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Die West-Carolinen.!)
„Die Inseln des westlichen Theils des Carolinen-Archipel sind ohne Aus-
nahme flache Korallen-Inseln, d. h. Inseln, welche durch allmälige Ausfüllung
ler, zwischen den bis zur Oberfläche emporgewachsenen Korallen bestehenden
Lücken und Löcher, mit Sand und später mit HErde entstanden sind.
Nur die Insel Yap, welche in ihrer Formation mehr der Palau-Gruppe
(s. pag. 271) gleicht, macht hiervon eine Ausnahme. Seltener krönt nur eine
lerartig niedrige Insel die oberste Spitze der Korallenbank, welche alsdann
jene als Riff noch mehr oder weniger weit umgiebt; gewöhnlich liegen auf
den einförmig entstehenden Atollen mehrere Inseln, kreisförmig einen Kessel
tieferen Wassers, freilich mit vielen Korallenbänken einschliessend. Zu den
ersteren einzeln gelegenen Inseln gehören die von 8. M. S, „Hertha“ besuchten
Inseln Sataval, Feys und Yap, während die übrigen Inseln, als die Los Martires
(od. Tamatam), Lamotrek, Ifalik, Ulie, Uluti und. Matelotas (oder Ngoli-) Inseln
Inselgruppen bilden. ;
Abgesehen von der grösseren und höheren Insel Yap (s. pag. 271) gleichen
sich alle anderen Inseln in ihrer Gestaltung und Bildung vollkommen, so dass
die Beschreibung einer von ihnen gleichmässig für alle andern gilt. Auch die
Flächenausdehnung der Inseln ist — abgesehen von den dazwischen liegenden
klippenartigen Inselchen — im Allgemeinen nur wenig verschieden. Die Länge
der Inseln beträgt nämlich durchweg 2—4 Seem. und die Breite 1.5 Seem,
An der Luvseite bilden die, durch das daneben liegende Riff etwas geschützten,
aber kaum mit Sand oder mit Erde bedeckten dicht an einander gepressten
Korallensteine eine ungefähr 2—3 Met. über dem gewöhnlichen Meeresspiegel
liegende, steilere Wand, zwischen welcher sich die Wurzeln des Manglebaumes
festklammern. Dieser nackte Korallenboden, auf dem zu gehen sehr mühsam ist,
wird nach der Mitte der Insel hin mehr und mehr durch Sand ünd etwas bereits
gebildete Erde bedeckt, während der Boden der Leeseite der Insel bereits mit
kräftigem Rasen bewachsen ist und der weisse Sandstrand sich hier sanft in
die See neigt. Während die dem Winde und dem Meersalze mehr ausgesetzte
Öst-Hälfte der Inseln hauptsächlich mit grossen Manglebäumen und verschie-
denen Cacteen bestanden ist, bilden die Kokospalme, der Brodfruchtbaum
und eine freilich schlechte Banane den schattigen Wald der westlichen Seite,
in dessen Schutz die Hütten der Eingeborenen auf Pfählen und in der Nähe
des Strandes erbaut sind. Hier verwehrt auch bereits häufig dichtes Unterholz
und hoher Bambus das Eindringen, doch führen Pfade überall längs dem
Strande nach den Hütten und dem unwirthlichen östlichen Ufer, Auf allen
Inseln trifft man dieselbe Vertheilung des Pflanzenwuchses; das frische, rings-
herum bis zum Strande hinabreichende Grün hebt sich scharf von dem
weissen Sande oder dem weissen Schaum der ewig gegen die Riffe der Luvseite
schlagenden Brandung ab. Gelegentlich, in der Zeit der westlichen Stürme
und Örkane während der Sommermonate, werden die flachen Inseln über-
Authet; die Männer flüchten sich alsdann in die Bäume; und die Weiber und
Kinder, welche nicht hinaufgeholt werden können, binden sich an die Stämme
fest. Die Hütten und Boote werden durch die See zerschlagen und manches
Menschenleben geht bei diesen Ueberfluthungen zu Grunde.
i Die Tarrooknollen, die Kokospalme, die Brodfrucht, die Banane und
vor Allem die fischreiche See liefern den Bewohnern reichliche Nahrung; als
sichtbare Wirkung eines Seeverkehres tritt mitunter schon der Luxus von
Schweinen und Hühnern hinzu. Wasser dagegen wird während der ergiebigen,
fast täglichen Regengüsse in Löchern und Cisternen gesammelt und ist daher
nur in geringer Menge auf den Inseln vorhanden.
Die /nsulaner?) sind nach Allem, was ich selbst gesehen und erfahren
habe, harmlos, gutmüthig und fleissig, von röthlicher, oder auch chokoladen-
brauner Hautfarbe, theils heller, theils dunkler schattirt. Die Körperbildung
1) Zu diesen werden hier der Theil der centralen Carolinen zwischen 150° und 142° Ost-Lg.
oder zwischen den Inseln der Los Martires und Ulie-Gruppe und die eigentlichen West-Carolinen zwischen
Feys und den Palau-Inseln gerechnet. Vgl. Findlay a, a. O0. pag. 760—770; Rosser-Imray a, a. O.
ag. 185—195; Meinicke a, a, O. pag. 357—8361.
2) Vel. Meinicke a, a. O0. pas, 365—8387,