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Der Wind wird, aller Wahrscheinlichkeit nach, später Ost und ESE werden,
und man kann über einen Bug Hongkong erreichen.
Als Anhalt für die oben erwähnte östliche Route durch die Java-See
können die, in der nächstdem zu besprechenden Reise von Singapore nach
Hongkong gegebenen, Vorschriften dienen. HEs wäre hier nur noch zu erwähnen,
dass es noch eine dritte Route für die Ausführung der vorliegenden Reise giebt,
nämlich die längs der Küste von Borneo und durch die sogenannte Palawan-
Passage. Da mir aber für diese Route jede eigene Erfahrung abgeht, so kann
ich mir auch kein Urtheil über den Vorzug derselben vor der eben gegebenen
anmassen. Thatsache ist, dass sie Dampfschiffen wesentliche Vortheile bietet,
auch von Segelschiffen öfter mit Erfolg benutzt wurde, da aber für letztere
ihre Navigirung der vielen Untiefen und grossen Beschränktheit wegen grosse
Schwierigkeiten bietet, so muss die Wahl dem Schiffsführer überlassen werden,
unter Hinweis auf China Sea Directory 1868,
Von Singapore nach Hongkong im NE-Monsun.
Beim Verlassen des Hafens von Singapore in der Zeit von Oktober bis
März hat man sich sofort zu entscheiden, ob man die bequemere, aber längere
Route durch die Java-See, Gilolo-Passage und Pacific, oder die mit grösseren
Schwierigkeiten verbundene Kreuzreise durch die China-See einschlagen will.
Im Allgemeinen würde in den Monaten Oktober, November, Dezember und Ja-
uuar stets die östliche Route vorzuziehen sein, und könnte nur sehr gut kreuzen-
den, schnellsegelnden und starken Schiffen die directe Route mit Aussicht auf
günstigen Erfolg angerathen werden.
Hat man sich für die östliche Route entschieden, so wird man, nachdem
Singapore-Strasse passirt ist, ohne Schwierigkeiten mit den dann herrschenden
NW-Winden durch die Carimata-Passage oder Gaspar-Strasse in’ die Java-See
gelangen. Dann steuere man zwischen Arends-Insel und Kl.-Solombo durch,
nördlich von den Paternosters nach der Salayerstrasse, ferner durch die Boeton-
Passage und westlich von der Boero-Insel nach der Gilolo-Passage. Auf diesem
Wege wird man zu dieser Jahreszeit den NW-Monsun in seiner vollen Kraft
inden, Der vorherrschende Wind weht aus WNW, verändert aber häufig zwi-
schen SW und NW. Der NW-Monsun ist oft von sehr böigem Wetter und
vielem Regen begleitet, so dass Beobachtungen zur Bestimmung des Ortes des
Schiffes mitunter während mehrerer Tage nicht angestellt werden können.
Man achte daher genau auf Logg und Loth, und segle nicht auf die engen Pas-
3agen zu, wenn man nicht durch Land- oder sonstige Beobachtungen genau
orientirt ist. Sobald man durch die Boeton-Passage hindurch ist, halte män
gut die Luvseite, weil der Wind hier häufig bis NNW geht, und der Strom
stark nach Osten setzt, was überhaupt um diese Zeit in der ganzen Java-See
bald stärker, bald schwächer, je nach dem herrschenden Wetter der Fall ist.
Sobald der Aquator im Pacific erreicht ist, bestrebe man sich so schnell als
möglich durch die Aequatorial-Windstillen nach Norden zu kommen, ohne Rück-
sicht darauf, ob man Ost-Länge macht oder nicht. Einmal ist es nicht nöthig,
30 viel nach Osten aufzusegeln, dass man östlich von den Palan-Inseln passiren
kann, weil der NE-Monsun, den man in der Regel in 4°—5° Nord-Br. antrifft,
fast immer raum genug gefunden wird, um ohne Schwierigkeiten oberhalb der
Philippinen fort zu kommen, zweitens aber thut man jedenfalls besser, erst
dann Länge aufzusegeln, weun man durch die Windstillen und veränderlichen
Winde durch ist und stetigen Wind gefunden hat. Man wird zunächst beim
Herauskommen aus der Gilolo-Passage einen ziemlich starken Strom nach Westen
vorfinden, der aber an den Inseln Gilolo und Morti schon nach Norden und
später sogar nach NE umbiegt. Die Strecke zwischen der Linie und 5° Nord-
Breite ist auf dieser Route die schwierigste, und sind hier Schiffe mitunter
lange Zeit aufgehalten worden, Nachdem der NE-Monsun in etwa 5°—6° Nord-
Breite und 131°—132° Ost-Lg. erreicht ist, steuere man mit diesem gut voll oder
Kurs, je nach der angetroffenen Richtung des Windes, nach dem Balingtang-
oder Bashee-Canal und von dort nach Pedro Blanco und Hongkong.
In der Nähe der Batang-Inseln, und zwischen Formosa und Luzon weht
der NE-Monsun in der Regel sehr stark mit hoher kurzer See und dickem reg-
3aigem Wetter, auch hält sich der Wind oftmals sehr nördlich, sobald man sich