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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 4 (1876)

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leicht nahezu in Ruhe ist. Es werden dies nicht überall Schichten derselben 
Temperatur sein, so weit sich die Sachlage aber gegenwärtig übersehen lässt, 
liegt die Grenze durchschnittlich bei 4° bis 6° C. 
Hat man hierüber entschieden, so wird man vielleicht in der Lage sein, 
festzustellen, wo das Bodenwasser herkommt, ob nur aus kalten Meeren oder aus den 
Polarmeeren, denn dass es durchweg aus den letzteren kommt, lässt sich zur Zeit 
noch keineswegs mit Sicherheit behaupten; wahrscheinlich kommt es aus beiden. 
Eines indess ergiebt das vorliegende Diagramm, wie alle früheren oceani- 
schen Beobachtungen 5. M. 8. „Gazelle“, wiederum mit Sicherheit, nämlich dass die 
oceanische Wasserbewegung sich in erster Reihe nach den physikalischen Grund- 
sätzen des Ausgleiches des durch verschiedene Temperatur, verschiedene Ver- 
lunstung und verschiedene Mengen von Niederschlägen gestörten Gleichgewichtes 
von Flüssigkeiten vollzieht, und dass die Winde ebenso wie die Ungleichheiten des 
Meeresbodens und die Unterbrechung der Oceane durch Landmassen dabei erst in 
zweiter Reihe stehen, indem sie locale Strömungen und Ablenkungen verursachen. 
An dieser Stelle mag eine bisher noch nicht hervorgehobene Kr- 
scheinung berührt werden, dass nämlich dieses weniger salzige Wasser eine 
mikroskopische Alge in grosser Menge enthält, so dass man annehmen möchte, 
sie trete mit dem Bodenwasser zu Tage und gehöre ihm an. Sie wurde zuerst 
im Bereiche der Guinea-Strömung vor 1'!/a Jahren vorgefunden und damals dem 
Einflusse des Flusswassers zugeschrieben, später in der entsprechenden Strömung 
“tropischer Gegenstrom) des Stillen Oceans und jetzt wieder im Gegenstrom des 
Atlantischen Oceans bis auf 400 Faden (732 Met.) Tiefe. Indess kann nicht mit 
Sicherheit behauptet werden, dass sie nicht auch in salzhaltigerem Wasser existirt, 
da nur selten ein so feines Netz angewendet worden ist, wie das zum Fischen 
dieser Algen erforderliche. Dem Ermangeln eines solchen war es wenigstens 
zuzuschreiben, dass lebende Foraminiferen, Globigerinen und andere bisher nur 
vom Boden des Meeres abgestorben heraufgebrachte und nur als abgestorben 
gekannte mikroskopische "l’hiere erst im letzteren Theile der Reise mit einem 
feinen, dafür besonders hergestellten Netze aus den verschiedensten "Tiefen in 
Mengen gefischt worden sind, 
9. Es bedarf hier noch einer Bemerkung über die Bodentemperaturen, 
Diejenigen bei Beobachtung V und VI lassen erkennen, dass der kälteste Theil 
des antarktischen Stromes hier seinen Weg nimmt; es scheint also hier, d, h. 
wahrscheinlich zwischen 25° und 14° West-Lg., die Fortsetzung des bei Beobach- 
‚ung II auf 42° Süd-Br. gefundenen kalten Stromes zu liegen, welchem der directe 
Weg nach dem Aequator durch andere Bodenerhöhungen versperrt ist. .Es muss 
dabei erwähnt werden, dass I.Br.M.S. „Challenger“ diesen kalten, in der Gegend 
der Insel.Fernando de Noronha gefundenen Stromauf der Reise nach Zristan da Cunha 
verloren hatte. Der kälteste Theil des Bodenwassers des südlichen und nördlichen 
Atlantischen Oceans scheint also seinen Weg in einem Bogen von ca. 42° West-Lg. 
über ca. 20° Länge in nordwestlicher Richtung nach dem Aequator zu nehmen und 
vei der Insel Fernando de Noronha vorbei in den nordatlantischen Ocean zu strömen. 
10. Bei Beobachtung VIII und IX beginnt die grosse äquatoriale Boden- 
arhebung, welche bereits auf der Ausreise S.M.S. „Gazelle“ weiter östlich einige 
Male angelothet wurde und die untersten Theile des ganzen östlichen nord- 
atlantischen Oceans von denen des südatlantischen zu trennen scheint, sich von 
der Insel Ascension bis St. Pauls-Rocks mit ungleichmässigen Tiefen und stellen- 
weise wahrscheinlich als ganz schmaler Rücken erstreckend. Es ist möglich, 
dass sie nicht ganz fortlaufend ist, sondern aus einer Kette von Einzelerhebungen 
gesteht, indess lässt ein Vergleich der nördlich und südlich der Bank genom- 
menen Reihentemperaturen annehmen, dass hier keine Communication in grösse- 
ren Tiefen als 1800 Faden (3292 Met.) stattfindet. 
11. Es werden hiermit die vorläufigen directen Schlussfolgerungen aus 
den oceanischen Beobachtungen S. M. S. „Gazelle“ bei ihrer Reise um die Erde 
abgeschlossen. Von weiterem grossem Interesse werden die Vergleiche 
ainerseits der Beobachtungen dieses Schiffes mit denjenigen I. Br. M. 8. „Chal- 
'enger“, welche sich gegenseitig in vieler Beziehung ergänzen, andererseits aller 
in den verschiedenen Oceanen genommenen Beobachtungen unter sich sein, 
wofür indess genaue Vergleiche der gebrauchten Thermometer und andere Vor- 
arbeiten erforderlich sind.
	        
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