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und setzten die Kronen hoher Bäume in merkliche Bewegung, das stärkste
davon fand am 31. Oktober 1854 statt.
Schnee ist in Valdivia eine seltene Erscheinung und schmilzt derselbe
gewöhnlich schon beim Niederfallen, nur die das Thal von Valdivia umgeben-
den höheren Berge zeigen öfters eine, jedoch bald verschwindende leichte
Schneedecke,
Die grosse Regenmenge, welche im ganzen Süden Chilis fällt, giebt
auch dem Klima von Valdivia den eigenthümlichen Charakter. So gross die-
selbe auch ist, so ist ihre Vertheilung auf die einzelnen Monate in den Durch-
achnittszahlen doch eine sehr regelmässige. Der Januar hat den wenigsten
Regen, dann steigt die Menge desselben regelmässig bis zum Juni, welcher der
regnerischste Monat ist, und nimmt von da eben so regelmässig bis zum
Dezember wieder ab. Nicht nur die Zahl der Regentage steht damit im Ver-
hältniss, sondern auch die Regenmenge, die an den Regentagen der verschie-
denen Monate fällt, also die Intensität der Regen. So fällt durchschnittlich an
jedem Regentage:
Im Dezember 13.9um Regen Im März 17.61m Im Juni 30,2mm Im September 15—15,5um
„ Januar 105mm „ »„ April 21.3um „ Juli 291mm „ Oktober 14-—14,3um
„ Februar 13.9um „ „ Mai 228—27mm „ Aug, 25.01m „ November 13—15.3mm
im Sommer 12.87m Regen Herbst 20,6— 24mm Winter 28,.1mm Frühling 14—15.21m
Zwischen den Monaten Oktober und November findet in vielen Jahren
die Unregelmässigkeit statt, dass der November mehr Regen bringt, als der
Oktober; in den ersten Jahren der Beobachtung war dies sogar die Regel.
in den letzten 8 Jahren ist hierin der Dezember an die Stelle des November
getreten; er bringt häufig schlechtes Wetter und mehr Regen als die Frühlings-
monate, Das regnerischste Jahr war das von 1868 mit 3573mm Niederschlag, das
trockenste aber das von 1863 mit 1820mm, Von allen Monaten dieser Jahres-
reihe brachte der Juli 1860 das höchste Maass mit 863, am nächsten kam
ihm der Juni 1856 mit 834mm. der trockenste und auch der einzige Monat ohne
Regen war der Februar 1865 mit 0=m, Der nasseste Sommer war der von
1868 mit 634mm, der trockenste der von 1859 mit nur 60mm; der nasseste Herbst
war der von 1866 mit 1095=m, der trockenste der von 1874 mit 383m; der
ıasseste Winter war der von 1860 mit 1780=m, der trockenste der von 1875
mit 603=m; das nasseste Frühjahr war das von 1872 mit 702mm, das trockenste
das von 1863 mit 202mm,
Die Regenmenge von 1875 war fast um !/4 Meter geringer als das Mittel;
die des Sommers entsprach ziemlich genau dem Mittel. Der Winter war der
trockenste, welcher in der ganzen Reihe der Beobachtungsjahre vorkam; ebenso
zeichnete sich der Frühling von 1875 durch wenig Regen aus und nur einer,
der von 1863, brachte 14% weniger Wasser. Dagegen gehörte der Herbst 1875
zu den nassesten, was besonders der grossen Regenmenge des Mai zuzuschrei-
ben ist, der mit 574mm der nasseste aller Beobachtungsjahre war und selbst
alle Wintermonate übertraf, Dieser Charakter der Jahreszeiten von 1875 tritt
auch besonders hervor, wenn man die gefallene Wassermenge des Jahres nach
Prozenten mit einander vergleicht, wonach der Frühling trockner als der Sommer
des Jahres war, der Herbst den Prozentsatz für den Winter überbot, der Winter
dagegen noch unter dem Prozentsatz für den Herbst in der Regenmenge verblieb.
In Bezug auf den Wechsel der Winde ist zu bemerken, dass der
Wind vorherrschend aus West bis NW und SW weht, dass er von Nord nach
Süd.oder von Süd nach Nord zurück, nie über Ost, sondern stets über West
gehend wechselt. Reiner Ostwind ist überhaupt der seltenste; er geht immer
über Süd und West nach Nord, niemals von Ost direct nach Nord herum (es
widerstreitet dies der Annahme des Prof, Dove: „Anleitung zu wissenschaft-
lichen Beobachtungen für die deutschen Consulate Seite 145“). Nord und NW
bringen die häufigsten und stärksten Regen. Tritt dieser Wind ein, so hebt
sich die Temperatur und bleibt constant zwischen 12°—17° C, selbst im Winter.
SW bringt, abwechsend mit Sonnenschein, kalte Regenschauer. Süd und SE
oringen niedrigere Temperaturen (besonders im Winter) und heiteres Wetter,
im Sommer oft scharfen Wind. Der seltene Ost ist immer kalt, NE gewöhn-
ich kalt und unangenehm und meist von feinem, aber anhaltendem Regen be-
yleitet, der fast horizontal daher flieot.“
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