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verleihend. Auf den Hügeln, durch die dichte Vegetation verborgen, liegen
Dörfer, die sich nur Abends durch ein gelegentliches Feuer dem Auge ver-
rathen. Die hier befindlichen Buchten können als Ankerplätze nicht empfohlen
werden, weil der Raum zwischen den Riffen zu beschränkt ist!), dagegen findet
man einen, wonn auch kleinen, doch sicheren Hafen, der Holzhafen, mehr in der
Mitte der Bai, wo die Hügel zurücktreten und die Küste sich wieder zum
vollkommenen Korallenlande abflacht.
Der Holzhafen, Dieser auf 2° 47‘, Süd-Br, und 150° 57‘.;Ost-Lg. gelegene
Hafen hat eine Tiefe von 4 Kblg. (in nördlicher Richtung) und eine Breite von
2 Kblg., während Korallenriffe den Eingang auf 1 Kblg. verengern. Man halte mit
nördlichem Kurse mitten zwischen die beiden sichtbaren Eingangsriffe und ankere,
gleich nachdem man sie passirt hat, auf 37.7 Met. Wasser, etwas näher den Ein-
zangsriffen als dem Boden, da die letzten 2 Kblg. der kleinen Bucht mit Mudd aus-
gefüllt sind und nur eine von 18,8 Met. rasch auf 7.5 Met. und weniger abnehmende
Tiefe besitzen. Da der Kingang sehr schmal ist, muss man beim Einlaufen auf
seitlichen Strom achten, der beim Einsegeln der „Gazelle“ stark auf das west-
liche Eingangsriff zusetzte, so dass hart am östlichen Riffe eingelaufen wurde,
Der Hafen ist durch die Korallenriffe und die gegenüber gelegene Sandwich-
Insel bis auf einen knappen Strich zwischen SE und SEzS (mw.) geschlossen,
Im Boden des Hafens mündet ein Mangrovekreek, der kein brauchbares
Wasser liefert. Dagegen findet man hier sehr gutes Brennholz von abgestorbe-
nen Mangrove-Bäumen, dessen Einnahme an der Ostseite nicht schwierig ist,
weil das Küstenriff dort nur geringe Breite hat. Vom Hafen peilt der bereits
erwähnte Berg Bendemann auf Sandwich-Island SW 'Y2S mw., was das Auffinden
erleichtern wird, Auf den Hafen mit nördlichem Kurse zulaufend, wird man
einen Hügel voraus und den Berg Dietert, von welchem nordöstlich ganz nahe
3in ihm ähnlicher zweiter Hügel liegt, und die in heller Felswand dort steil
abfallende Küste fast quer ab an Backbord haben.
Ebbe und Fluth. Die ungefähre Hafenzeit beträgt 2 Uhr 50 Minuten
und die Fluthhöhe über dem Kbbespiegel bei Neumond 1.06 Met. Es ist nur
einmal in 24 Stunden Hochwasser und einmal Niedrigwasser und zwar läuft
die Fluth ca. 14!/2, die Ebbe ca. 10 Stunden.
Ungefähr 4’/2 Seem. südöstlich vom Holzhafen in 151° 0‘ Ost-Lg. findet
man hinter der als Korallen-Kalkwand von ca. 10 Met. steil abfallenden Huck
Zeye, bei welcher das Küstenriff südlich ganz schmal ist und vor welchem in
Südost-Richtung ein paar Korallen-Felsblöcke liegen, einen anderen durch ein
östliches Riff gut geschützten Ankerplatz, den Dorfhafen, indem zwischen beiden
Riffen, nämlich zwischen dem von jener Huck in Südost-Richtung erstrecken-
den, auf dem die erwähnten Felsblöcke liegen, und dem aus der grossen hier
befindlichen Bai südwärts hinausstreckenden, 65.9 bis 18.8 Met. Wassertiefe sind.
Der Raum. zwischen beiden Riffen ist indess so beschränkt, dass ein Vertäuen
empfohlen werden muss. Man ankere auf 45 bis 38 Met. Wasser. Hier er-
giesst sich über einen völlig rifffreien Sandstrand ein kleiner Bach, der ziem-
lich gutes Wasser hat, auch liegen Dörfer, sowohl im Dickicht der Landzunge
der Huck Zeye, wie auf einem 164 Met. hohen Hügel. Die Dörfer sind in
lieser Gegend, wie bereits erwähnt, verborgen und oft auf steilen Höhen an-
gelegt, und die Bewohner gebrauchen alle möglichen Listen, um den Fremden
vom Betreten ihrer Dörfer abzuhalten. Die Ursache hierfür ist jedenfalls in
der Feindschaft zwischen den einzelnen Stämmen zu suchen, Den Eingebornen
ist in dieser ganzen Gegend nicht zu trauen, verschiedentlich wurden hinter-
listige Speer-Angriffe auf Boote der „Gazelle“ gemacht und einzelne Personen
vedroht, auch wurden Anzeichen dafür gefunden, dass die Bewohner Kannibalen
sind. Ausser Fischen und allenfalls etwas Taro und Bananen ist nichts Ess-
dares einzutauschen. Auch Artikel, wie Waffen und dergleichen sind mangel-
1aft gearbeitet und der Culturzustand dieser auch körperlich hinter den Neu-
Hannoveranern zurückstehenden Leute ist ein niedriger, Bei ihren Tanzfesten
bedienen sie sich der sonderbarsten Masken, '"Thier- und Menschen-Köpfe dar-
?) An einer Stelle ca. 5 Seem. Östlich von Cap Dietert wurde eine von Riffen eingeengte
Bucht mit 15 bis 30 Met, Wasser gefunden, von der ein schmaler Arm in nordwestlicher Richtung
weiter führte. Letzterer konnte wegen Mangels an Zeit und in Folge Belästigung durch eine Unmasse
von Kanoes nicht weiter verfolgt werden