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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 4 (1876)

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zu durch eine steile schroffe Felswand am chesten befähigt ist. Hohe Berge hat 
Guam nicht aufzuweisen; nahe der Westküste der südlichen Inselhälfte zieht sich 
ein Bergrücken von mässiger Höhe vom Südende der Insel bis nach Agana, wäh- 
vend die nördliche Hälfte nur durch einen einzigen Hügel von ungefähr 200 Met. 
Höhe gekennzeichnet wird. Wenn daher auch nicht malerisches Gebirgsland der 
Insel Reize verleiht, so hat doch die Natur im Uebrigen das Land reichlich ge- 
schmückt. "Trefflicher Boden, zahlreiche Wasserläufe und Bäche und ein tropisch 
gleichmässiges und. gemässigtes Klima lassen überall einen herrlichen Pflanzen- 
wuchs gedeihen; bis zum Kamm und selbs£ an den hin und wieder steilen Wän- 
den des Höhenzuges geben die Kokospalmen, Brodfrucht, Sago-Bäume, Bananen 
und Apfelsinen den Menschen mühelos Nahrung und ausgedehnte Wiesen dem 
ziemlich zahlreichen Viehstande gute Weide, während am Fusse der Hügel in den 
Ebenen die freilich nur spärlich anzutreffenden mit Reis, Mais, süssen Kartoffeln 
ete, bebauten Felder den deutlichen Beweis geben, wie fruchtbar diese schöne 
Insel ist und wie lohnend der Ackerbau hier sein müsste. 
Der Hafen von San Luis d’Apra*) wird durch eine in der Richtung NWzW 
sich erstreckende Halbinsel Orote gebildet, welche höher wie das umliegende 
Land, an ihrer felsigen Südküste steil in die See abfällt und, im Verein mit der 
Küste der Insel, die nach Süden zu spitz zulaufende Bucht einschliesst. 
(s. pag. 277.) 
Rindfleisch, Hühner, Eier u. 8. w. sind in San Luis d’Apra in hin- 
reichender Menge zu beschaffen, während Gemüse u. dgl. nicht zu bekommen 
war. Der längs dem Strande nach Agana führende Weg, aus den ersten Zeiten 
der spanischen Niederlassung herstammend, ist zwar schmal, aber noch recht 
out erhalten, und von den Hütten mehrerer Dörf eingeschlossen. 
Agana selbst, ein Ort von ungefähr 300 Hütten oder Häusern und nahezu 
3000 Einwohnern, macht einen ärmlichen Eindruck. Einige wenige steinerne 
Häuser sind noch aus dem 17. und 18. Jahrhundert und gut erhalten, so das 
Haus des Geistlichen; die meisten Gebäude sind aber hölzerne Hütten, oder 
Häuser, ungefähr 1.s bis 1.s Met. über der Erde auf Balken oder steinernen 
Pfeilern aufgeführt. Mit Ausnahme eines alten Engländers, der früher auf den 
Bonin-Inseln gelebt hatte, waren alle Bewohner KEingeborene oder Spanier; 
früher haben auch zwei Deutsche dort gelebt. 
Die Bevölkerung Guajan’s besteht neben der ungefähr 460 Mann starken 
Truppenabtheilung und den ihrer Bewachung unterstellten 340 Verbrechern 
(Deportirten, welche ihrerseits hier, wie auf den anderen Inseln der Marianen 
für die gedeihliche Entwickelung dieser sonst so schönen und fruchtbaren 
Inseln und ihrer eingeborenen Bevölkerung hinderlich sind), aus ungefähr 
5000 Chamorro’s. 
Die Chamorro’s?), von den Spaniern aus dem Worte Kamarow gebildet 
‘wie sich die Bewohner der Inseln zur Zeit ihrer Entdeckung von Magalhaens 
1521, nannten), sind die allerding bereits stark mit anglo-sächsischem und spa- 
ıischem Blute vermischten Reste der zu jener Zeit sehr zahlreichen Bevöl- 
kerung der Marianen. Nach den mir von der zuverlässigsten Quelle, dem seit 
24 Jahren die Insel bewohnenden Geistlichen von Agana und Oberhirten der 
Marianen, gemachten Mittheilungen sind die Chamorro’s, entgegen den vielfach 
Jarüber gemachten Angaben, weder träge, noch beschränkten Verstandes. 
Ihr Benehmen und ihre Sittlichkeit soll besonders früher (vor der thatsäch- 
lichen Besitznahme durch die Spanier i. J. 1668) schr rühmlich gewesen sein. 
In der That bestätigt auch der Eindruck, den diese gross und stark gebauten 
Leute von heller Gesichtsfarbe (ein helles röthlichgelb, ähnlich dem der Chinesen) 
und mehrfach röthlich blondem Haar und blauen Augen machen, durchaus diese 
iber ihren Charakter und ihr Verhalten günstige Behauptung,“ 
1) Findlay a. a. O. pag. 800. Rosser-Imray a. a. O. pag. 75, The China Sea Directory Vol. 
[V. pag. 118. 
2) Vgl. Meinicke a. a, O. pag. 397—411.
	        
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