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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 4 (1876)

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Ebbe und Fluth. Die Beobachtungen von Ebbe und Fluth, welche von 
Carteret in dom nach ihm benannten Hafen angestellt worden sind, haben zu 
keinem Resultat geführt, indem nach seiner Angabe es nur einmal in 24 Stunden 
Hochwasser und zwar um 3 oder 4 Uhr Nachmittags und einmal Niedrigwasser 
um 6 Uhr Morgens war. Carteret scheint mithin angenommen zu haben, dass 
kein Zeitwechsel gemäss der Mondsmeridianpassage stattfände. . Die von S. M. 8. 
„Gazelle“ gemachten genauen Pegelbeobachtungen erstrecken sich wegen kurzen 
Aufenthalts nur auf 2'/2 Tage und constatiren wegen dieser kurzen Zeit und 
weil die höchsten Wasserstände über eine Stunde anhielten, nicht mit völliger 
Sicherheit diesen Zeitwechsel. Dass er aber existirt folgt schon daraus, dass 
keineswegs zu den von Uarteret angegebenen Zeiten das Hoch- und Niedrig- 
wasser stattfand, der höchste Wasserstand vielmehr zwischen 6 und 7 Uhr Nach- 
mittags, der niedrigste zwischen 11 und 12 Uhr eintrat. Die nach den Beo- 
bachtungen construirten und ziemlich regelmässigen Curven ergaben ferner mit 
Sicherheit, dass in 24 Stunden stets eine hohe Fluth von O.s bis 0.6 Met. über 
dem Stande des niedrigsten Wassers und eine niedrigere von 0.4 Met. eintritt 
und dass diesen Fluthen eine niedrige und eine weniger niedrige Ebbe ent- 
spricht. Der Unterschied zwischen beiden Ebben beträgt ca. 0.3 Met. Die Be- 
obachtungen wurden 2'/2 bis 5 Tage nach dem Vollmonde gemacht, so dass bei 
Springfluth die Höhen-Differenzen wahrscheinlich unbedeutend grösser sind. 
Die ungefähre Hafenzeit ist für die hohen Fluthen 16h 47min, für die 
ıedrigen Fluthen dagegen 2% 20min.!) 
2. Oceanische Beobachtungen an Bord S. M. S. „Gazelle“ in der 
Magellan-Strasse und im Südatlantischen Ocean. 
Von Capt. z. See Freiherr von Schleinitz.?) ; 
(Mit einem Diagramm und einer Kurskarte.) 
I. Magellan-Strasse. 
In der Magellan-Strasse sind drei Reihentemperaturen genommen worden 
und zwar die ersten beiden im westlichen Theile vor Zwesday-Bay und im Sea 
Reach, die dritte im östlichen Theile bei Punta-Arenas. 
Sie ergaben die folgenden Resultate: 
T'rempe-| "auf 17.°5 reduc, 
rat. C°. | specifsch. Gewicht 
No. 1 Oberfläche | 95 2 02828 
No. 2 Zr 98 1.022838 
No. 3 - 8,83 1.023850 
K 
) ana 
DE 
Tempe 
rat. C°, 
auf 50 Faden (91 Met.)| 8,72 
| am Grunde 
© "auf42Faden(77Met.)| 8.6 
auf 50 Faden (91 Met.)| 7.61 
zuf 20 Faden 
(87 Met.) | 
7.78 
Tempe-| 
rat. C°, 
am Grunde auf 108 8.61 
Fad. (198 Met.) 
am Grunde auf 84 ! 
Fad. (154 Met.) 
741 
Zu bestimmten Schlüssen in Bezug auf den Modus des Austausches der 
Gowässer beider Oceane durch die Strasse hindurch, sind die Beobachtungen 
wenig geeignet, weil.die Temperaturen in der ganzen Strasse und in den 
verschiedenen Tiefen zu wenig von einander differiren und deshalb, wie zu Folge 
der verhältnissmässig geringen Tiefe nur 3 bis 4 Temperaturen bei jeder Beob- 
achtung gemessen wurden, während auch die specifischen Gewichte von nur 
bedingtem Werthe sind, da sie zu sehr durch den grossen Regenfall, der hier 
Jeständig stattfindet, beeinflusst werden, ; 
Die Strömung in der Strasse ist auch für die wichtige Frage des Aus- 
tausches beider Oceane ziemlich irrelevant, weil für diesen Austausch nicht die 
1) Es ist vorher angegeben worden, dass in dem Nordhafen von Neu-Hannover und in dem 
Holzhafen von Neu-Irland nur eine Fluth in 24 Stunden stattfindet, wie dies bisher fälschlicher Weise 
auch vom (arteret-Hafen angenommen wurde, Die Curve im Nordhafen giebt keinerlei Andeutung 
einer zweiten Fluth., Bei der Curve vom //olzhafen ist dagegen 6 bis 7 Stunden vor Hochwasser, 
also ungefähr in der Mitte der langsam laufenden Fluth eine Anschwellung zu bemerken, der ein kur- 
zer Stillstand im Steigen folgt. Diese Anschwellung ist in gleicher Weise im Greethafen (Neu-Britan- 
len) vorhanden und steigert sich im (arteret-Hafen zu einem deutlich erkennbaren ‚aber niederen 
Hochwasser, indem ihm ein kurzes Sinken des Wasserspiegels und darauf erst das Emporsteigen zu 
lem höheren Hochwasser folgt. 
2 Eingesendet an die Kaiserliche Admiralität, d. d. Kiel, 4. Mai 1876,
	        
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