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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 4 (1876)

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markirten. Diese Erfahrung ist diesseits nicht gemacht worden, obwohl die 
Verhältnisse dafür ziemlich günstig waren. „Cyclop“ hatte beim Einlaufen die 
Sonne im Rücken; es war ein klarer heller Tag, obwohl der Himmel etwas 
newölkt war, trotzdem markirte sich die Stelle mit geringer Wassertiefe 
3rst, als man sich beinahe über derselben befand und bei dem ruhigen und klaren 
Wasser auf mehrere Meter tief den Grund sah. Die Wassertiefen: wechseln, 
wie es bei Korallen stets der Fall zu sein pflegt und auch aus der Karte 
ıervorgeht, sehr plötzlich, weshalb das Loth nicht zeitig genug warnt. Jeden- 
’alls empfiehlt es sich beim Einlaufen in diesen Hafen mit der grössten Vorsicht 
zu Werke zu geben, da bei weitem nicht alle flachen Stellen in der Karte 
angegeben zu sein scheinen. „Cyclop“ ankerte an einer Stelle, um welche 
ıerum die Karte 24, 5.5 und 8 Met. angab, auf 4.6 Met. in den Peilungen 
Baillie Head in SzW'/2zW und einen isolirten sehr bemerklichen konischen 
Hügel, welche der südlichste Ausläufer des östlichsten sichelförmigen Höhen- 
«uges ist, in Ost. Die sofort um das Fahrzeug herum aus Booten vorgenommenen 
Lothungen ergaben überall reichliche Wassertiefen. Am anderen Morgen zur 
Zeit des Niedrigwassers wurden die Lothungen wiederholt und dabei zwischen 
dem Anker und dem Kanonenboot eine Stelle mit nur 1 Met. Wasser 
aufgefunden. Dieselbe hatte nur den Umfang weniger Meter und war rings von 
8 Met. und noch tieferem Wasser umgeben. In Folge des geringen Umfanges 
war diese Stelle am vorhergehenden Abend nicht gefunden worden, und es war 
auch nur einem glücklichen Zufall zu verdanken gewesen, dass dieselbe nicht 
vom Kanonenboot berührt worden war. In Folge dieser Entdeckung wurde der 
Ankerplatz sofort verändert, 
Brauchbares Holz war in der Nähe des Strandes ebenfalls nicht zu 
finden, obwohl in den weiter im Innern gelegenen Forsten einzelne Stämme 
vrorkamen, aus denen man die Masten einer Fregatte hätte zimmern können. 
Dieselben standen jedoch meilenweit vom Wasser entfernt mitten im Dickicht, 
30 dass ihr Transport zu schwierig gewesen wäre. Leichtere Sparren, wie 
„Cyclop“ sie brauchte, waren gar nicht zu finden. Auch das Einnehmen von 
frischem Wasser ist mit Schwierigkeiten verknüpft, da die Mündung des 
Flüsschens durch eine ausgedehnte Barre geschlossen ist. Ausserdem dürfte die 
Qualität des Wasses von zweifelhafter Natur sein, da dasselbe im Thale vorher 
zahlreichen Reisfeldern zur Bewässerung gedient hat. Nach Aussage der 
Bewohner ist die Verbindung mit Liw-Kiw eine sehr seltene, manchmal nur 
anmal im Jahre. Fremde Schiffe waren seit sehr langer Zeit nicht mehr dort 
zewesen; Deutschland kannte man nicht einmal dem Namen nach. Auch schienen 
die Leute durchaus nicht ohne Misstrauen zu sein. MKErst als sie durch Herrn 
Yamamura von den friedlichen Absichten des Kanonenbootes überzeugt waren, 
die Verständigung musste, da die beiderseitigen Sprachen nicht bekannt waren, 
schriftlich durch chinesische Charaktere geschehen, welche allen diesen Völkern 
gemein sind und dieselbe Bedeutung haben, wenn auch die sie ausdrückenden 
Laute verschieden sind), zeigten sie sich etwas friedlicher. Als Geschenk 
brachten sie einige Hühner und einen Sack mit süssen Kartoffeln, Da der 
bisher immer als Gegengeschenk in derartigen Fällen benutzte Wein schon sehr 
knapp war und auch andere dazu geeignete Gegenstände nicht vorhanden waren, 
wurden dieselben abgelehnt; die Leute baten jedoch so dringend, dass dieselben, 
am sie nicht glauben zu machen, dass man feindselig - gegen sie gestimmt sei, 
3chliesslich angenommen wurden. 
Rindvieh schien in grosser Menge vorhanden zu sein, auch sollte es 
wilde Schweine und Ziegen in den Wäldern geben, von denen auch zahlreiche 
Spuren bemerkt wurden. Wilde Enten und Gänse und sonstige Wasser- und 
Sumpfvögel schienen ebenfalls in grosser Anzahl vorzukommen. Ferner er- 
zählten die Eingebornen von einer Schlange, die sehr gross und giftig sein 
muss, denn nach ihrer Schilderung stürbe Jeder Mensch, der sie erblickte, und 
wollte man der Beschreibung glauben, so müsste sie mindestens 15 Met, 
lang sein. 
Der von Liu-Kiw hierher gesandte Gouverneur hat seinen Sitz auf einer 
kleinen benachbarten Insel, deren Lage jedoch nicht ermittelt werden konnte.“
	        
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