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Zu dieser Jahreszeit scheint der eigentliche SE-Passat gleich nach dem
Eintreten aus der Dampier-Strasse in den grossen Ocean aufzuhören, Um dem
Passat-Winde und Strome aber ganz zu entgehen, thut man gut, möglichst rasch
2° bis 3° Nord-Br. zu erreichen, da die nördliche Grenze des SE-Passats und
eines starken Passatstromes zwischen 2° Nord und 0° 30‘ Süd schwankend ge-
Funden wurde (auf 147!/2° Ost-Lg. war sie sogar auf 2° 30‘ Nord-Br.).
Will man nach irgend einer Insel im südlichen Stillen Ocean, so wird
man gut thun, je nach der Entfernung der Insel nördlich des Aequators noch
etwas mehr Ost zu machen, als ihre Länge beträgt, denn man kann nicht mit
Sicherheit darauf rechnen, im Südost-Passat und Strom mehr gut zu machen,
als etwa SSW (rw.), günstigen Falls SzW (rw.) Kurs. Während des südlichen
Winters in Lee des Bestimmungspunktes zu fallen, ist immer bedenklich, weil
nur ein guter Segler im Stande ist, gegen Passat und Strom aufzukreuzen.
‘Die vorherrschende Richtung des Passats im westlichen Theile des süd-
lichen Stillen Oceans ist ESE, indess springt. er doch öfter zwischen SSE und
ENE. Ein schlechter Segler, der in Lee seines Bestimmungsortes fällt, muss
daher versuchen, durch geschickte Benutzung dieses Springens des Windes sei-
nen Luv’ zu gewinnen, ;
__ Für ein solches nothwendig gewordenes Kreuzen ist noch zu bemerken, dass
in Lee grösserer Inseln der Passat-Strom zwar häufßg nur gering ist, dass indess,
wenn die Inseln hoch sind, der Passat dort ebenfalls oft so flau weht, dass
man durch Vermeidung des Stromes’ doch nur wenig gewinnt, .
Südlich und nördlich der Inseln pflegt der Passat-Strom eine vermehrte
Geschwindigkeit zu haben, die indess höchst selten 2 bis 2,5 Knoten über-
schreiten wird. Die durchschnittliche Stärke des Passat-Stromes ist %4 bis 1.5
Knoten.
Die Anachoreten- oder Anachoriten- und Comerson-Inseln. Die
Anachoreten -Gruppe'), deren Nordspitze auf 0° 53’ 15“ Süd-Br. und 145°
33‘ 4 Ost-Lg. bestimmt wurde, besteht aus drei grösseren flachen Inseln
and drei kleinen mit Palmen bestandenen Korallenfelsen resp. Korallen-Sand-
Aecken zwischen den grösseren Inseln. Sie erstrecken sich ungefähr von NNE nach
3SW, jedoch nicht in gerader Linie, sondern in einem nach West offenen flachen
Bogen. Das sie umgebende Riff bleibt an der Westseite nur. ein paar Kblg.
von der nördlichen, grössten Insel ab und drei bis viermal so weit von der
züdlichsten, wo indess nicht weit von einem der vorerwähnten kleinen Inselchen
ein Eingang für Boote zu sehen war. Die Lagune innerhalb des Riffes hat,
soweit man von aussen wahrnehmen kann, nur grünes Wasser, ist also wahr-
scheinlich überall seicht. Die Eingebornen durchwaten sie stellenweise von
Insel zu Insel. Unmittelbar, d. h. etwa 30 Met. vom Riffe sind an der Westseite
66 bis 75 Met. und eine Schiffslänge davon über 188 Met. Wassertiefe, so dass
ein Ankern unmöglich ist. Die Ostseite der Gruppe wurde nicht untersucht.
Die Inseln sind ganz und gar bewaldet, vorzugsweise mit Kokospalmen.
Die Bewohner gehören der braunen melanesischen Rasse an, tragen kurzes
Krauses Haar und die Männer lange Bärte; sie haben in Folge Verkehrs mit
Europäern insofern schon etwas Cultur angenommen, als sie nicht mehr völlig
ıackt gehen und grössere Kanoes mit Segeln besitzen. Im Anfange des Ver-
kehrs zeigten sie sich furchtsam und scheu, im Uebrigen scheinen sie aber
friedfertig zu sein, An Waffen wurden nur Speere ganz von Holz bei ihnen
bemerkt. Die Boote werden in grossen in der Lagune auf Pfählen gebauten
Bootshäusern aufbewahrt. Die Wohnhäuser stehen grossentheils hinter einer
Stranderhöhung zwischen den Bäumen, so dass man nur die halbrunden Dächer
von braunen Palmblättern sicht.
Die Comerson-Inseln (nicht eine Insel, wie in der Karte) bestehen
ans einer grösseren nicht vollkommen flachen Insel mit grossen Bäumen und
Palmen bestanden und einem kleinen, im NE davon gelegener Palmen -Inselchen.
Dio Mitte der grösseren Insel wurde auf 0° 44‘ Süd-Br. und 145° 18‘
Ost-Le. bestimmt.
+ Annal. ete. 1876 pası 8.