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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 4 (1876)

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Bei Ost- oder West-Wind ist die Wirkung auf den Compass nicht so 
gross, als bei andern Winden. 
Ich habe diese Auseinandersetzung gegeben, um das Verhalten des 
Compasses im Arktischen Ocean bei verschiedenen Winden zu zeigen; ich will 
damit nicht behaupten, der Wind habe irgend welchen Einfluss auf den Compass. 
Ich gebe die Facta, wie sie mir zur Beobachtung kommen und von jedem 
Seemann, der im nördlichen Eismeer gefahren hat, wird ein bekräftigendes 
Zeugniss gegeben werden. Wir werden sehr verpflichtet sein, wenn einer 
ansrer wissenschaftlichen Freunde das Geheimniss aufklären wird. 
W. H. Kelley,““ 
Vereinigte Staaten-Consulat, 
Honolulu, Hawaii’sche Inseln, 9. Dezember 1874, 
Sir! Ich habe die Ehre, beifolgend eine Mittheilung von Capt. W. H. 
Kelley zu übersenden, einen der ältesten und unterrichtetsten Capitaine unter 
den amerikanischen Walfischfängern. Die Mittheilung wurde in der Hawaii’schen 
Zeitung von heute Morgen veröffentlicht, sie stellt die Schwierigkeiten dar, 
welche dem Seefahrer im Arktischen Ocean durch sonderbare Einflüsse auf 
len Compass bereitet werden, und bittet die Wissenschaft um Aufklärung des 
Geheimnisses. Capitain Kelley ist ein Bürger von New-Bedford, Massach, 
Verein. Staaten und ist eben von einer Reise nach dem Kismeer als Capitain 
ler Walfischbark „James Allen“ nach Honolulu zurückgekehrt, 
An das Auswärtige Amt 
Washington, D. C. 
Indem ich vorausschicke, dass wir durchaus keinen Grund zu der An- 
nahme haben, dass die Windrichtung irgend einen Einfluss auf das Verhalten 
des Compasses habe, soll hier die Frage in der Weise geprüft werden, dass 
dem Einfluss bekannter Ursachen die gebührende Rechnung getragen wird. 
Wir wollen sehen, was geschehen kann, um das Verhalten des Compasses auf 
dem Deck eines Polarfahrers, ähnlich dem „James Allen“, aufzuklären, denselben 
als Repräsentanten seiner Classe angenommen. 
Wir wollen in Ermangelung positiver Information den Fall eines 
Segelschiffes aus Holz, von etwa 400 Tons, annehmen, mit dem Compass 
hinten und mit hinreichend Eisen an Bord, besonders auf und über Deck in 
Gestalt von Siedekesseln und Heisstakeln, so dass, selbst wenn kein andres Eisen 
im Schiff wäre, eine symmetrische Compassdeviation durch. die magnetische 
Wirkung dieser Theile geschaffen würde, welche bei Honolulu nicht kleiner 
als 1—2 Grad Ost und West im Maximum dem Compass-Kurse Ost und West 
entsprechend betrüge. Solche Deviation allmälig von dem Maximum bei, auf 
oder nahe Ost und West abnehmend bis Null auf Nord- und Süd-Kursen würde 
zu gering sein, um für gewöhnlich bemerkt zu werden und könnte nur auf den 
verschiedenen Strichen vermittelst sorgfältiger Beobachtungen ermittelt werden. 
Nun möge ein solches Schiff in das nördliche Eismeer versetzt werden, 
wo unsere abenteuernden Walfischfänger ihre Sommerfahrten machen; bei- 
spielsweise „Nord oder Ost von Cap Barrow.“ Welche sind die wahrschein- 
lichen Aenderungen in den magnetischen Verhältnissen, denen das Schiff bei 
einer so beträchtlichen Ortsveränderung ausgesetzt sein wird? Wir werden 
hier mit Wahrscheinlichkeiten zu rechnen haben, aber in Grenzen, welche 
keinen wesentlichen Unterschied mit dem in Rede stehenden Fall ergeben wird. 
Zunächst also wird die magnetische Variation sich geändert haben von 10° Ost 
vei Honolulu auf 40° bis 45° Ost bei Cap Barrow, zweitens wird die magne- 
:ische Inclination vor! 25° N bei ersterer Station auf 83° bis 85° bei letzterer 
sich geändert haben, und drittens wird die relative, magnetische Horizontalkraft 
‘die Richtkraft der Erde) sich geändert haben von 1.75 auf ungefähr 0.45. 
Derartige Wechsel in den magnetischen Verhältnissen sind nothwendig 
von wichtigen Folgen im Magnetismus des Schiffes und im Verhalten und der 
Gebrauchsfähigkeit des Compasses an Bord begleitet. So wird sich in erster 
Linie ein beträchtliches Anwachsen der Deviation, welche bei Honolulu gefunden 
war, ergeben, und zwar um das zwanzig- bis fünfundzwanzigfache, da dieselbe 
sich proportional der Tangente der Inclination ändert, so dass eine Deviation, 
die im Ausrüstungshafen nicht mehr als 1° bis 2° auf gewissen Kursen 
setrug, mindestens 40° auf denselben Kursen im Eismeer betragen mag. Und
	        
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