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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 4 (1876)

DAC 
Die West-Carolinen.!) 
„Die Inseln des westlichen Theils des Carolinen-Archipel sind ohne Aus- 
nahme flache Korallen-Inseln, d. h. Inseln, welche durch allmälige Ausfüllung 
ler, zwischen den bis zur Oberfläche emporgewachsenen Korallen bestehenden 
Lücken und Löcher, mit Sand und später mit HErde entstanden sind. 
Nur die Insel Yap, welche in ihrer Formation mehr der Palau-Gruppe 
(s. pag. 271) gleicht, macht hiervon eine Ausnahme. Seltener krönt nur eine 
lerartig niedrige Insel die oberste Spitze der Korallenbank, welche alsdann 
jene als Riff noch mehr oder weniger weit umgiebt; gewöhnlich liegen auf 
den einförmig entstehenden Atollen mehrere Inseln, kreisförmig einen Kessel 
tieferen Wassers, freilich mit vielen Korallenbänken einschliessend. Zu den 
ersteren einzeln gelegenen Inseln gehören die von 8. M. S, „Hertha“ besuchten 
Inseln Sataval, Feys und Yap, während die übrigen Inseln, als die Los Martires 
(od. Tamatam), Lamotrek, Ifalik, Ulie, Uluti und. Matelotas (oder Ngoli-) Inseln 
Inselgruppen bilden. ; 
Abgesehen von der grösseren und höheren Insel Yap (s. pag. 271) gleichen 
sich alle anderen Inseln in ihrer Gestaltung und Bildung vollkommen, so dass 
die Beschreibung einer von ihnen gleichmässig für alle andern gilt. Auch die 
Flächenausdehnung der Inseln ist — abgesehen von den dazwischen liegenden 
klippenartigen Inselchen — im Allgemeinen nur wenig verschieden. Die Länge 
der Inseln beträgt nämlich durchweg 2—4 Seem. und die Breite 1.5 Seem, 
An der Luvseite bilden die, durch das daneben liegende Riff etwas geschützten, 
aber kaum mit Sand oder mit Erde bedeckten dicht an einander gepressten 
Korallensteine eine ungefähr 2—3 Met. über dem gewöhnlichen Meeresspiegel 
liegende, steilere Wand, zwischen welcher sich die Wurzeln des Manglebaumes 
festklammern. Dieser nackte Korallenboden, auf dem zu gehen sehr mühsam ist, 
wird nach der Mitte der Insel hin mehr und mehr durch Sand ünd etwas bereits 
gebildete Erde bedeckt, während der Boden der Leeseite der Insel bereits mit 
kräftigem Rasen bewachsen ist und der weisse Sandstrand sich hier sanft in 
die See neigt. Während die dem Winde und dem Meersalze mehr ausgesetzte 
Öst-Hälfte der Inseln hauptsächlich mit grossen Manglebäumen und verschie- 
denen Cacteen bestanden ist, bilden die Kokospalme, der Brodfruchtbaum 
und eine freilich schlechte Banane den schattigen Wald der westlichen Seite, 
in dessen Schutz die Hütten der Eingeborenen auf Pfählen und in der Nähe 
des Strandes erbaut sind. Hier verwehrt auch bereits häufig dichtes Unterholz 
und hoher Bambus das Eindringen, doch führen Pfade überall längs dem 
Strande nach den Hütten und dem unwirthlichen östlichen Ufer, Auf allen 
Inseln trifft man dieselbe Vertheilung des Pflanzenwuchses; das frische, rings- 
herum bis zum Strande hinabreichende Grün hebt sich scharf von dem 
weissen Sande oder dem weissen Schaum der ewig gegen die Riffe der Luvseite 
schlagenden Brandung ab. Gelegentlich, in der Zeit der westlichen Stürme 
und Örkane während der Sommermonate, werden die flachen Inseln über- 
Authet; die Männer flüchten sich alsdann in die Bäume; und die Weiber und 
Kinder, welche nicht hinaufgeholt werden können, binden sich an die Stämme 
fest. Die Hütten und Boote werden durch die See zerschlagen und manches 
Menschenleben geht bei diesen Ueberfluthungen zu Grunde. 
i Die Tarrooknollen, die Kokospalme, die Brodfrucht, die Banane und 
vor Allem die fischreiche See liefern den Bewohnern reichliche Nahrung; als 
sichtbare Wirkung eines Seeverkehres tritt mitunter schon der Luxus von 
Schweinen und Hühnern hinzu. Wasser dagegen wird während der ergiebigen, 
fast täglichen Regengüsse in Löchern und Cisternen gesammelt und ist daher 
nur in geringer Menge auf den Inseln vorhanden. 
Die /nsulaner?) sind nach Allem, was ich selbst gesehen und erfahren 
habe, harmlos, gutmüthig und fleissig, von röthlicher, oder auch chokoladen- 
brauner Hautfarbe, theils heller, theils dunkler schattirt. Die Körperbildung 
1) Zu diesen werden hier der Theil der centralen Carolinen zwischen 150° und 142° Ost-Lg. 
oder zwischen den Inseln der Los Martires und Ulie-Gruppe und die eigentlichen West-Carolinen zwischen 
Feys und den Palau-Inseln gerechnet. Vgl. Findlay a, a. O0. pag. 760—770; Rosser-Imray a, a. O. 
ag. 185—195; Meinicke a, a, O. pag. 357—8361. 
2) Vel. Meinicke a, a. O0. pas, 365—8387,
	        
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