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Bei Gelegenheit der Bemerkungen über das Klima von Zanzibar (Sansibar)
in diesen Annalen ete., 1875, pag. 255 ff., haben wir einige uns handschriftlich
mitgetheilte hierauf bezügliche Angaben des Herrn Dr. O0. Kersten mitgetheilt.
Herr Dr. Kersten hat das ihm zur Verfügung gestellte, allerdings nur ein Jahr
(1864) und etwas darüber umfassende Beobachtungsmaterial des Dr. Seward
zu Zanzibar einer sorgfältigen Bearbeitung unterzogen und unter Benutzung alles
brauchbaren Materials das gesammte Witterungsgebiet behandelt, in welchem
Zanzibar liegt, namentlich das Gebiet der Monsune in dem westlichen Theile des
Indischen Oceanes, Der Verf. giebt in dem Texte, in Tabellen und in graphischen
Veranschaulichungen für den Luftdruck, die Temperatur und Feuchtigkeit der
Luft die Monatsmittel, den täglichen und jährlichen Gang dieser meteorologischen
Hauptelemente (nach Bessel’s Formel) und hebt überall den hier in dem Zanzibar-
Gebiete besonders deutlich hervortretenden Einfluss der Jahreszeiten-Winde her-
vor, welchen er eine besondere, eingehende Beobachtung widmet. Der Südwest-
Monsun herrscht hier sieben Monate lang (April bis October) so gut wie aus-
schliesslich; zwei Monate (November und März) sind als UVebergangsmonate zu
betrachten und nur drei Monate (Mitte Dezember bis März) gehören dem Nord-
ost - Monsun an.
Der Verf. hat ferner auf zwei Tafeln, unter Berücksichtigung der Wind-
stärken, die Windrosen aller Beobachtungsstunden jedes Monats und die Art
und Weise, wie im Laufe des Jahres jeder einzelne Wind sich den ganzen Tag
äber verhält, graphisch dargestellt, und gelangt dabei zu folgenden Ergebnissen:
1) Die Windrichtung schliesst sich auch im Laufe des Tages der Be-
wegung der Sonne an; ;
2) jede Tagesstunde hat im Allgemeinen nur eine dominirende Wind-
richtung oder höchstens zwei (mit Ausnahme in den Uebergangsmonaten —
März und November — und in den Uebergangsstunden — 12 Uhr Mittag und
2 Uhr Nachmittag);
3) auch jeder einzelne Wind hat ein eng begrenztes Gebiet von wenigen
Tagesstunden, an denen er sich zeigen kann, und zwar bleibt dieses Gebiet in
allen Monaten seines Vorkommnisses nahezu dasselbe.
Den Nachweis und die Begründung des von dem Verf. aufgestellten
Satzes, dass auch unser europäisches Klima als keinesfalls unbeeinflusst von den
mächtigen Ursachen, welche jene indischen „Jahreszeiten-Winde“ hervorbringen,
sowie die Darstellung der meteorologischen Verhältnisse in der ganzen West-
hälfte des Indischen Oceans behält sich der Verf. einer späteren Veröffent-
lichung vor. Schon diese Vorarbeit des sachkundigen Verfassers ist der Be-
achtung aller Meteorologen zu empfehlen.
Geographie des Welthandels. Von Karl Andree. Erster Band. Zweite
ergänzte Auflage von Richard Andree. Stuttgart. Julius Maier 1876.
Dieses jetzt in zweiter Auflage uns vorliegende Werk wurde i. J. 1861
von dem kürzlich leider verstorbenen, rühmlichst bekannten geographischen
Schriftsteller und verdienstvollen Herausgeber des „Globus“, Karl Andree
begonnen und 1873 in seiner ersten Auflage vollendet. Es ist seinem inneren
Werthe und seiner fesselnden Darstellungsweise nach allseitig rühmend aner-
kannt worden; es erfüllt seinen Zweck, der Praxis des Welthandels zu dienen
und diesen durch Anregung selbst auf einen höheren Standpunkt zu erheben.
Die zweite Auflage des ersten Bandes hat in dem Sohne des Verfassers,
Dr. Richard Andree einen pietätvollen und geschickten Herausgeber gefun-
den, indem dieser das vorhandene Werk nach dem neuesten Stande der Wissen-
schaft bereichert und ergänzt hat.
Der erste Band schildert die Bewegung des Handels und die Einwirkungen,
von denen er bedingt wird, bei den Naturvölkern und in den Culturstaaten,—
alsdann werden Luft, Land und Wasser in ihren Wirkungen auf den Handel
in Betracht gezogen, und hieran schliesst sich eine Geographie der Produecte,
sowie eine Charakteristik der Handelsvölker. Die beiden anderen Bände wer-
den die handelsgeographische Beschreibung der einzelnen Länder bringen. Das
ganze Werk erscheint in 30 Lieferungen ä 1 Mark und verdient die wärmste
Empfehlung, namentlich bei Denjenigen unserer Leser, welche selbst Gelegen-
heit haben, mit den fernen Cultur- und Naturvölkern in irgend welchen Verkehr