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sen Familie steht. Unter den vorhandenen Königen scheinen der Erani von
Korror, zu dessen Bereich auch die südlichen Inseln gehören, und derjenige
7on Artingal die mächtigsten zu sein und unter sich in beständiger Fehde
zu liegen.
"Die Namen einiger Stämme sind, so weit ich in Erfahrung gebracht
habe, folgende: Arakalong (König), Emuwings, Ermelieg, Arakawallei, Oirei,
Angerorth, Artabian und Aratımow. Die Eingeborenen- erkennen übrigens eben-
sowenig wie die von S. M. S. „Hertha“ besuchten Carolinen die von Seiten
der spanischen Regierung beanspruchte Oberhohheit an.
Abgesehen von den gelegentlichen Kriegszügen, welche im Allgemeinen
ohne wichtige Gründe, hauptsächlich zum Zeitvertreib unternommen zu werden
scheinen, beschäftigt sich die männliche Bevölkerung hauptsächlich mit Fischerei.
Während früher auch Schildpatt als Ausfuhrartikel eine Rolle spielte beschränkt
sich die Ausfuhr heute fast lediglich auf Trepang, von welchem grosse Mengen
gefunden und von den Händlern eigetauscht werden. Letztere führen als Tausch-
waaren dagegen alte Gewehre und Schiessbedarf, Eisenwaaren, wollene Decken,
Spirituosen u. dgl. ein. Der von dem weiblichen Theile der Bevölkerung be-
triebene Ackerbau scheint sich auf den Anbau der Tarroo-Knolle zu beschränken,
während die Kokosnüsse, Apfelsinen und Bananen von geringer Qualität wild
wachsen, Ob im Innern von Baobeltaob, wie fast anzunehmen ist, mehr Acker-
und besonders Reisbau getrieben wird, blieb mir unbekannt. Jedenfalls ha ben
wir an der Westseite dieser Insel tiefe Wasserläufe getroffen, während auf
Korror nur wenige Wasserrinnen zu finden waren. Das reichliche Regenwasser
wurde bei den Hütten fleissig gesammelt. Letztere stehen in dem Hauptorte
Korror’s unter hohen Palmen, zwischen Gebüsch und schönem Wiesengrunde,
gewöhnlich von einem kleinen Hof, mitunter sogar von einem Gärtchen umgeben,
wie auf Yap zu beiden Seiten eines gepflasterten Steinweges. Die vielfach nicht
ohne gewisse Sorgfalt und mit Schnitzwerk und Malerei gezierten Rathhäuser
und Hallen, besonders der HMäuptlinge zeugen von einer gewissen Wohlhaben-
heit und dem Schönheitssinn der Bevölkerung, welche, nachdem sie die erste
Scheu überwunden hatte, sich freundlich und entgegenkommend zeigte.“
Anmerkung der Redaction, Die oben erwähnten Segelhandbücher ent-
halten nur dürftige Nachrichten über die Palau-Inseln, welche überdies zum
grössten Theile den Berichten des Capitain Mac Cluer entlehnt sind, welcher
im Jahre 1790 und einige Jahre später (1793 und 1794) wiederholt diese
Inseln auf längere Zeit besucht hatte. Von ihm rührt auch die bisher
einzige englische Specialkarte der Palau-Inseln her (Brit. Adm.-Karte No. 1103
Tit. XI. No. 401), welche in ihrer bis 1872 fortgeführten Correctur nur noch
eine Skizze des „Korror Harbour“, aufgenommen von I. Br. M. 8. „Sphinx“ im
Jahre 1862 enthält, sonst aber die Lage und Namen der Inseln, Häfen und
Fahrwasser noch völlig nach den Angaben Mac Cluer’s bringt und unvollständig
und an verschiedenen Stellen ganz unrichtig ist (Vgl. Skizze der Palau- Inseln.)
Der Name der ganzen Gruppe „Palau-Inseln“, oder wie die Engländer noch
meistens heute schreiben „ Pelew-Inseln“ ist wahrscheinlich von dem früheren Haupt-
orte Palao (Palau) der Insel Korror auf die ganze Gruppe übertragen worden; die
Spanier haben diesen Namen zuerst von den hier verünglückten Insulanern erfahren,
welche von den Carolinen nach den Philippinen verschlagen wurden und die Inseln,
selbst Palaos (nicht Palos = Baum, wie man früher annahm) genannt. Mac
Cluer hatte diese Inseln i. J. 1790 zuerst besucht, um dem Könige Abba Thule
von Korror und den Eingeborenen dieser Insel Geschenke zu überbringen für
lie gastfreundliche und sogar liebevolle Aufnahme, welche die Mannschaft des
. J, 1783 daselbst gescheiterten Post-Schiffes „Antelope“, der ostindischen Com-
pagnie gehörig und von Capitain H. Wilson geführt, bei ihnen gefunden hatte.
Japitain Wilson, welcher als der Wiederentdecker der schon früher, 1543, von Vil-
lalobos entdeckten und von ihm anfänglich Arrecifes (Riffinseln) genannten Palau-
Inseln bezeichnet werden muss, hat seine Erlebnisse während seines dreimonat-
lichen Aufenthaltes auf den Palau-Inseln (vom 10. August bis 12. November
1783) in einem Tagebuche niedergelegt, welches zuerst 1786 in London unter
lem Titel „An account of the Pelew Islands“ von Mr. George Kate herausge-
zeben worden ist. Nur einige Jahre später (1789) hat der berühmte Georg
Forster dieses damals grosses Aufsehen erregende Werk in deutscher
Sprache veröffentlicht; eine französische Ausgabe mit vielen Abbildungen