accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 4 (1876)

250 
wehte sogar ein mässiger Sturm in der Stärke 8; das Anemometer ergab im 
vierstündigen Mittel, für Segelung reducirt, 111 Seem., also nahezu 14.4 Met. 
Windschnelligkeit per Sekunde. Mit einem ‘derart starken Gegenpassat war 
uns ebenso wenig gedient, als mit dessen langem Anhalten bis zu 27° Nord-Br. 
hin, was auch für den Monat Februar gewiss etwas Aussergewöhnliches ist. 
Wir pressten bestmöglich ‚gegen diesen starken Passat an, mussten aber be- 
ständig an Länge einbüssen, da der Wind auch nie östlicher als NEzE holte, 
was sonst bei flauerem Passat. doch gewöhnlich der Fall ist. Am 8. Februar, 
16 Tage seit dem Passiren der Linie, waren 26° 33‘ Nord- Br. und 47° 41‘ 
West-Lg. erreicht. Hier wurde der höchste Luftdruck, 770", angetroffen, und 
hatte auch der Nordost-Passat sein Ende erreicht. 
Die Strömungen wurden nördlich vom Aequator nahezu West setzend 
zefunden und zwar bis 2° 5‘ Nord-Br. und 31° 35‘ West-Lg. 89 Seem, in zwei 
Tagen, bis 4° 54‘ Nord-Br. und 34° West-Lg. 34 Seem. in zwei Tagen; Mit 
dem dann durchkommenden steifen Passat trafen wir den Strom bis 8° 32 
Nord-Br. und 36° 14‘ West-Lg. nahezu SzE!4AE 50 Seem. in drei Tagen. Darauf 
folgten einige Tage mässige Nord- und Südwest-Stromversetzungen von 7 bis 
11 Seem. täglich. Zwischen 17° und 21° Nord-Br. aber fanden wir wieder 
rermehrte Strömung nach West und SW, von etwa 1 Seem. per Stunde, worauf 
dann bis 26'/2° Nord -Br. wieder gewöhnliche Oberflächendrift von 1 Seem. 
per Stunde gefunden wurde. Nach dem Ueberschreiten des Hochdruckgürtels 
aber reducirten sich die Strömungen fast auf Null. 
In der Region der Westwinde trafen wir noch viel veränderliches Wetter 
und in 39'/2° Nord-Br. traf uns noch der Unfall, dass unsere grosse Mars- 
stenge bei einer Böe brach. In 43° Nord - Br. und 21° West- Lg. hatten wir 
den stärksten Wind auf dieser Reise, 18.8 Met. die Secunde, und zwar aus SzZW. 
Am 1. März 1876, am 98. Tage unserer Reise, erreichten wir Falmouth. 
Ueber die Stürme des Monats März 1876 in Europa. 
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.) 
In den zwei Wochen vom ‘4. bis zum 18. März war kein einziger Tag 
an welchem nicht an einem oder mehreren Orten Deutschlands, Frankreichs, der 
oritischen Inseln oder Skandinaviens um 8 Uhr Morgens der Wind stürmisch 
der als voller Sturm wehte (genauer gefasst: die Stärke 8 der Beaufort’schen 
Scala und darüber erreichte); an den meisten der Tage wüthete der Sturm auf 
grossen Flächenräumen und erreichte mehrfach ausserordentliche, die verderb- 
lichsten Wirkungen im Gefolge habende Kraft. 
. Der Betrachtung dieser ungewöhnlich langen und intensiven Sturmperiode, 
an der Hand der telegraphischen Witterungsnachrichten und nach den Prin- 
cipien der neueren Meteorologie sind die folgenden Zeilen gewidmet. 
Da indessen diese Principien zur Zeit noch allzu wenig in weitere Kreise 
des Publieums gedrungen sind, so dürfte es nöthig sein, einige Bemerkungen in 
gedrängtester Kürze vorauszuschicken. 
Die nächste Ursache der horizontalen Luftbewegung, welche wir Wind 
aennen, ist stets eine Verschiedenheit des Drucks, unter welchem die Luft- 
massen in verschiedenen Gebieten, aber in derselben Höhenschicht stehen. So 
zut die Luft aus dem Blaäsebalg, in welchem sie gepresst wird, ausströmt in 
den Raum, wo dieser Mehrdruck nicht vorhanden ist, oder beim Oeffnen eines 
luftverdünnten Raumes die äussere, unter dem vollen Druck der Atmosphäre 
stehende Luft in diesen Raum einströmt, ebenso wird auch, wenn an einer 
Stelle der Erdoberfläche der Luftdruck in dem gleichen Höhenniveau geringer 
ist als an einer anderen, die Luft das Bestreben haben, von der letzteren nach 
ler ersteren Stelle zu strömen. Dieses Bestreben müsste nun, wenn keine ab- 
lenkenden Ursachen vorhanden wären, eine Strömung in gerader Linie vom 
Orte des höheren zu jenem des niederen Drucks verursachen: und dieses wäre
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.