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von Menai-Insel beginnt, welche sich in einer Länge von !% Seem. nach Westen
arstreckt. Mit halber Fluth und halber Ebbe sind zwischen Nord- und Menai-
Insel Boot-Passagen durch die Riffbarriere, durch welche man in die Lagune
hinein und nach Wizard- und den Süd-Inseln hin gelangen kann. Mit frischem
Südost-Passat und zur Hochwasserszeit rollt die See über Theile des Ostriffs
und verursacht eine für Boote recht unangenehme Dünung in der Lagune.
Die Menai-Insel ist, wie gesagt, etwa !/a Seem. in Ostwest-Richtung breit
und wird etwas über 1 Seem. lang sein. Fast die ganze Insel ist mit Busch-
werk, das zwischen den Steinmassen hat Wurzel fassen können, bewachsen; die
etwa 10 Met. hohen Sandhügel tragen grössere Bäume und gewöhnliche Grasarten,
an der Südwestküste stehen einige Kokospalmen. Auf den Sandhügeln am
Nordostende der Insel waren Kokosnüsse gepflanzt, um Bäume daraus zu ziehen.
Die sämmtlichen Inseln dieser Gruppe haben kein frisches Wasser, auch sind
sie unbewohnt und werden gelegentlich von Fischern aus den Seychellen zur
Ausnutzung des. grossen Fischreichthums in der Lagune und des Schildkröten-
'anges wegen besucht. Die Schildkröten werden dort oft‘in einer-Schwere von
400 bis 700 Pfd. angetroffen. Seevögel umschwärmen die Insel massenhaft,
die sogen. Boobins sind vorherrschend, auch Fregattvögel, Schnepfen, Tauben
und viele andere Landvögel, die wohl aus dem benachbarten Madagaskar stam-
men, kommen‘ vor, so dass die Jagd darauf recht ergiebig ist. Wilde Ziegen
sollen ebenfalls vorhanden sein, doch .haben wir keine davon gesehen. Die
Wizard - Insel hat eine grosse Menge Ratten aufzuweisen, welche dort über-
1achtende Menschen nicht wenig beunruhigen.
Die Menai-Insel erlangt eine gewisse Wichtigkeit für die Gruppe, indem
sich am Nordende derselben ein ziemlich guter Ankerplatz befindet, woselbst
man gegen den Passat geschützt ist, also 8 bis 9 Monate im Jahre ganz sicher
liegt. Das Nordende dieser Insel liegt am Küstensaum etwa 1'/2 bis 2 Met.
über der Hochwassermarke und reichen die Lavamassen, von Flächen weissen
Korallensandes durchbrochen, zur Hochwasserzeit bis dicht ans Meer. Die
Nordwestspitze der Insel bildet‘ eine bedeutende Sandfläche und östlich davon,
gegen die Inselmitte hin, ist eine zweite Sandfläche, von etwa */s Ausdehnung
der ersteren; mehr sieht man hier bei Hochwasser nicht. Mit halber Gezeit
sieht man weiter nach Ost hin noch zwei kleinere Sandflächen mit schwarzen
Lavamassen dazwischen. Zur Zeit des Niedrigwassers wird noch in einer Aus-
dehnung von etwa 100 Met. ein ganz flacher schmutzig-gelb und weisser Strand
als Fortsetzung der Sandflächen und scheinbarer Untergrund der Lavamassen
sichtbar, dann aber macht die Insel wieder einen Absturz von etwa 5 Met. und
nun beginnt eine Bank, die sich in ihrer grössten Ausdehnung nahezu 2 Kblg.
weit erstreckt, stellenweise aber nur 100 Met. breit ist. Diese Bank bildet
nun eine ziemlich sanfte Fläche von 5 bis 30 Met. Wassertiefe, die sich langsam
abdacht. Hiernach fällt der Boden mit einem Male steil ab, so dass mit
200 Met, Leine kein Grund zu erreichen ist,
Bei einer Tiefe von 30 bis 35 Met. wollen die Anker nicht mehr: halten,
Wir sind dort zweimal fortgetrieben und hatten die nicht geringe Mühe, an:
L00 Met. Kette wieder einzuwinden. Später ankerten wir in etwa 15 Met,,
ungefähr auf der Mitte der Bank, bei Niedrigwasser 1 Kblg. vom Lande ent-
fernt. Dort fanden wir über weissem Korallensande mit Korallenbruchstücken
gut haltbaren Grund. Unser Anker lag recht dwars vom östlichen Theil der
zweiten Sandfläche von West an gerechnet; der nordöstliche Theil der höheren
mit Bäumen bewachsenen Hügel von Menai- Insel peilte Süd. Die beste Zeit
zur Ansegelung. dieses Ankerplatzes ist die bei Niedrigwasser, denn alsdann
kann man vom Bugsprit aus am besten sehen, wo sich die Bank am weitesten
hinaus erstreckt. Vom Buge aus hat man fortwährend zu lothen, bis man
19 Met. (10 Faden) Wasser hat, worauf sogleich der Anker fallen muss. Bei
Springfluthen steigt: die Fluth reichlich 3 Met., bei Neu- und Vollmond ist
zwischen 2'/2 und 3 Uhr Hochwasser. Die Fluth läuft am Lande entlang in
östlicher und nördlicher Richtung, bis das Wasser soviel gestiegen ist, dass es
durch die Kanäle der Riffbarriere in die Lagune hineinströmen kann; von
dieser Zeit an setzt der Strom direkt auf Land zu in die Lagune hinein, Auf
unserem Ankerplatz liefen die Gezeit - Strömungen jedoch sehr unregelmässig;
mitunter war Gegenstrom da, so dass sich durchaus kein bestimmter Wechsel