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scheinen. Die südliche Inselhälfte ist ganz flach; nur die Kokospalme ragt dort
äber dem gewöhnlichen Unterholz merklich hervor. Cobra und Trepang (Holo-
thuria edulis, auch Böche de mer genannt) sind die Tausch- oder Ausfuhr-Artikel,
gegen welche Handwerkszeug und Waffen geboten werden, Ackerbau scheint hier
wenig getrieben zu werden, wenn auch der Boden jeden Anbau zulassen würde.
Trotz des erwähnten Höhenzuges scheinen keine Wasserläufe vorhanden zu
sein; nur Cisternen wurden hier gefunden. Sehr sorgfältig aus kleinen Steinen
gebaute Strassen, den aus einer Reihe grösserer Steine gebildeten Bürger-
steig in der Mitte, — die mit grösserer Sorgfalt gebauten und mit Schnitzerei
and Muschelverzierungen versehenen Kanoes und endlich die geschlossen gebauten
Dörfer, mit den wohnlichen Hütten und je einem grossen Rathhause mit gepflaster-
‘em Vorplatze, deuten hier bereits auf grössere Entwickelung und besonders auf
den Fleiss früherer Geschlechter. Der Einfluss der Weissen soll auf die Arbeit-
3amkeit der jetzigen Generation thatsächlich verschlechternd einwirken. Fünf
Häuptlinge theilen sich in die Herrschaft der Gruppe und ihnen sind die östlicher
gelegenen Carolinen bis einschliesslich der UXe-Gruppe tributpflichtig.
Ausser dem Agenten Nash, der Hamburger Firma Godeffroy, waren noch
zwei andere Engländer als Agenten von zwei weiteren deutschen Kaufleuten und
Schiffseigenthümern zur Zeit meiner Anwesenheit in Yap aufdieser Insel anwesend.“
Das Verhalten der Eingeborenen zu diesen wenigen weissen Ansiedlern ist nach
daselbst eingezogenen Erkundigungen im Allgemeinen ein gutes und friedliches
zu nennen.
Die Palau-Inseln, ?)
„Die Palau-Inseln, welche besonders ihrer Bevölkerung nach unzweifelhaft
zu den Carolinen gezählt werden müssen, bestehen aus 6 grösseren und einer
Anzahl kleinerer Inseln, zu deren genauer Zählung die Vermessung der ganzen
Gruppe nothwendig sein würde. Zu den ersteren gehören von Süden nach Nor-
den gerechnet die Inseln: Angaur, Pililu, Eil Malk (früher Earakong genannt,)
Uruktapel, Korror und. Baobeltaob (Babelthuap), von denen die letztgenannte allein
grösser ist, wie alle übrigen Inseln der ganzen Gruppe zusammengenommen.
Wie die Insel Yap einer vulkanischen Ursache zweifellos ihr Entstehen ver-
dankt, und deren südliche flache Hälfte, sowie die kleineren sie umgebenden Insel-
chen, die Folge der auf dem gehobenen Gestein entwickelten Korallenbildung,
welche das Ganze umgiebt, sein mögen, so gewähren die Palaw-Inseln durch ihre
gleiche äussere Gestaltung auch die Ueberzeugung von derselben Entstehungsweise.
Baobeltaob und Korror — sowie anscheinend auch die von S. M, S. „Hertha“
aicht besuchten Inseln Pilılu und Angaur — sind mit gutem Ackerboden, schöner
Waldung und Wiesen bedeckt, die übrigen grösseren wie eine grosse Zahl der
kleineren steigen dagegen mit ihren an der Wasseroberfläche gewöhnlich tief
ausgewaschenen Felsen aus Trümmergestein und reiner Lava, senkrecht aus dem
Meere, mitunter bis zu 200 Met. Höhe empor und gestatten nur verzweigtem, nie-
drigem Baumwuchs und dornigem Gebüsch ein üppiges Dasein. Alle übrigen
grösseren oder kleineren Inselchen sind flache Koralleninseln, welche entweder,
wie die meisten von ihnen, durch ausgedehnte Riffe miteinander in Verbindung
stehen oder als einzelne Inseln von solchen umgeben sind, und nur schmale Fahr-
wasser zwischen denselben lassen. Nur die südlichste Insel Angaur liegt in letz-
terer Beziehung getrennt von der Gruppe und entbehrt, soweit von weitem er-
kennbar war, ebenso des sie umgebenden Korallenriffes,
Die wahrscheinlich kaum 3000 Seelen betragende Bevölkerung der gesamm-
ten Palau-gruppe lebt auf den Inseln Baobeltaob, Korror, Eil Malk und Pililu.
Ueber Angaur ist mir nichts bekannt geworden. Das von den Eingeborenen
der Insel Yap oben Erwähnte ist in gleicher Weise zutreffend für die Palau-
Bewohner. Auch hier scheinen die früheren Geschlechter arbeitsamer gewesen
als zu sein, die jetzige Einwohnerschaft, obgleich auch deren Auftreten einen
zuten Eindruck hinterlässt,
Sie sind in 12 Stämme getheilt, von denen die meisten auf der:Insel Bao«
hbeltaob wohnen und an deren Spitze ein Häuptling — Rupak — oder besser des-
1) Findlay a. a. O. pag. 770—776. Rosser-Imray a. a. O. pag. 175—179. Horsburgh a. a. O0,
pag. 632. Meinicke a. a, O. pag. 361—8369. Semper: Die Palau-Inseln, 1873. Journ. des Mus.
Godeffroy Heft IV, 1873, pag. 1—62 nebst Karte der Palau-Inseln drei Tafeln und Abbildungen
sthnologischer Gegenstände und Bewohner der Palau-Inseln,