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wehte sogar ein mässiger Sturm in der Stärke 8; das Anemometer ergab im
vierstündigen Mittel, für Segelung reducirt, 111 Seem., also nahezu 14.4 Met.
Windschnelligkeit per Sekunde. Mit einem ‘derart starken Gegenpassat war
uns ebenso wenig gedient, als mit dessen langem Anhalten bis zu 27° Nord-Br.
hin, was auch für den Monat Februar gewiss etwas Aussergewöhnliches ist.
Wir pressten bestmöglich ‚gegen diesen starken Passat an, mussten aber be-
ständig an Länge einbüssen, da der Wind auch nie östlicher als NEzE holte,
was sonst bei flauerem Passat. doch gewöhnlich der Fall ist. Am 8. Februar,
16 Tage seit dem Passiren der Linie, waren 26° 33‘ Nord- Br. und 47° 41‘
West-Lg. erreicht. Hier wurde der höchste Luftdruck, 770", angetroffen, und
hatte auch der Nordost-Passat sein Ende erreicht.
Die Strömungen wurden nördlich vom Aequator nahezu West setzend
zefunden und zwar bis 2° 5‘ Nord-Br. und 31° 35‘ West-Lg. 89 Seem, in zwei
Tagen, bis 4° 54‘ Nord-Br. und 34° West-Lg. 34 Seem. in zwei Tagen; Mit
dem dann durchkommenden steifen Passat trafen wir den Strom bis 8° 32
Nord-Br. und 36° 14‘ West-Lg. nahezu SzE!4AE 50 Seem. in drei Tagen. Darauf
folgten einige Tage mässige Nord- und Südwest-Stromversetzungen von 7 bis
11 Seem. täglich. Zwischen 17° und 21° Nord-Br. aber fanden wir wieder
rermehrte Strömung nach West und SW, von etwa 1 Seem. per Stunde, worauf
dann bis 26'/2° Nord -Br. wieder gewöhnliche Oberflächendrift von 1 Seem.
per Stunde gefunden wurde. Nach dem Ueberschreiten des Hochdruckgürtels
aber reducirten sich die Strömungen fast auf Null.
In der Region der Westwinde trafen wir noch viel veränderliches Wetter
und in 39'/2° Nord-Br. traf uns noch der Unfall, dass unsere grosse Mars-
stenge bei einer Böe brach. In 43° Nord - Br. und 21° West- Lg. hatten wir
den stärksten Wind auf dieser Reise, 18.8 Met. die Secunde, und zwar aus SzZW.
Am 1. März 1876, am 98. Tage unserer Reise, erreichten wir Falmouth.
Ueber die Stürme des Monats März 1876 in Europa.
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.)
In den zwei Wochen vom ‘4. bis zum 18. März war kein einziger Tag
an welchem nicht an einem oder mehreren Orten Deutschlands, Frankreichs, der
oritischen Inseln oder Skandinaviens um 8 Uhr Morgens der Wind stürmisch
der als voller Sturm wehte (genauer gefasst: die Stärke 8 der Beaufort’schen
Scala und darüber erreichte); an den meisten der Tage wüthete der Sturm auf
grossen Flächenräumen und erreichte mehrfach ausserordentliche, die verderb-
lichsten Wirkungen im Gefolge habende Kraft.
. Der Betrachtung dieser ungewöhnlich langen und intensiven Sturmperiode,
an der Hand der telegraphischen Witterungsnachrichten und nach den Prin-
cipien der neueren Meteorologie sind die folgenden Zeilen gewidmet.
Da indessen diese Principien zur Zeit noch allzu wenig in weitere Kreise
des Publieums gedrungen sind, so dürfte es nöthig sein, einige Bemerkungen in
gedrängtester Kürze vorauszuschicken.
Die nächste Ursache der horizontalen Luftbewegung, welche wir Wind
aennen, ist stets eine Verschiedenheit des Drucks, unter welchem die Luft-
massen in verschiedenen Gebieten, aber in derselben Höhenschicht stehen. So
zut die Luft aus dem Blaäsebalg, in welchem sie gepresst wird, ausströmt in
den Raum, wo dieser Mehrdruck nicht vorhanden ist, oder beim Oeffnen eines
luftverdünnten Raumes die äussere, unter dem vollen Druck der Atmosphäre
stehende Luft in diesen Raum einströmt, ebenso wird auch, wenn an einer
Stelle der Erdoberfläche der Luftdruck in dem gleichen Höhenniveau geringer
ist als an einer anderen, die Luft das Bestreben haben, von der letzteren nach
ler ersteren Stelle zu strömen. Dieses Bestreben müsste nun, wenn keine ab-
lenkenden Ursachen vorhanden wären, eine Strömung in gerader Linie vom
Orte des höheren zu jenem des niederen Drucks verursachen: und dieses wäre