nördlichen West-Afrika nach Süden 
"olgt; diese Strömung ist wahrscheinlich das Ergebniss der in dem nördlichen Atlan- 
äschen Ocean kräftig wehenden Westwinde, welche während unseres Winters 
1) In der im April 1876 zu London stattgefundenen Versammlung des vom ersten inter- 
nationalen Meteorologischen Congress zu Wien eingesetzten Permanenten Comit@s ist folgende De- 
finition des Gradient festgestellt: „Unter Gradient versteht man den Winkel zwischen den Linien 
des barometrischen Druckes, ausgedrückt durch die Barometerstände an zwei Orten, und der Linie 
der Krümmung der Erde, Als Einheit des Gradient ist die barometrische Differenz von 11mm. auf 
60 Seem, (1°) festgesetzt. Der Gradient ist immer von derjenigen Station an zu rechnen, wo der 
höchste Luftdruck stattfindet,“ A. d. Rı 
2) Im August z. B. ist der NE-Passat schwächer und mehr nördlich gerichtet, in einigen 
Fällen in der Nähe von Afrika sogar nordwestlich; seine Stärke hat seit Juli nachgelassen und er 
selbst ist 2° weiter nach Nord gerückt und hat seine nördlichste Grenze im Jahre erreicht, 
3) Die noch nicht veröffentlichten, aber schon im Druck befindlichen „Charts of Meteoro- 
logical Data for the Nine Ten-degree Squares of the Atlantic etc.“ (Official No, 27) werden hierüber 
werthvolle Aufschlüsse bringen, wie auch überhaupt über die einzelnen Vorkommnisse in jedem dieser 
9 Zehngradfelder, besonders aber über denjenigen Theil, wo die beiden Passate zusammentreffen und 
über den atmosphärischen Wirbel, welcher. den südwestlichen Theil von Nord-Afrika umgiebt; an der 
Nordgrenze der Region des SE-Passates wird er in diesen als ein leichter SW-Wind hineingezogen, 
während er die Südgrenze des NE-Passates als ein NW- Wind trifft. Das Ergebniss ihres Zusammen- 
;reffens ist eine grosse atmosphärische Störung, und es tritt alsdann schneller Wechsel von klarer Luft, 
N indstillen, Böen, Regen, Gewittern, äusserst starken Blitzen, romben etc, ein. A. d. R, 
1) S. Annalen d. Hydrogr. 1876 pas. 155—157
	        
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