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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 4 (1876)

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abwechselnd Monsun und Passatwind angetroffen, von welchen aber der Nordwest- 
Monsun der stärkere ist. Da nun aber das Observatorium zu Mauritius sich 
im Nordwesten der Insel befindet, so hat ein Nordwestwind das erhitzte Land 
und die darüber aufgelockerte Luft zur Rechten seiner Bahn, wo auch, den 
Gesetzen der Luftbewegung zufolge, der niedere Luftdruck sich befindet. Dieser 
wird also durch locale Ursachen noch verringert und somit muss ein Nordwest- 
wind im Norden von Mauritius stärker als im Süden der Insel wehen. Beim 
Südost-Passat äussert sich die Auflockerung der Luft aber umgekehrt und ver- 
ursacht im Süden stärkeren Wind als im Norden. Aus diesen Gründen möchte 
ich behaupten, dass die grössere Stärke der Nordwestwinde gegenüber den 
Südostwinden am Observatorium zu Mauritius localen Ursachen zuzuschreiben 
ist, und dass in freier See auch das umgekehrte Verhältniss stattfindet. ; 
Am 20. Dezember, als wir das Cap der guten Hoffnung passirten, war 
der Wind nördlich und ging gegen Mittag westlich. Am Nachmittage sahen 
wir den Tafelberg mit einer Wolkenmütze bedeckt, gegen Abend und während 
der Nacht blieb es grösstentheils still. mit fauem südlichen Lufzuge. Am Morgen 
des 21. Dezember war das hohe Land unweit der Tafelbai noch in Sicht und 
hier trafen wir die niedrigste Meereswärme, 17.1° C., wobei-das Meer eine 
schmutzige, seetang-ähnliche, grüne Farbe zeigte, während es auf der Agulhas 
Bank reiner und bläulich-grün aussah. Die erstere Farbe erinnerte lebhaft an 
jas Aussehen des Meeres in der Nähe von Cap Horn und an den Küsten des 
Feuerlandes. — Hiernach kam endlich frische Südostbrise durch, womit im 
Kurs auf St. Helena guto Etmale abgesegelt wurden, Die Meerestemperatur 
war durchschnittlich 19° C., in vier Tagen hatten wir 67 Seem. Stromversetzung 
nach W!/2N, womit 27° 4‘ Süd-Br. und 7° 15‘ Ost-Lg. erreicht waren. Cap- 
tauben haben wir diese Tour nicht gesehen, dieselben sind zu der Jahreszeit 
wohl auf ihren Brüteplätzen, da sie doch sonst immer dem Aequator näher 
kommen, als Albatrosse, welche öfter von uns gesehen wurden. Der SE wurde 
nun etwas schwächer, ging auch einmal nach ESE, hielt sich aber im Ganzen 
recht stetig, obgleich er nur die Stärke 4 hatte. Die Strömungen hatten be- 
deutend nachgelassen, die Meereswärme war allmälig von 19° C. auf 21° C. 
gestiegen. Von 19° 24‘ Süd-Br. und 1° 30‘ West-Lg. bis 17° 11‘ Süd-Br. und 
4° 16‘ West-Lg. zeigte sich eine entschiedene Tendenz der Gewässer, südwest- 
lich abzufliessen; eine Beobachtung, die sich, eingezogenen Erkundigungen nach, 
zuch im Nordwesten von St. Helena durch südwestlich setzende Strömung be- 
stätigt und eine Ansegelung der St. James-Rhede' von Süden her bei den un- 
veständigen Winden unter dem hohen Lande sehr erschwert. Diese südwest- 
liche Strömung ist auch Hauptursache, dass die Wasserböte von St. Helena 
jetzt keinem Schiffe unter Segel mehr Wasser bringen, denn dabei ist es vor- 
gekommen, dass sie vertrieben sind und durch nachgesandte Bugsirböte erst 
wieder zum Ankerplatz geholt werden mussten. Wer jetzt Wasser einnehmen 
will, muss ankern. Am 2. Januar 1876 mit Tagesanbruch kam St. Helena in 
Sicht und um Mittag ankerten wir auf St. James - Rhede, welche 24 Stunden 
später wieder verlassen wurde. 
Der von hier nach dem Aequator einzuschlagende Kurs ist gewiss der 
einfachste von der Welt, indem man, in was immer für Länge der Aequator 
geschnitten wird, bis dahin ziemlich stetige Brisen des Südost-Passats zu er- 
warten hat. Indessen ist es zur Durchsegelung der Windstillen nördlich von 
der Linie anzurathen, dieselbe je nach der Jahreszeit in verschiedener Länge 
zu schneiden. Im nördlichen Sommer, von Mai bis October, wird man östlich 
von 23° West-Lg., und im südlichen Sommer,‘ von November bis April, westlich 
von 27° West-Lg. zu gehen, vortheilhaft finden. Schiffe, die von Süd-Amerika 
kommen, denen ein westlicherer Schnittpunkt keine längere zu segelnde Distanze 
bedingt, wie dies bei Schiffen, die vom Cap der guten Hoffnung kommen, der 
Fall ist, werden im südlichen Sommer wohl thun, westlich von 30° West-Lg, 
zu bleiben, ohne gerade den Meridian von Fernando Noronha nach Westen hin 
zu überschreiten. Capitain Toynbee empfiehlt sowohl auswärts als heimwärts 
bestimmten Schiffen, sich im Januar in der Westhälfte von Melden’s Quadrat 
No. 3 zu halten, d. h. vom Aequator bis zu 10° Nord-Br. zwischen 25° und 
30° West-Lg. zu bleiben.
	        
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