Aus den Reiseberichten S, M. S. „Hertha“, Capitain z. See Knorr.“
1. Reise von Yokohama nach den Bonin-, Marianen-, Carolinen- und Palau-Inseln
und von da zurück nach Yokohama.
In der Zeit vom 18, Dezember 1875 bis zum 12. März 1876 unternahm
53. M. S. „Hertha“ unter dem Commando des Capitain zur See Knorr von
Yokohama aus, wo sie seit dem 25. September dauernd verweilt hatte, eine
Forschungsfahrt nach den Bonin- und Marianen-Inseln, ferner nach dem mittleren
und westlichen Theile des Carolinen-Archipels bis zu der Palau-Gruppe, und
7on da wieder zurück bis Yokohama. Auf dieser Reise hat Capitain Knorr
viele neue und wichtige hydrographische Forschungen, u. A. auch genauere
Positionsbestimmungen mehrerer Inseln angestellt (s. Abschnitt 3 pag. 285) aber
auch auf den von ihm besuchten Inseln mehrere sehr interessante Notizen über
Land und Leute dieser Inselwelt und über die dort lebenden Europäer ge-
sammelt, welche unsere — wenigstens was einige dieser Inseln betrifft — im
*anzen noch ziemlich dürftige Kenntniss jener Insel-Archipele wesentlich be-
reichert und erweitert und so manche bisherige falsche Vorstellung über diesel-
en berichtigt (s. Abschnitt 2 pag. 265 ff). ;
Wir geben hier zunächst aus dem von Capitain Knorr eingesendeten
ausführlichen Reisebericht eine Schilderung des Gesammtverlaufes dieser wegen
der zahlreichen Korallenriffe und Untiefen nicht ganz gefahrlosen und mühe-
rollen Reise.
Am 18. Dezember 1875 verliess S. M. S. „Hertha“ die Rhede von Yoko-
hama und steuerte zunächst die Bonin-Inseln an. Das gleich nach dem Ver-
jassen der Rhede einsetzende, während der Wintermonate in den höheren Brei-
ten (südlich bis zu 25° Nord-Br.) herrschende, stürmische und unbeständige
Wetter machte im Verein mit der grossen Zahl der als thatsächlich vorhan-
denen oder als zweifelhaft bekannten Gefahren (Inseln und Untiefen) die Navi-
girung. durch diesen verhältnissmässig wenig besuchten und bekannten Theil des
Stillen Oceans für ein Schiff von grossem Tiefgang anstrengend und schwierig.
Von den als zweifelhaft bezeichneten Gefahren mussten nach dem von dem Hy-
lrographischen Bureau der Vereinigten Staaten über diese zusammengestellten
Verzeichniss (List of Reported Dangers, Washington 1871) für die Navigirung
auf der ganzen Strecke der Expedition „Hertha“ allein 111 in Betracht
gezogen werden, von welchen 45 auf oder nahe dem, von der „Hertha“
genommenen Wege liegen. In dem 3. Abschnitte werden viele Beispiele
angeführt, welche darthun, mit welcher Vorsicht aber auch die Karten
der längst bekannten Inseln und Inselgruppen gebraucht werden müssen
(ss. pag. 273 ff). Nach siebentägiger meist stürmischer Fahrt kamen die Bonin-
Inseln am Nachmittag des ersten Weihnachtsfeiertages (25. Dezember) in
Sicht und. gegen Mittag am 26. Dezember ankerte „Hertha“ in der nörd-
lichen Bucht von Port Lloyd auf 44 Met. sehr hartem Korallensand. Die Ein-
zegelung in diesen Hafen ist, wie auch die zuverlässige Karte desselben angiebt,
ohne besondere Schwierigkeit, namentlich unter Dampf. Nach einem zweitägigen
Aufenthalte auf den Bonin-Inseln (s. pag. 265) verliess „Hertha“ Port Lloyd am
28, Dezember und setzte ihren Kurs auf die nördlichste Insel des Marianen-
Archipels, auf Farallon de Pajaros. Bereits auf 26° Nord-Br. setzte der Passat
aus nordnordöstlicher Richtung mit mässiger Stärke und gutem Wetter ein, doch
drehte die Windrichtung schnell östlich, bis sie auf EzN (durchnittlich) stehen
blieb. Am 1. Januar 1876 Vormittags kam die Insel Farallon de Pajaros (gegen
die Erwartung) nordostwärts vom Schiffe in Sicht. Mächtige Rauchwolken
) Vergl, Annal. der Hydrogr. etc, 1875 pag. 311, 481; 1876 pag. 89, 96.